Hammelburg
Motorsport

Ein Fehler kostete in Hammelburg den Sieg

Die Nordhessen Uwe Kiehm und Andrea Bemmann gewinnen im Opel Kadett C Coupé die 4. ADAC Toyo-Tires Rallye Fränkisches Weinland des AMSC Hammelburg.
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Uwe Kiehm und Co-Pilotin Andrea Bemmann durften sich am Ende über den Gesamtsieg freuen. Das Ergebnis ihrer beherzten Fahrt im Opel Kadett C Coupé wurde am Ende noch durch einen Fehler der Konkurrenz begünstigt. Foto: Karlheinz Franz
Uwe Kiehm und Co-Pilotin Andrea Bemmann durften sich am Ende über den Gesamtsieg freuen. Das Ergebnis ihrer beherzten Fahrt im Opel Kadett C Coupé wurde am Ende noch durch einen Fehler der Konkurrenz begünstigt. Foto: Karlheinz Franz
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Zusammengezählt wird immer erst ganz zum Schluss. Diese gerade in Motorsportkreisen bekannte Binsenweisheit machte bei der 4. Auflage der "ADAC Toyo-Tires Rallye Fränkisches Weinland" ihrem Namen wieder einmal alle Ehre. Dies zum Nachteil des schnellen bayerischen Rallyeteams Bernd Michel und Bernd Hartbauer (Schwarzenbach/ Sargans), das den schon sicher geglaubten Gesamtsieg auf den letzten Metern noch wegschmiss, als ihr Mitsubishi Lancer Evo 9 RS kurz vom rechten Pfad abkam.
Doch der Reihe nach. Bei der Rallye Fränkisches Weinland entwickelte sich von Anfang an ein prickelnder Dreikampf zwischen Michel/Hartbauer, den Nordhessen Uwe Kiehm/Andrea Bemmann im 16-Ventil-Kadett C Coupé und dem Nürnberger Stefan Stich mit Co-Pilotin Nina Blumenreich aus Himmelkron im Mitsubishi Lancer Evo 8.
Michel legte in Wertungsprüfung 1 bei Langendorf vor.
Mit 2:54,2 Minuten holte er auf der 5200 Meter langen Asphaltpiste mit Start bei Langendorf und Ziel zwischen Fuchsstadt und Greßthal die Bestzeit. Acht Zehntelsekunden dahinter der schnelle Kadett-Treter Uwe Kiehm aus Schlitz, der sich anschickte, den reichlich im Starterfeld vertretenen Allrad-Lancer die Show zu stehlen.


Honke/Heinze im Rundkurs stark

Wertungsprüfung 2, ein 5900 Meter langer Rundkurs zwischen Diebach, Ober- und Untereschenbach, lag den Oberfranken Reinhard Honke und Michael Heinze im Mitsubishi Lancer Evo 9 offenbar am besten. Zweimal trugen sich die Himmelkroner hier in die Bestenliste ein, zumal sie auch Wertungsprüfung 4 an gleicher Stelle für sich entschieden. Michel patzte hier, würgte den Motor ab und hatte das Nachsehen.
Auf Wertungsprüfung 3 schlug er dann zurück, dominierte die Prüfung am Klöffelsberg. Die Strecke unter der Brückenbaustelle der Autobahn A7 hindurch, vorbei am Steinbruch, über die Autobahnbrücke hinweg bis zur Einmündung der Kreisstraße 42 in die Staatsstraße 2293 zwischen Fuchsstadt und Greßthal war wie gemacht für den Lancer-Piloten mit seinen rund 300 PS unter der Haube.


Michel/Hartbauer dominieren

Seine Dominanz auf der Strecke bewies er auch, als die Wertungsprüfung in umgekehrter Richtung gefahren wurde. Wieder war er hier Schnellster und baute damit die Gesamtführung auf 3,9 Sekunden aus. Das sollte eigentlich bei dem noch ausstehenden Rundkurs Nummer drei locker reichen.
Alles sah zunächst auch danach aus. Doch dann ein kleines Missgeschick - mit Folgen. Beim Durchfahren einer Spitzkehre zog Michel die Handbremse einen Sekundenbruchteil zu lang und landete neben der Strecke. Das kostete Zeit. Michel verlor 12,4 Sekunden auf die Wertungsprüfung-Schnellsten Stich/Blumreich und 8,3 Sekunden auf Kiehm/Bemmann. Damit war die Entscheidung zugunsten der Nordhessen quasi auf den letzten Metern der Rallye gefallen.


Lob für den Veranstalter

Beide freuten sich riesig über das unerwartete Geschenk. "Unter normalen Umständen wäre es sehr knapp geworden für uns. Wenngleich die Wertungsprüfungen optimale Kadett-Strecken waren." Ein Kompliment der Gesamtsieger ging an den Ausrichter des Wettbewerbs. "Der AMSC Hammelburg hat eine gute Rallye organisiert. Wir hatten richtig viel Spaß." Verlierer Bernd Michel nahm es sportlich und akzeptierte die Niederlage, die ihre Ursache in dem Malheur kurz vor dem Ziel hatte.
Von den heimischen Teams schnitten Sven Hochwimmer/Marco Hartung (Trimberg/Schlitz) am besten ab. Sie bewegten den leistungsmäßig unterlegenen Opel Astra GSI permanent im Grenzbereich und zeigten sich am Ende mit Gesamtrang elf zufrieden. "Mehr ging nicht", konstatierte Hochwimmer nach getaner Arbeit. "Wir sind in den Wertungsprüfungen ein hohes Risiko gegangen. Noch mehr Einsatz wäre unverantwortlich gewesen." Die Doppelrolle als Organisationsleiter und Rallyefahrer meisterte er gut.


Starke Unterfranken

Ein weiteres unterfränkisches Team setzte sich ebenfalls perfekt in Szene. Gerrit Schmitt und Stefan Pfister (Marktheidenfeld) balgten sich im Opel Kadett E GSI mit weitaus stärkeren Fahrzeugen und wurden für ihren beherzten Einsatz mit einem neunten Gesamtrang und einem Klassensieg belohnt.
Das Sportzentrum Elfershausen als Dreh- und Angelpunkt der Rallye erwies sich ein weiteres Mal als perfekte Location. Das Team des FC Elfershausen unterstützte den AMSC Hammelburg nach besten Kräften. Beide Vereine sorgten zusammen für einen optimalen Ablauf und Gastfreundlichkeit. "Wenn der AMSC Hammelburg künftig wieder bei uns anklopft wegen der Schwedenberghalle, sage ich ja", kündigte Elfershausens Bürgermeister Karlheinz Kickuth bei der Siegerehrung die weitere Unterstützung der Marktgemeinde an.


Pokale, Blumen und Bocksbeutel

Gemeinsam mit dem AMSC-Vorsitzenden Ralf Deinlein und Verena Neugebauer überreichte er die vielen Trophäen an die Bestplatzierten. Für alle teilnehmenden Damen - allesamt Co-Pilotinnen - gab es zudem Blumen. Dem Namen der Rallye entsprechend, gab es für Erfolge in verschiedenen Disziplinen obendrein edlen Rebensaft.
64 Teams waren am Start der 4. ADAC Toyo-Tires Rallye Fränkisches Weinland vertreten. 54 von ihnen starteten bei der so genannten Rallye 35 und absolvierten die sechs Wertungsprüfungen auf Bestzeit. Einige von ihnen mussten vorzeitig die Segel streichen - die meisten aufgrund technischer Probleme.


Überschlag endet glimpflich

Am schlimmsten erwischte es Daniel Habicht und Philipp Heinmüller aus Lahnau. Nach Zieldurchfahrt in Wertungsprüfung 4 kamen sie bei Obereschenbach von der Piste ab, gerieten in einen Graben, prallten gegen einen Wasserdurchlass und überschlugen sich mit ihrem BMW 318 iS. Dank Überrollkäfig, Sechs-Punkt-Gurten und Helmrückhaltesystem entstiegen beide ihrem total beschädigten Rallyeauto unversehrt.
Zehn weitere Teams nahmen die Rallye im Rahmen der Historic-Wertung unter die Räder. Für die mit roten Startnummern fahrenden Teilnehmer ging es mehr um Gleichmäßigkeit als um Bestzeiten in den sechs Wertungsprüfungen. Ganz zur Freude der rund 700 Zuschauer geizten diese zehn Rallyeteams nicht mit Action auf der Strecke.
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