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Nüdlingen
Handball Bayernliga

Und plötzlich wachsen den SG-Frauen Flügel

Hezogenaurach kapiert es nicht: Der Tabellendritte wird vorgeführt von der SG Garitz/Nüdlingen, die ihre Offensivstärke wiederentdeckt. Eine kleine Systemumstellung hinterlässt großartige Wirkung.
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Die unterfränkische Wand: Mit Power versucht sich die Herzogenauracherin Alexa Dodan (am Ball), aber die Abwehr der SG Garitz/Nüdlingen stand wie eine Eins. Foto: Hopf
Die unterfränkische Wand: Mit Power versucht sich die Herzogenauracherin Alexa Dodan (am Ball), aber die Abwehr der SG Garitz/Nüdlingen stand wie eine Eins. Foto: Hopf
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SG Garitz/Nüdlingen - TS Herzogenaurach 32:22 (14:7).
Was sind schon ein paar Meter. Nichts. Manchmal aber der Weg zum Glück. Ein paar Meter waren es, die alles veränderten. "Es hat mich gefreut, dass mir diese Position zugetraut worden ist. Das war für mich eine zusätzliche Herausforderung", sagte Ronja Schwalbe, die wohl das beste Spiel im SG-Trikot absolvierte. In die Rückraum-Mitte versetzt, wurde die 21-Jährige zur zentralen Figur im Spiel gegen den Tabellendritten, der irgendwann nicht mehr kapierte, was da geschah.

Angefangen hatte das Spiel fast typisch. Die Mittelfranken führten nach zehn Minuten mit 3:2, weil Ronja Schwalbe und Julia Albert dreimal Latte oder Pfosten getroffen hatten. Bis dato hatte zumindest die Abwehr überzeugt, in der Theresa Kleinhenz das Vertrauen des Trainers rechtfertigte.
Und in der Torfrau Stephanie Piske bis zu ihrem Wechsel für Pia Kunzmann eine herausragende Leistung bot, auch zwei Siebenmeter parierte. "Die hat das Tor regelrecht vernagelte", staunte später Norbert Senft, der seiner Truppe nach dem Spiel zurecht ein Kaltgetränk spendierte für den unerwarteten Gala-Auftritt. Erstmals führte die SG-Heimsieben beim 4:3 nach 13 Minuten. Wunderliches passierte.

Während bei den Herzogenaurachern die wuchtige Alexa Dodan kein Faktor war und für einige Minuten auf die Bank beordert wurde, verteidigte die Spielgemeinschaft aufopferungsvoll. Und mit System. Die offensive 3:2-1-Abwehr mit der vorgezogenen Anna Zimmer wurde für die Gäste immer mehr zum kaum überwindbaren Hindernis. "Die Taktik hat die Truppe super umgesetzt. Wir wussten, dass wir den Gegner nicht ins Spiel kommen lassen durften. Wir wollten gut in der Abwehr stehen und uns vorne keinen Stress machen. Diesmal hatten wir durch die Bank Selbstvertrauen", schwärmte später der Trainer. 32 Treffer. Saisonrekord.

"Mit so einer Leistung hatte ich nicht gerechnet. Die Mannschaft hatte sich keinen Druck gemacht, das hat sich ausgezahlt", freute sich Lisa Wenzke, die trotz Verletzung natürlich nah dran bleibt am Team "auch wenn das Zuschauen schlimm für mich ist. Ich bin jedenfalls viel nervöser als sonst". Aufregend war es, was die SG-Frauen boten, aber diesmal ausschließlich im positiven Sinn. Selbstvertrauen war das später meistgebrauchte Wort. 30 Tore hatten die Unterfranken in den letzten beiden Spielen zusammen erzielt. Wenig Mumm im Arm. Und kaum Überzeugung im Kopf.

Diesmal war alles anders. Während Ronja Schwalbe die Bälle aus dem Rückraum reihenweise in den Winkel zimmerte, glänzte Anne Früh mit trickreichem Spiel und ebenfalls starker Treffer-Quote. Wie auch Anna Kleinhenz, die auf neuer linker Position keine Eingewöhnungsschwierigkeit offenbarte. Oder die später durch die Halle humpelnde Melanie Dotzer, die ihre beiden Siebenmeter verwandelte und drei weitere Treffer erzielte. Über ein 9:4 und 12:5 wurde die Pausenführung auf 14:7 ausgebaut.

Ein aufholbarer Rückstand für einen Gegner mit Qualität. Aber diese brachte die Mannschaft von Hans-Jürgen Kästl nicht auf die Platte. Zu sehr fehlte offensichtlich die bis Saisonende ausfallende Vicky Egle. Die talentierte Saskia Probst blieb ebenso blass wie die 34-jährige Dodan, die zwar immer wieder mit Power Richtung Kreis kam, aber da stand eben eine unverrückbare Wand. Typisch die Szene kurz vor Schluss, als Sabrina Kleinhenz die entnervte Rumänin zu einem Zeitspiel zwang. Nach 55 Minuten führte die Heimmannschaft sensationell hoch mit 30:16. Jedes Tor wurde auf dem Feld, aber auch auf der Bank ausgelassen gefeiert. Die 30er Marke durchbrochen hatte Sabrina Kleinhenz, die am Kreis wichtige Räume schuf und in der Abwehr keine zuließ. "Alle haben sich gegenseitig angefeuert und die Motivation war klasse. Jeder hat sich was zugetraut. Und ich bin selbst positiv überrascht, wie gut das geklappt hat", sprudelte es später aus Ronja Schwalbe, die ihre hohe Torausbeute nicht bewerten wollte. "Es geht mir nicht darum, viele Tore zu machen, sondern zusammen mit der Mannschaft ein geiles Spiel abzuliefern." Das war es.
Tore für die SG: Ronja Schwalbe (8), Anne Früh (7), Anna Kleinhenz (5), Melanie Dotzer (5/2), Sabrina Kleinhenz (3), Julia Albert (3), Franziska Thomas (1).


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Sport von überregionaler Qualität muss im Landkreis mit der Lupe gesucht werden. Fündig wird man beim Volleyball in Hammelburg. Und eben beim Handball. Bei der SG Garitz/Nüdlingen, die jetzt die zweite Saison in der Bayernliga bestreitet. Die Leichtigkeit der vergangenen Runde ist etwas abhanden gekommen. Der Konkurrenz gegenüber gibt es eben keinen Überraschungseffekt mehr. Die Gegnerschaft informiert sich augenscheinlich intensiv über Stärken und Schwächen. Eine Form von Respekt, die ausgerechnet so mancher Zuschauer vermissen lässt. Auch diesmal war die Schlossberghalle gut gefüllt. Aber die Lücken auf der Tribüne sind in diesen Tagen größer, als sie sein müssten. Die Unterstützung in der "Hölle Nord" damit leiser, als es sein müsste. Auf Heimsiege gibt es auf diesem Niveau keine Garantie. Sind aber umso schöner, wenn sie denn gelingen wie aktuell gegen Herzogenaurach. Echte Fans stehen zu ihrem Team auch in schwierigen Zeiten. Die Hallengang-Verweigerer sollten eines wissen: Bayernliga-Handball in und um Bad Kissingen ist ein Privileg. Und keine Selbstverständlichkeit.


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