Oberweißenbrunn an der Rhön
Wintersport

Die dünnen Latten sind die Basis

Am Nachtskisprint des WSV Oberweißenbrunn nehmen auch die Skispringer teil. Bei den Spezialisten wird Wert auf eine Nordische Grundausbildung gelegt.
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Langlaufsport mitten im Ort und unter Flutlicht: Beim Nachtskisprint des WSV Oberweißenbrunn wird dies möglich gemacht. Foto: Anand Anders
Langlaufsport mitten im Ort und unter Flutlicht: Beim Nachtskisprint des WSV Oberweißenbrunn wird dies möglich gemacht. Foto: Anand Anders
Wintersport in Franken ist nichts für Sesselpupser. In stundenlangen TV-Übertragungen werden die nationalen nordischen Helden abgefeiert. Die Freunds, Freitags und Wellingers, die Frenzels, Rießles und Rydzeks. Aber es geht auch eine Nummer kleiner, ganz ohne Dauerberieselung im öffentlich-rechtlichen Fernsehen. Oftmals nah an der Wahrnehmungs-Grenze, aber eben doch präsent. Zumindest für den, der Kälte und Schnee nicht als Angriff auf die körperliche Unversehrtheit sieht. Wie an diesem frostigen Mittwochabend im Bischofsheimer Stadtteil Oberweißenbrunn. Tiefste Fränkische Rhön.


Schweres Gerät im Einsatz

Dort, am Fuße des Kreuzbergs, trägt der örtliche Wintersportverein seinen Nachtskisprint aus. Auf einer von Flutlicht illuminierten Loipe mitten im Ort. Wo sonst Kühe und Rinder auf einer Wiese weiden, wurde mit schwerem Gerät die weiße Pracht gebändigt. Perfekte Verhältnisse. Abgesteckt mit Trassierband und roten Markierungen im Schnee, wartet auf die Sportler eine pro Runde 900 Meter lange Herausforderung mit vielen Kurven, die diesmal in der Skating-Technik bezwungen werden wollen. Kleine Wölkchen aus Glühwein-Tassen steigen auf in den klaren Rhöner Nachthimmel. Warme Getränke und Bockwürste mit Senf, mehr Service braucht das Publikum nicht. Mit dem 45-köpfigen Teilnehmerfeld ist WSV-Vorsitzender und Rennleiter Ewald Simon mehr als zufrieden.

Das Gros kommt von der SKG Gersfeld. Die Sport- und Kulturgemeinschaft aus dem hessisch-bayerischen Grenzland gehört neben Oberweißenbrunn und dem RWV Haselbach zu den aktivsten Wintersport-Vereinen der Region. Die erstklassige Jugendarbeit generiert Erfolge auch auf überregionaler Ebene. Für die SKG startet an diesem Abend Andreas Tannert, ein Funktionär vom Deutschen Skiverband (DSV). "Solche Veranstaltungen sind sehr wichtig. Alle Altersklassen, Eltern, Lehrer und Nachwuchssportler sowie ehemalige und aktuelle Leistungsträger treffen hier aufeinander", sagt der 47-Jährige, der von Anfang November bis Ende März fast jedes Wochenende unterwegs ist, sich insbesondere um die nationalen Meisterschaften der nichtolympischen Sportarten im DSV sowie um die Masters-Veranstaltungen der nordischen Seniorensportler kümmert. "Wichtig ist mir, dass Nachwuchssportler die Möglichkeit haben, leistungssportlich aktiv zu werden. Dazu sind Verein, Eltern, Schule und Verbände nötig. Und natürlich gute Trainingsbedingungen, wozu auch Beschneiungs-Anlagen gehören, die wir dringend benötigen", sagt der in Würzburg lebende und arbeitende Anästhesist. Über einen Notarztkurs in Berchtesgaden kam der Doktor der Medizin und ehemalige Ruderer zum Langlauf. "Mir liegt am Herzen, dass wahrgenommen wird, das Sportverbände nicht irgendwelche imaginären Konstrukte sind; sondern aus unserem eigenen Engagement mit Leben gefüllt werden", sagt der gebürtige Nürnberger.


Im Sinne der Trainer

Dass die jungen Skisprung-Asse Tim Dickas und Franz Eisenmann an diesem Abend die breiten Bretter mit den dünnen Latten getauscht haben, ist ganz im Sinne der Trainer und Förderer. "Man trennt im Schüler- und Jugendbereich nicht mehr zwischen Spezialspringern und Nordischen Kombinierern", erklärt Maximilian Lange. Der 24-Jährige ist der Trainer der Rhön-Adler und steht an diesem Abend ebenfalls auf Langlaufskiern. "Ich freue mich über die vielen jungen Sportler hier. Wir sind eine nordische Region und auf den Nachwuchs angewiesen. Solche Veranstaltungen sind ein echtes Highlight", findet mit Winfried Pöpperl der Vorsitzende im Skiverband Unterfranken, der traditionell eng und gut mit den hessischen und Thüringer Nachbarn kooperiert. In gut einer Stunde ist der Wettkampf durchgezogen. Fix sind sie, die Rhöner. Auf den Latten und in der Organisation. Gut möglich, dass der Wintersport bald wieder nur am heimischen TV-Gerät stattfindet. Tauwetter ist angesagt.

Wintersport in Franken Die Wintersport-Gebiete in Franken laden zum Skifahren, Snowboarden, Langlaufen, Schneeschuhwandern oder Rodeln ein. Besonders im Fichtelgebirge und im Frankenwald, aber auch in der Rhön, der Region Coburg.Rennsteig, im Steigerwald und im Nürnberger Land gibt es Lifte und Pisten für flotte Abfahrten. Auch Snowboardfans kommen in Franken auf ihre Kosten, Voll im Trend liegt auch das Snowkiten. Gezogen von einem sogenannten Kite (Lenkdrachen) kann die Rhön aus einem ganz anderen Blickwinkel entdeckt werden.

Skiverband Unterfranken Der Skiverband Unterfranken, flächenmäßig der größte in Franken, hat aktuell 4840 Mitglieder in 41 Vereinen und wurde 1952 im ehemaligen Gasthof Hohn im Skifahrerstübel gegründet, 2010 folgte die Umbenennung in Skiverband Unterfranken. Nordischer Wintersport kann vor allem im Loipenzentrum Rotes Moor betrieben werden. Weitere Loipen finden sich am Arnsberg und Kreuzberg, wo auch alpiner Sport möglich ist, oder auf der Nachtloipe in Oberweißenbrunn. Zu den aktuell erfolgreichsten Wintersportlern gehören die jungen Skispringer Franz Eisenmann (WSV Oberweißenbrunn) und Tim Dickas (RWV Haselbach). Skisprung ist möglich auf den Kreuzbergschanzen nahe Haselbach. Dort wird als Wettbewerb (K-16, K-30, K-50) allerdings nur auf Matten im Sommer gesprungen.

Skiverband Frankenjura Der Schwerpunkt in Mittelfranken liegt auf dem Breitensport. Zu den aktivsten Vereinen im nordischen Bereich gehören der Ski-Club Lauf und der DAV Hersbruck. Zu den sportlichen Aushängeschildern gehört Frank Neumeier (SCR Schnaittach) als regelmäßiger Teilnehmer an Senioren-Weltmeisterschaften. Oder das Paul-Pfinzing-Gymnasium in Hersbruck, das die vergangenen drei Jahre im Landesfinale der bayerischen Schulen vertreten war. Über 40 Routen mit mehr als 250 km gespurten Loipen quer durch die Winterlandschaft im Nürnberger Land laden zu ausgiebiger sportlicher Betätigung sowie zu genussvollen Langlauftouren ein.

Skiverband Oberfranken Der seit 1922 existierende Skiverband Oberfranken besitzt ca. 9000 Mitglieder und hat seine Schwerpunkte im nordischen Bereich. Aktiv Wintersport betrieben wird beispielsweise beim SC Gefrees, SC Neubau, SC Bischofsgrün, WSV Warmensteinbach, WSV Oberwarmensteinach und WSV Weißenstadt. Über eine beleuchtete Langlauf-Loipe samt einer Skiroller-Bahn im Sommer verfügt der SC Neubau. Ebenfalls beleuchtet ist die Wagenthal-Loipe des WSV Oberwarmensteinach. Alpine Liftanlagen (samt Beschneiungsanlagen) gibt es rund um den 1024 Meter hohen Ochsenkopf im Fichtelgebirge. In Warmensteinach steht mit der 90-Meter-Schanze die größte Sprungschanze in Nordbayern. In Bischofsgrün wird in der Ochsenkopf-Schanzenarena (K-15, K-30, K-64) ebenfalls weit gesprungen. Eines der sportlichen Aushängeschilder ist der Nordische Kombinierer Simon Hüttel vom WSV Weißenstadt.
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