Hammelburg
Volleyball

Hammelburg setzt sich die Krone auf

Ein Punkt in zwei Spielen reicht der zweiten Damenmannschaft des TV/DJK, um Meister der Landesliga zu werden. Und das, obwohl es keinen festen Trainer gibt.
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Hammelburgs Pia Tolle (vorne) kann den Dombühler Block-Versuch überwinden. Im Hintergrund fiebern Bernhard Löser und das Team mit.  Foto: ssp
Hammelburgs Pia Tolle (vorne) kann den Dombühler Block-Versuch überwinden. Im Hintergrund fiebern Bernhard Löser und das Team mit. Foto: ssp
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Die über 100 Zuschauer waren begeistert und die Daheimgebliebenen überboten sich mit Begeisterungsstürmen, als das "Meister-Posting" auf der Hammelburger Facebook-Seite veröffentlich wurde: Nach dem Aufstieg in die Landesliga vor zwei Jahren und einer Turbo-Saison mit der sofortigen Teilnahme an der Relegation krönte Hammelburgs zweite Volleyballgarde vergangenes Wochenende eine fantastische Saison mit dem Meistertitel in der Landesliga.


Meister während des Spiels

Beim großen Saisonfinale vor Heimpublikum reichte den Volleyballerinas ein einziger Punkt, der bereits nach zweit Sätzen gegen Dombühl unter Dach und Fach war. Dass das zweite Spiel gegen Schwaig verloren wurde, hatte allenfalls Einfluss auf die bis dato glänzende Heimbilanz. "Klaro hätten wir unsere weiße Weste zu Hause gerne gehalten, andererseits war das auch sowas von egal", kommentierte TV/DJK-Kapitänin Selina Helfmann das letzte Saisonspiel. Ihre Mitstreiterinnen mussten sich indes ganz schön zusammenreißen, das Auftaktspiel gegen die Mittelfranken überhaupt zu Ende zu bringen. "Wir waren nach dem 2:0 gegen Dombühl schon Meister und haben innerlich natürlich schon gefeiert", berichtete die 18-jährige Zuspielerin, so dass der letzte Satz zur echten Geduldsprobe wurde. Der Matchball hatte es allerdings noch einmal in sich: 30 lange Sekunden zog sich dieser, während das bunte Spielgerät mehrere Male die Feldseite wechselte. Letztlich war es Außenangreiferin Lena Bindrum vorbehalten, den "Meisterschaftsball" auf der gegnerischen Feldseite zu versenken. Tinitusgefahr inklusive, denn die Dezibelzahl stieg schlagartig an, während das Meisterschaftstänzchen auf dem Spielfeld kein Ende nehmen wollte.


Ein ganzer Trainer-Pool

"Das war die Krönung einer geilen Saison", machte Selina Helfmann ihrer Freude Luft und in der Tat hatte das junge Team trotz der ein oder anderen Unwegsamkeit Beachtliches geleistet. "Immerhin sind wir wahrscheinlich das Team mit den meisten Trainern und Betreuern in ganz Bayern", schmunzelte Helfmann, die damit auf die unbefriedigende Trainersituation in den vergangenen beiden Spielzeiten anspielte. Training ist zeitintensiv, ebenso eine Mannschaft zu betreuen, die fast jedes Wochenende zu Auswärtsspielen im Nürnberger Raum unterwegs ist. Da es der Abteilungsführung nicht gelingen sollte, einen Vollzeit-Coach zu finden, musste improvisiert werden und kurzerhand wurde ein Trainer- und Betreuer-Pool gebildet. Das Dienstagstraining leitete Bruno Simunic, während am Donnerstag Bernhard Löser für den Feinschliff bei Technik und Taktik sorgte. Da Simunic an den Wochenenden stets mit seinem Bundesligateam unterwegs war und auch Löser als Spieler in Eibelstadt aktiv ist, herrschte an Spieltagen das Prinzip "Coachrotation".

So wechselten sich Christine Fell, Katharina Lux und Klaus Wüscher bei der Betreuung des Teams ab. "Natürlich waren die wechselnden Coaches oft ein Problem, da ja kein Coach wusste, was im Training geübt wurde", beklagte Helfmann, um gleich augenzwinkernd anzumerken: "Dafür, dass uns vor der Saison keiner wollte, hat das ziemlich gut funktioniert." Dass die Reserve des Drittliga-Teams oft ihr Schattendasein außerhalb der medialen Aufmerksamkeit von erster Damenmannschaft und dem Bundesligateam der Herren fristete, war und ist für die immer junge Meistertruppe kein Problem. Der für eine zweite Mannschaft eher ungewöhnlich hohe Support bei Heimspielen und die stets meisten Klicks und Postings nach ihren Siegerselfies in den sozialen Netzwerken waren nur ein Indiz für die große Fangemeinde. Gefragt nach dem Erfolgsrezept ihres Teams musste Helfmann nicht lange überlegen: "Wir sind eine homogene Truppe, der Zusammenhalt und die Motivation ist hoch und an den Spieltagen hat einfach jeder Bock zu gewinnen." Noch etwas? Ja, Bescheidenheit als Charakterzug eines Teams, welches über Jahre tolle Leistungen erbrachte und dabei stets bescheiden blieb. Und so wurde die spontane Meisterschaftsfeier auch nicht etwa in einem edlen Club, sondern ganz bodenständig auf der 80er/90er-Feier in einer bekannten Hammelburger Kneipe gefeiert.


Neue Herausforderungen

Wie es in der kommenden Saison für das Team weitergeht und ob der Schritt in die Bayernliga tatsächlich "gewagt" wird, steht indes noch nicht fest: "Viele von uns machen heuer Abi und werden dann studieren, insofern weiß noch niemand, in welcher Liga es für uns weitergeht", sagte Helfmann, die selber ab der kommenden Saison nur noch in der ersten Damenmannschaft zuspielen wird. Zudem kommt noch ein ganz anderes Problem auf die TV/DJK-Verantwortlichen zu: In der Bayernliga bedarf es einen Trainer mit B-Lizenz, zudem müsste in der Saaletalhalle auf Großfeld gespielt werden, wegen der anderen hochklassigen Team eine logistische Herausforderung. Für Helfmann ist das aber erst einmal zweitrangig: "Wir machen jetzt erstmal Trainingspause und freuen uns. Was dann kommt, sehen wir."

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