Arnshausen
Spiel der Woche

Ein Schießlehrer will Hausen weiterhelfen

Als Außenseiter geht der TSV Arnshausen ins Derby der A-Klasse Rhön 2 gegen die TSVgg Hausen. Vor allem in personeller Hinsicht trennen die Bad Kissinger Stadtteil-Vereine Welten.
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Außer Gefecht gesetzt ist Johannes Friedrich (im Bild). Dessen Torgefährlichkeit könnte der TSV Arnshausen gut gebrauchen im Derby gegen die TSVgg Hausen. Foto: ssp
Außer Gefecht gesetzt ist Johannes Friedrich (im Bild). Dessen Torgefährlichkeit könnte der TSV Arnshausen gut gebrauchen im Derby gegen die TSVgg Hausen. Foto: ssp
Ein Schießlehrer also. Die TSVgg Hausen lässt nichts unversucht, um vielleicht in dieser Saison die Rückkehr in die Kreisklasse zu schaffen. Hauchzart hatte der Verein zuletzt die Aufstiegsrelegation verpasst. Thomas Heydrich ist tatsächlich Schießlehrer - bei der Bundeswehr in Hammelburg. Gegen etwas mehr offensive Stärke hat der neue Trainer aber sicher nichts einzuwenden. 55 Treffer hatten die Hausener in der Vorsaison erzielt in 26 Spielen. Nicht schlecht, aber halt nicht gut genug für den ganz großen Wurf.


Die Chemie passt

Der 34-Jährige hatte bis dato Jugendmannschaften beim TSV Oberthulba, FC Thulba und bei der JFG Sinntal-Schondratal trainiert, ehe eine Trainerpause folgte, weil sich in der Familie Nachwuchs eingestellt hatte. "Ich habe aushilfsweise mal Peter Rückel und Thomas Hammer am DFB-Sichtungstag unterstützt. Mehr war nicht", sagt der in Burkardroth lebende Thüringer. Ausgerechnet einen Tag nach einem Besuch beim Rimini-Cup hatten sich Verantwortliche der TSVgg Hausen erstmals gemeldet. Und die Chemie stimmte offensichtlich von Anfang an, weil bis zur Vertrags-Unterzeichnung nicht viel Zeit vergehen sollte. "Alles passt. Aber vom Aufstieg werde ich nicht reden. Dafür habe ich zuviel im Sport erlebt", sagt der C-Lizenz-Inhaber, der laut eigener Aussage, "selbst nie ein super Spieler war".

Der gut aufgestellte Kader und das lernwillige, motivierte, aber auch charakterstarke Team bieten in jedem Fall Grund zum Optimismus. "Die Jungs ziehen mit, auch bei den freiwilligen Laufeinheiten mit unserem Triathleten Dominik Renninger." Künstlerpech, dass Thomas Heydrich den Saisonstart in Arnshausen urlaubsbedingt verpassen wird. Und damit nicht sehen wird, ob die Hausener Serie hält nach den beiden Siegen (2:1, 2:0) aus der Vorsaison.


Stimmung in Moll

Mehr in Moll gehalten ist dagegen die Stimmung beim TSV Arnshausen, wo Trainer Bastian Steuerwald grundlegende Probleme plagen. Weil Spieler den Verein verlassen haben oder aus privaten wie beruflichen Gründen nicht mehr zur Verfügung stehen, ist das Angebot an einsatzfähigen Kickern extrem überschaubar geworden am Lollbach. Auch zwischen den Pfosten ist die Situation keine einfache nach dem Weggang von Stefan Krieg. Jakob Schleicher pausiert als werdender Vater, Gregory Engelage steht eingeschränkt zur Verfügung, Neuzugang Michael Hübl fällt als Koch an Sonntagen aus.

"Die ersten 14 sind eigentlich immer fix. Konkurrenzkampf gibt es praktisch nicht", bedauert Steuerwald, der aus der Not geboren seit der vergangenen Runde wieder selbst mit auf dem Feld steht. "Die Saison überstehen und bloß nicht absteigen", will der gebürtige Eltingshäuser, "weil es sonst noch schwieriger wird, die Spieler im Verein zu halten angesichts der vielen höherklassigen Kissinger Clubs in der Umgebung". Wer das Ziel Klassenerhalt für pures Understatement hält, unterschätzt aus Sicht des Trainers die Liga. "Es gibt keine Opfermannschaften mehr. Oftmals nimmt bei den Vereinen die Qualität sogar zu, weil Spieler nicht mehr den größeren Aufwand bei höherklassigen Vereinen leisten und lieber in einer tieferen Liga kicken wollen. Den Zusammenhalt im Team sieht Steuerwald dafür als großen Pluspunkt. Zehn, elf Spieler besuchen durchschnittlich die Trainingseinheiten.

Seinen Teil zum Erfolg beitragen will auch Joachim Friedrich, der aufgrund seines Lehramt-Examens vorerst keine Tore beisteuern kann, dafür kurzerhand das Amt des Abteilungsleiters übernommen hat. "Der Heiko Schmitt hat das jahrelang gemacht, dann der Bernd Greubel. Und als jemand Neues gesucht wurde, habe ich mich zur Verfügung gestellt. So kann ich dem Verein auch etwas zurückgeben", sagt der 28-Jährige. Betont aber im selben Atemzug, "dass ich mir diesen Job teile mit Christian Kiesel, Bernd Greubel und Rüdiger Hartmann, weil ich unter der Woche ja oft nicht da bin." Auch auf Hausener Seite übernimmt mit Maximilian Fichtl ein Spieler Funktionärs-Verantwortung. Vor drei Jahren von einem Kreuzbandriss ausgebremst, blieb der 24-Jährige trotzdem nah dran an der Mannschaft, um bei den jüngsten Neuwahlen schließlich die Hand zu heben, als der Abteilungsleiter-Posten zu besetzen war. Mittlerweile steht Maximilian Fichtl wieder auf dem Platz und stemmt die Doppelbelastung, weil Bruder Sebastian, aber auch die Mannschaft mit anpackt bei der Spieltagsplanung. "Das ist eine neue Herausforderung. Ich bin Ansprechpartner für die Vereinsführung, vertrete aber auch das Team gegenüber den Fans. Und das macht echt Spaß", sagt der Student der Technik-Akademie in Alsfeld, der unter der Woche sogar zum Training heimfährt, "weil ich fußballverrückt bin".


Vorsicht mit Emotionen

Für das Derby sieht Maxi Fichtl seine Truppe gerüstet. "Wir sind gut drauf, haben top Neuzugänge", schwärmt der Hausener. Was übrigens auch Bastian Steuerwald befürchtet. "Zum Auftakt hätte es ein leichterer Gegner sein dürfen. Ein Remis wäre eine Überraschung, drei Punkte wären sensationell." Heiß her ging es bereits in der Vorsaison in beiden Spielen. Arnshausen ist der Außenseiter, aber neben dem Herzen fordert Steuerwald auch den Kopf. "Zu viele Emotionen helfen auch nicht weiter."

So wurde getippt

Erna Reuß (Edel-Fan TSV Arnshausen) Ich tippe 2:1 für die Arnshäuser. Die Jungs haben es derzeit nicht so einfach, aber einen Sieg traue ich ihnen dennoch zu.

Dieter Six (Platzwart TSV Arnshausen) 3:1 für uns. Ich bin optimistisch und hoffe einfach, dass es klappt. Über den Kampf geht immer was.

Eckhard Fehr (Ex-Vorsitzender TSVgg Hausen) Ich tippe 3:1 für Hausen, weil unser Kader breiter als letzter Saison aufgestellt ist und wir keine nennenswerten Abgänge hatten.

Christoph Kenner (Jugendfußballabteilungsleiter TSVgg Hausen) Ich sage mal 3;1 für uns. Weil die Jungs vergangene Saison schon gut gespielt und aktuell eine super Vorbereitung hingelegt haben.
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