Schweinfurt

Stimmung bei den Schweinfurter Fans endgültig gekippt

FC-05-Trainer Gerd Klaus gerät nach dem 1:4 in Amberg zunehmend in die Schusslinie. Spieler üben Selbstkritik.
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Erneut Gesprächsbedarf mit den Fans: die Schweinfurter Spieler nach dem 1:4 in Amberg. Foto: mib
Erneut Gesprächsbedarf mit den Fans: die Schweinfurter Spieler nach dem 1:4 in Amberg. Foto: mib
FC Amberg - FC 05 Schweinfurt 4:1 (1:0). Tore: 1:0 Marco Wiedmann (11.), 2:0 Oliver Gorgiev (48.), 2:1 Marco Janz (53.), 3:1, 4:1 Junior Torunarigha (69., 72.). Rot: Manuel Müller (82., Schweinfurt).
So zornig waren die Fans des FC 05 Schweinfurt schon lange nicht mehr. Zwar diskutierte ein guter Teil recht argumentativ mit den bedröppelt am Zaun stehenden Spielern das desaströse 1:4 beim FC Amberg. Doch gar nicht mal so wenige aufgebrachte Mitgereiste beschimpften die Mannschaft bisweilen deutlich unter der Gürtellinie. "Klaus raus" war da noch mit das harmloseste. Trainer Gerd Klaus hörte das nicht, hielt sich fern, wollte kein Öl ins Feuer gießen: "Ich überlasse auch das Feiern mit den Fans nach Siegen der Mannschaft." Ein bisschen zerknirscht wirkte aber auch er nach der fehlerübersäten Darbietung der Nullfünfer, die auf den vorletzten Platz abgerutscht sind und
nächste Woche mit Manuel Müller einen weiteren Rotgesperrten ersetzen müssen.

Der Appell der treuen Anhängerschaft, die aus dem hunderte Kilometer weiten, beständigen Nachreisen durch ganz Bayern das Anrecht zu handfester Kritik bezieht, an ein sichtbareres Bekenntnis zu ihrem geliebten Traditionsverein fiel beinahe so heftig aus wie seinerzeit im Jahr nach dem Zweitligaabstieg, als Trainer Djuradj Vasic zum Sündenbock geworden war. "Das ist definitiv der Tiefpunkt, die Stimmung ist komplett gekippt", stellte auch Kapitän Bastian Lunz kleinlaut fest. "Aber der Trainer kann doch nichts dafür, wenn wir Spieler Fehler machen." Dass er sich dabei selbst an die Nase fassen musste, war ihm bewusst: "Ich habe Verständnis für die Fans. Ich mache den Fehler zum 3:1 und das war der Knackpunkt. Ich nehme diese Niederlage auf mich. Wir waren eigentlich dran nach dem Anschlusstreffer und dann war das Spiel mit meinem Fehler am Arsch."

Ja, das war's. Doch in Amberg passte grundlegend eines nicht zusammen: das Wollen und das Können. Zumindest das Mühen darum, den Abwärtstrend zu stoppen, war dem FC 05 nämlich nicht unbedingt abzusprechen. Wenn aber von fünf zielgerichteten Pässen in die Spitze nur zwei ankommen, dann ist es nicht verwunderlich, dass Tom Jäckel kaum einen Ball behaupten konnte. Michael Kraus indes turnte an seiner Seite, bei aller Berücksichtigung seiner langen Pause, teilnahmslos herum. Und defensiv machten zahllose Unachtsamkeiten das Plus an Ballbesitz zur Farce. Denn die aggressiv und kurzpasssicher spielenden Amberger mussten nicht so viel tun, um die gefährlichere Mannschaft zu stellen und verdient in Führung durch Marco Wiedmann in Führung zu gehen. Nach der Pause schien es vorzeitig dahin zu gehen, als ausgerechnet der einstige Nullfünfer Oliver Gorgiev auf 2:0 erhöhte.

Doch dann wurde es ruppig und hektisch, was den Schweinfurtern besser bekam. Nicht nur ob des Abstauber-Anschlusstreffers zum 2:1 durch den aufgerückten Innenverteidiger Marco Janz war der Gast jetzt besser in der Partie. Und Klaus feuerte die angestrebte Aufholjagd mit einem Dreifachwechsel an. Doch es sollte anders kommen. Mitten in die vielleicht beste Schweinfurter Phase platzte nämlich die Gala des Jokers Junior Torunarigha, der mit seinen ersten Saisontoren (69., 72.) auf 4:1 erhöhte. "Wir schaffen es nicht, so etwas in unser Spiel zu bringen", beklagte Innenverteidiger Marco Janz, die seiner Elf zuträgliche Hektik nicht entscheidend genutzt zu haben.

Janz wollte auch gar nicht erst um den heißen Brei herum reden: "Wer so viele Fehler macht, kann kein Spiel gewinnen. Was wir nach vorne abliefern ist gar nichts. Jetzt muss Jeder schauen, ob er wirklich alles richtig macht. Wir müssen wieder als ein Team auftreten." Es klang nicht nach einem Lippenbekenntnis für den aufgebrachten Anhang. Janz ging mit sich und seinen Kollegen glaubhaft ins Gericht. Auch Klaus, der, um seine Mannschaft zu schützen, schon gerne mal die Ursache für Misserfolg im Umfeld (Verband, Schiedsrichter, Witterung) sucht, wirkte irritiert: "Wir haben heute quasi vier Eigentore erzielt. Die Fehlpässe waren eine Katastrophe."

Bei einem gewissen Grundverständnis für den Ärger der Anhängerschaft moniert er dennoch den frühen Zeitpunkt des Stimmungswandels: "Uns fehlen drei Punkte, ganz klar. Aber nach sieben Spielen verstehe ich auch die Hektik nicht ganz. Offenbar sind einige Fans nach dem 5:1 gegen Nürnberg zum Auftakt mit falschen Hoffnungen in die Saison gegangen. Es war klar, dass wir nur um den Klassenerhalt spielen." Und deswegen soll sich bis Ende des Monats, wenn die Wechselfrist für Vertragsamateure ausläuft, personell noch etwas tun. Der Vorsitzende und Geldgeber Markus Wolf habe Bereitschaft signalisiert. Diese Woche weilen zwei Testkandidaten - einer von Greuther Fürth II, einer vom FC Bayern München II - zum Training. "Jeder kann sehen, dass wir jemanden für die Außenbahn brauchen", spricht Klaus die größte Baustelle an.

Zur Baustelle gerät indes für das Spiel am Freitag gegen Illertissen die Abwehrkette. Denn als wieder einmal Torunarigha davon geflitzt war, langte Manuel Müller - selbst im Fallen und daher unglücklich - an die Ferse des dunkelhäutigen Stürmers und kassierte Rot. Damit ist er ebenso gesperrt wie Johannes Bechmann. Die Flut an Karten binnen nur sieben Spielen - dreimal Rot, einmal Gelb-Rot und 20 Mal Gelb (davon fünf allein gegen Wenninger) - ist ohnehin eine Sache für sich und lässt sich nicht nur mit dem zweikampfbetonten Spiel, sondern auch mit einer gewissen Überforderung der Grün-Weißen erklären.

Und wie soll sich das für die happigen nächsten Aufgaben gegen Illertissen, 1860 München II und Buchbach ändern? Vielleicht eine Trainingseinheit gegen eine Teambuilding-Maßnahme tauschen? "Kein schlechter Ansatz. Wir werden uns mal was anderes einfallen lassen. Nur auf die Mannschaft drauf zu hauen, wäre jetzt das falscheste", sagt Klaus. Gar nichts sagte Markus Wolf, weil er nicht in Amberg war. Doch Ende der Woche hatte er im grün-weißen Fan-Lager Minuspunkte gesammelt, als er in einem Interview gegenüber der BILD-Zeitung verlauten ließ, dem 1. FC Nürnberg, wo er Trikotsponsor ist, Hilfe bei der sportlichen Krisenbewältigung anzubieten. Dabei ist die Krise im eigenen Verein doch kaum kleiner.
Schweinfurt: Pfeiffer - Messingschlager, Man. Müller, Janz, Lunz - Kracun (56. Fery), Krämer - Diroll, Krautschneider - Jäckel (56. Mar. Müller), Kraus (56. Kleinhenz).
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