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Bad Kissingen
Eishockey

Mentalität und Pathos bei den Kissinger Wölfen

Nemirovsky und Co. stehen sensationell im Finale um die Landesliga-Meisterschaft und treffen dort auf den 16-fachen Deutschen Meister EV Füssen.
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Unaufhaltsam: Kissingens Verteidiger Niko Grönstrand zeigte im Spiel gegen Königsbrunn auch offensive Qualitäten. Foto: Hopf
Unaufhaltsam: Kissingens Verteidiger Niko Grönstrand zeigte im Spiel gegen Königsbrunn auch offensive Qualitäten. Foto: Hopf
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EC Kissinger Wölfe - EHC Königsbrunn 4:2 (0:1, 2:1, 2:0).
Wer Geschichte schreibt, darf ruhig pathetisch sein. So, wie es Marc Hemmerich war. "Es bleiben die Mannschaften im Herz und in der Erinnerung, mit denen du erfolgreich warst. Das sagt immer unser Trainer. Und das trifft auf diese Truppe zu", sagte der 32-Jährige, der schon so viele Schlachten geschlagen hat in seiner Karriere. Die Belastung der vergangenen Woche und Monate scheint am wuchtigen Körper des Verteidigers abzuprallen. "Wir sind fit. Und wir haben die Erfahrung", grinste der Mann mit Bart.


Weiter, immer weiter

Raus mit Applaus hätten die Kissinger Wölfe gehen können mit einer Niederlage, die Fans hätten ihre Mannschaft dennoch gefeiert. "Ein Finale ist immer etwas Besonderes. Egal in welcher Liga. Außerdem will ich immer gewinnen", hielt Mikhail Nemirovsky dagegen. Das Mentalitäts-Monster, das mit seinem Ehrgeiz die eigenen Spieler mitunter in den Wahnsinn treibt, aber auch an die Leistungsgrenze - und darüber hinaus - bringt. "Wir haben Qualität. Und wer sie nicht aufs Eis bringt, kann Herz und Leidensfähigkeit zeigen. Dann ist so etwas möglich", weiß der 42-Jährige.

Das Finale um die Landesliga-Meisterschaft also mit dem 16-fachen Deutschen Meister EV Füssen als Gegner in wieder maximal drei Spielen. Am Freitag (19.30 Uhr) reisen die Wölfe ins Ostallgäu, Spiel zwei findet am Sonntag um 18 Uhr in Bad Kissingen statt. "Der Pokal wird in der Halle sein, die Bayern-Hymne wird gespielt und wir werden uns noch einige Extras einfallen lassen", sagte ein euphorisierter Wölfe-Vorsitzender Michael Rosin, der gerne noch "auf dieser Welle weiter reiten" will. Selbst bei einer Niederlage dürfen sich die Fans nämlich auf einen weiteren Kracher freuen mit der Relegation gegen einen Bayernligisten aus der Abstiegsrunde.


Fleisch auf dem Speiseplan

"Im ersten Drittel hatte ich etwas Angst, was unsere eigene Leistung betraf. Die war nämlich nicht gut genug", kommentierte Mikhail Nemirovsky den Start seiner Mannschaft, die wieder auf Verteidiger Jan Pantkowski zurückgreifen konnte. Jeder Spieler zählt im dünnen Aufgebot der Wölfe, erst recht, wenn der Gegner mal wieder mit prallem Kader antritt wie die 20 Pinguine. "Zurück an den Südpol schicken." Diesen Auftrag hatten sich die Saalestädter selbst gegeben.

Wohl wissend, dass die possierlichen Frackträger im Unterfränkischen sicher nicht glücklich werden würden. Aber statt Fisch stand urplötzlich Fleisch auf dem Speiseplan der Seevögel. Wie schon zwei Tage vorher, als doch einiges Blut geflossen war bei den Wölfen. Nemirovsky war nach der 3:4-Niederlage im Gesicht gezeichnet. "Und mein Rücken ist immer noch blau. Aber wir wollten den Gegner fair schlagen. Weil wir wussten, dass dies dem EHC mehr weh tun würde", sagte Viktor Ledin. "Außerdem wollten wir den Fans und unseren vielen Helfern diesen Sieg widmen." Vom ersten Bully weg bekamen die 650 Fans in der fast ausverkauften Halle ein packendes Spiel mit Chancen auf beiden Seiten zu sehen. Für die Gäste ließ der 51-jährige (!) Roman Mucha einen Hochkaräter liegen im Duell mit Wölfe-Goalie Donatas Zukovas, aber auch EHC-Schlussmann Markus Kring erwies sich als Könner seines Fachs mit seinem schnellen Handschuh beim Solo von Christian Masel. Keinesfalls unverdient war der Führungstreffer der Brunnenstädter durch Dominik Zimmermann nach der blitzgescheiten Vorarbeit von Henning Schütz.

Das einzige Überzahlspiel im ersten Drittel hatten die Gastgeber nicht nutzen können. Auch nicht das zweite, weil Masel zu Beginn des Mitteldrittels, kurz nach der Top-Chance für Eugen Nold, nur den Pfosten traf. Aber der dritte personelle Vorteil brachte den Wolfsbau zum Kochen, als Rami Heikkilä von der blauen Linie abgezogen hatte. Jetzt endlich stimmten Tempo und Präzision im Spiel der Wölfe mit prima Gelegenheiten für Masel und Viktor Ledin, der schließlich die erste Kissinger Führung (35.) erzielte nach dem sehenswerten Pass von Mikhail Nemirovsky. Leichtsinn und fehlende Disziplin bringen den Ex-Profi allerdings an den Rand des Wahnsinns. Wie beim 2:2-Ausgleich durch Johannes Schierghofer (37.), als sich die Wölfe eine Zweiminuten-Strafe eingehandelt hatten durch einen Wechselfehler, um kurz darauf erneut nur zu viert zu verteidigen, weil Heikkilä erst seinen Schläger verloren, dann etwas zu übermütig den Zweikampf gesucht hatte.


Fehler werden bestraft

Aber auch die Schwaben machten Fehler, die bestraft wurden. Wie beim Scheibenverlust in Minute 45, was Ledin zum Solo samt perfekten Abschluss einlud. Zugleich ein Wirkungstreffer für die Gäste, die nicht mehr die Mittel fanden, um den bemerkenswert coolen Zukovas zu bezwingen. Markus Kring parierte zwar ebenfalls überdurchschnittlich bei den Konterchancen von Ledin und Heikkilä, war aber machtlos beim 4:2 von Roman Nikitin in Kissinger Überzahl. In den finalen Minuten hatten die Gastgeber auf Eugen Nold verzichten müssen nach einem Kufen-Bruch. "So was ist selten, passiert aber", sagte Michael Rosin, der seiner Truppe großen Respekt zollte. "Am Freitag waren wir zwei Drittel zu defensiv. Diesmal haben es die Jungs auch dank der Unterstützung der Fans besser gemacht und auch cleverer verteidigt. Ich finde, wir stehen zu Recht im Finale."
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