Bad Kissingen
Eishockey

Mehr Mädchen-Power im Eishockey

Girls-Camp in Bad Kissingen war ein voller Erfolg. Wiederholung im nächsten Jahr wird angestrebt. Aus der Initiative "girlseishockey.de" wurde mittlerweile ein Verein.
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Spaß in der Kissinger Eishalle: Die weiblichen Goalies absolvieren ihre Übungen. Foto: ssp
Spaß in der Kissinger Eishalle: Die weiblichen Goalies absolvieren ihre Übungen. Foto: ssp
Thomas Christof hat einen Traum, er möchte dazu beitragen, dass Eishockey auch für Mädchen in Deutschland zu einem Breitensport wird. Blut geleckt haben er und vor allem seine 2003 geborene Tochter Nina in den vergangenen sechs Jahren in den USA, als Christof mit seiner Familie in Boston lebte. Mittlerweile ist die Familie zurück in Hammelburg - im Gepäck die Leidenschaft für Eishockey. "Nina hat 2007 die Laufschule in der Kissinger Eishalle besucht und dort das Schlittschuhfahren gelernt. In Boston hat meine Tochter dann sehr intensiv in Mädchenmannschaften Eishockey gespielt", erzählt Thomas Christof alleine von 200 reinen Mädchenteams im Alter von 8 bis 14 Jahren rund um Boston.
Davon ist man in Deutschland Lichtjahre entfernt. Mädchen, wenn sie sich denn überhaupt mal für Eishockey begeistern, werden in der Regel in Jungen-Teams gesteckt. "Da ist vorprogrammiert, dass sie irgendwann körperlich nicht mehr mithalten können und die Lust verlieren. Zudem spielt für die Mädchen die soziale Komponente eine viel größere Rolle als für Jungs", weiß Thomas Christof aus eigener Erfahrung als Vater. Motivation und Sicherheit im Umfeld sind nach seiner Ansicht der richtige Weg. Dies wird vom US-Verband intensiv gefördert.
Um da in Deutschland was in dieser Richtung zu bewegen, hat der engagierte Vater die Initiative "girlseishockey.de" gegründet. In Bad Kissingen wurde aus dieser Initiative ein Verein. "Wir haben jetzt bundesweit 18 Gründungsmitglieder, in der Regel Eltern von Spielerinnen. Parallel zur Vereinsgründung wurde in der Bad Kissinger Eishalle ein Girls-Camp an zwei Tagen abgehalten. 35 Spielerinnen der Jahrgänge 2001 bis 2007 nahmen daran teil. Bei zwei Trainingseinheiten wurde an der Lauftechnik gefeilt, es gab an verschiedenen Stationen Übungen mit dem Puck und Schusstraining. Der Spaß stand im Mittelpunkt, für das Abschlussspiel wurden Mädchen in zwei Gruppen - nach Altersgruppen fair gemischt - eingeteilt. "Das Niveau war sehr gut. Die Rückmeldungen waren durchweg begeistert", zog Thomas Christof zufrieden Bilanz.
Die amerikanische Trainerin Michaela Flaherty, die aus Berlin angereist war, um das Camp zu unterstützen, ist Feuer und Flamme für Eishockey. "Als junges Mädchen gab es keine anderen Mädchen in meiner Umgebung, die Eishockey spielten. Erst als eine Gruppe von Mädchen in meiner Stadt eine Hockeymannschaft gründete, habe ich mit 14 Jahren mit dem Eishockey angefangen. Aus meiner eigenen Erfahrung weiß ich daher, wie wichtig es ist, Mädchen die Möglichkeit zu geben, mit Mädchen Eishockey zu spielen. Sie brauchen andere Mädchen und Frauen als Vorbilder, die sie für den Sport begeistern und zeigen, wie cool es ist, als Mädchen Eishockey zu spielen. Ich will dazu beitragen mehr Mädchen für diesen tollen Sport zu begeistern und habe mich sofort gemeldet, als ich von girlseishockey.de und dem tollen Camp gehört habe."
Für 2016 ist eine Fortsetzung geplant. "Die zentrale Lage von Bad Kissingen in Deutschland wurde von allen Teilnehmern sehr angenehm empfunden, weil so extreme Anreisen ausbleiben", berichtet der Initiator, der in Bad Kissingen von Beginn an von Holger Buczynski unterstützt wurde, der als Trainer auch einige Einheiten leitete. Mit dem Deutschen Eishockey-Bund wurde eine Partnerschaft vereinbart. Damen-Bundestrainer Benjamin Hinterstocker und der U-18-Coach Tommy Kettner waren in Bad Kissingen, um sich ein Bild zu machen. "girlseishockey" muss da noch Lobby-Arbeit leisten. "Wir wollen möglichst viel Input liefern, um die Mädchen viel stärker in das DEB-Nachwuchskonzept "Powerplay 2026" einzubinden", setzt sich Thomas Chrsitof zum Ziel. Im nächsten Jahr wird eine Auswahl der besten Spielerinnen, die in Kissingen gesichtet und bewertet wurden, an einem Jugendturnier in Helsinki teilnehmen.
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