Bad Neustadt an der Saale

Keine falschen Illusionen

Leistungsträger sind gegangen, mit ihren Nachfolgern wird man Geduld haben müssen. Der HSC Bad Neustadt steht vor einer ungewissen Saison in der 3. Liga.
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Das Team des HSC Bad Neustadt in der Saison 2016/17, hinten von links: Jan Wicklein, Adam Pal, Vilim Leskovec, Franziskus Gerr, Konstantin Singwald, Matthias Grünert, Gary Hines und Felix Landgraf. Mitte, von links: Mannschaftsarzt Dr. Günter Fröhling, Ergotherapeutin Luisa Braun, Fitnesstrainer Carsten Pusch, Trainer Margots Valkovskis, Mannschaftsverantwortlicher Daniel Seith, Dieter Schulz, Vereinsvorsitzender und Geschäftsführer der Spielbetriebsgesellschaft und Betreuer Volker Thiel. Vor...
Das Team des HSC Bad Neustadt in der Saison 2016/17, hinten von links: Jan Wicklein, Adam Pal, Vilim Leskovec, Franziskus Gerr, Konstantin Singwald, Matthias Grünert, Gary Hines und Felix Landgraf. Mitte, von links: Mannschaftsarzt Dr. Günter Fröhling, Ergotherapeutin Luisa Braun, Fitnesstrainer Carsten Pusch, Trainer Margots Valkovskis, Mannschaftsverantwortlicher Daniel Seith, Dieter Schulz, Vereinsvorsitzender und Geschäftsführer der Spielbetriebsgesellschaft und Betreuer Volker Thiel. Vorn, von links: Maximilian Schmitt, Felix Wolf, Fabian Tatzel, Felix Schmidl, Benedikt Kleinhenz und Timo Riesenberger. Es fehlt Co-Trainer Igor Mjanowski. Foto: Anand Anders
Der HSC Bad Neustadt, er ist ein Dauerbrenner in der Dritten Liga. Die Handballer starten an diesem Samstag, 19.30 Uhr, mit einem Heimspiel gegen Eintracht Hildesheim in ihre siebte Saison in dieser Spielklasse, die 2010 die Regionalligen abgelöst hat. Nur 13 andere Klubs deutschlandweit waren wie die Rot-Weißen seither immer dabei, sei es in der Staffel Nord, West, Süd oder Ost. Die sogenannte ewige Tabelle der Dritten Liga weist die Bad Neustädter auf dem zweiten Rang aus, nur der Leichlinger TV hat mehr Punkte gesammelt, der es auf 229:127 Zähler bringt. In ähnliche Tabellensphären, da sollten sich weder der Klub noch seine Anhänger irgendwelchen Illusionen hingeben, wird der HSC in der Spielzeit 2016/17 realistisch betrachtet nicht vorstoßen können.

Die Stärke des HSC Bad Neustadt wiegt in dieser Saison in der Dritten Liga Ost weniger auf als noch in der letzten, als die Valkovskis-Sieben Fünfter wurde.
Die Konkurrenz hat zugelegt und Bad Neustadt abgenommen. Meister und Zweitligaaufsteiger TV Hüttenberg und der Zweite TuS Fürstenfeldbruck, der in den Süden umgruppiert worden ist, sind nicht mehr dabei. Dafür kamen unter anderem die ambitionierten Handballfreunde Springe und Eintracht Hildesheim aus der Zweiten Bundesliga beziehungsweise der Spitze der Nordstaffel dazu. Der TV Großwallstadt hat gewaltig aufgerüstet, der HC Elbflorenz verfolgt wie schon in den letzten Jahren große Pläne. "Unsere Staffel ist enorm stark. Die obere Hälfte hat Zweitliga-Niveau", sagt Dieter Schulz, Vereinsvorsitzender und Geschäftsführer der Spielbetriebsgesellschaft.

Unter den besten acht Mannschaften landen, so das von Schulz formulierte Saisonziel, sollte der HSC Bad Neustadt können. Als gesichert annehmen darf man einen einstelligen Rang aber nicht. Der Kader ist extrem dünn, langwierige Verletzungen von Leistungsträgern könnten den HSC weit zurückwerfen. Auch in der Tabelle. "Wir haben eine schlagkräftige Mannschaft, in der Breite gibt es noch Entwicklungsbedarf. Unser Stamm ist absolut konkurrenzfähig in der Dritten Liga. Die Neuzugänge brauchen aber Zeit", sagt Mannschaftskapitän Maximilian Schmitt, "sie müssen sich erst an die Liga gewöhnen. Alle drei haben großes Potenzial, sie könnten in ein, zwei Jahren einen Schuss zu Leistungsträgern machen".


Valkovskis: "Man kann jeden Angriff in Überzahl spielen"

Mit Falk Kolodziej, Lukas Böhm und Michal Panfil haben drei etablierte Kräfte den Klub im Sommer verlassen. Auf Anhieb werden sie nicht zu ersetzen sein. Matthias Grünert (23), beim HC Erlangen ausgebildeter Kreisläufer, ist in seiner Entwicklung am weitesten. "Er bringt uns in der Deckung und am Kreis sofort weiter", ordnet Schulz den Ex-Waldbüttelbrunner in die Kategorie Verstärkung ein. Nicht zuletzt soll er Franziskus Gerr entlasten, der an der Sechs-Meter-Linie in der vergangenen Saison Einzelkämpfer war. "Matthias weiß, was wir von ihm erwarten", sagt Trainer Margots Valkovskis.

Mit Timo Riesenberger (21/Rückraum Mitte) und Adam Pal (21/Rückraum rechts) wird man Geduld haben müssen. Der aus Taufkirchen stammende Riesenberger wechselte als Teenager in die Kaderschmiede des österreichischen Spitzenklubs Bregenz, schloss sich später der TuS N-Lübbecke und der SG DJK Rimpar an und bringt große Anlagen mit. Körperlich wird er freilich noch deutlich zulegen müssen. "Er hat seine Zeit noch vor sich", sagt Dieter Schulz. Valkovskis sieht das genauso und hofft "dass er seine Nervosität im Spiel bald ablegen kann".

Der Zwei-Meter-Ungar Adam Pal wurde erst spät verpflichtet, seine sportliche Integration wird dauern: neues Land, neue Sprache, neue Mannschaft. Der 21-jährige Linkshänder wird erst eine Menge Erfahrungen sammeln und verarbeiten müssen, ehe er dem HSC weiterhelfen kann. "Er braucht unbedingt Zeit. Überholen ohne einzuholen geht nicht", sagt Schulz. "Vernunft walten lassen", überschreibt der HSC-Boss seine Transferpolitik, die vorsah, sich nach jungen Leuten mit Entwicklungspotenzial umzusehen.

In der Defensive setzen Valkovskis und sein Co-Trainer Igor Mjanowski in erster Linie auf eine 5:1-Variante.
Als vorgezogener Mann ist Gary Hines die erste Option, auch Maximilian Schmitt kommt für diese Position in Frage. Oder in einer etwas defensiveren Ausprägung Franziskus Gerr.

Bis Adam Pal soweit ist, müssen die Trainer im Angriff im rechten Rückraum Rechtshänder aufbieten. Gary Hines und Konstantin Singwald kommen dafür in Frage. "Das ist sicherlich nicht so attraktiv, aber hoffentlich erfolgreich", sagt Valkovskis.

Und dann gibt es nun ja noch die Möglichkeit, für den Torwart im Angriff einen zusätzlich Feldspieler einzusetzen, ohne den extra kennzeichnen zu müssen. Eine allenthalben kritisch beäugte Regeländerung, an der freilich kaum ein Trainer vorbeikommen wird. "Man kann jeden Angriff in Überzahl spielen", sagt Valkovskis und kündigt an: "Wir werden die Möglichkeit nutzen."


Der Kader des HSC Bad Neustadt

Abgänge: Falk Kolodziej (HBW Balingen/Weilstetten II), Michal Panfil (TG Heidingsfeld), Lukas Böhm (DJK Rimpar Wölfe), Goran Djuricin (Handball Meran Alperia/Dezember 2015)

Zugänge: Matthias Grünert (DJK Waldbüttelbrunn), Timo Riesenberger (SG DJK Rimpar II), Adam Pal (Levendula Hotel-FKSE Algyö), Felix Landgraf (eigene Jugend)

Tor: 12: Fabian Tatzel (20), 16: Felix Schmidl (27)

Außen: 8: Felix Wolf (21), 15: Felix Landgraf (18), 18: Benedikt Kleinhenz (18), 22: Jan Wicklein (26)

Kreis: 24: Franziskus Gerr (30), 35: Matthias Grünert (23)

Rückraum: 6: Maximilian Schmitt (24), 7: Adam Pal (21), 9: Gary Hines (32), 11: Timo Riesenberger (21), 17: Konstantin Singwald (22), 25: Vilim Leskovec (25)

Trainerteam: Margots Valkovskis (Cheftrainer/39), Igor Mjanowski (Co-Trainer/49) red

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