Bad Kissingen

"Die Fans sind der siebte Spieler"

Ein Doppelspieltag steht den Kissinger Wölfen mit ihren beiden Finnen Rami Heikkilä und Niko Grönstrand in Schweinfurt und gegen Bad Aibling bevor.
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Rami Heikkilä (links) und Niko Grönstrand mal ohne Helm. Foto: Pia Schmitt
Rami Heikkilä (links) und Niko Grönstrand mal ohne Helm. Foto: Pia Schmitt
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ERV Schweinfurt - EC Kissinger Wölfe (Freitag, 20 Uhr)

EC Kissinger Wölfe - EHC Bad Aibling (Sonntag, 18 Uhr)

Zwei junge Männer. Beide 26 Jahre alt. Beide sehr groß. Einer 1,90 Meter, der andere 1,94 Meter. Auf dem Eis schon oft gesehen, in der Öffentlichkeit wohl nicht erkannt. Wie auch? Auf dem Eis tragen sie Helme, die das Gesicht verdecken. Die Rede ist von Niko Grönstrand und Rami Heikkilä, den beiden finnischen Verteidigern der Kissinger Wölfe. Mit den Wölfen (2./17) wollen sie sich einen der ersten beiden Plätze der Zwischenrunde sichern, um das Heimspielrecht in den Playoffs zu haben. Deswegen geht es am Wochenende gegen die Mighty Dogs (3./16) und den EHC Bad Aibling (5./9) um alles.


Schlummerndes Talent

Wer sich zum ersten Mal mit Niko Grönstrand unterhält, dem fällt sofort seine tiefe Stimme auf, die einen an Samu Haber von der finnischen Rockband Sunrise Avenue erinnert. Darauf angesprochen, sagt Niko: "Samu ist ein guter Sänger. Wie Rami", und lacht. Worauf der Finne anspielt, ist das Gesangstalent, das in Rami Heikkilä schlummert und das er zuletzt auf der Heimfahrt von Garmisch im Bus zum Besten gab. "Ich habe nur für den Team-Geist gesungen", gesteht Rami. "Vielleicht starte ich aber auch in Bad Kissingen eine Gesangs-Karriere." Das wäre allerdings schade, wenn Rami dem Eishockey-Sport den Rücken kehren würde, leistet der 1,94 Meter große Verteidiger doch bisher starke Auftritte für die Wölfe. "Wir haben beide schon in anderen Ländern in höheren Ligen gespielt, aber wir wollen uns erst einmal einen Namen im Eishockey machen", erklärt Rami Heikkilä. In der Türkei hat er sich bereits einen Namen gemacht. Mit Zeyinburnu Belediyespor, dem Eishockey-Team aus Istanbul, wurde Rami vergangene Saison Meister. "In Kissingen hat Eishockey aber eine bessere Qualität als in der Türkei", sagt Heikkilä dazu und lächelt. Ein Freund habe ihn in die Türkei gelotst, und türkischer Meister zu werden war, klar, ein Highlight für Rami. Doch seit er professionell Eishockey spielt, blieb er von Verletzungen nicht verschont. "In dieser Saison bin ich aber das erste Mal verletzungsfrei, das macht mich glücklich", sagt er und strahlt.

Grönstrand und Heikkilä sind beste Freunde. Beide haben mit der finnischen Großstadt Tampere die gleiche Heimat, beide fingen beim ortsansässigen Verein Tappara mit Eishockey an. Sie durchliefen mehrere Mannschaften in Tampere, stets gemeinsam. Auch in Kanada in Quebec haben sie zusammen gespielt. Wenn Niko von Quebec redet, glänzen seine Augen. "Quebec ist eine großartige Stadt." Und Bad Kissingen? "Das ist auch eine sehr schöne Stadt. Wir wohnen in Reiterswiesen in der Nähe der Burg Botenlauben, das ist so toll, die habe ich sofort besucht", sagt Rami lächelnd. "Ich würde auch gerne mehr über die Geschichte Bad Kissingens vom Mittelalter an erfahren", ergänzt Rami, der sich als Geschichts-Fan outet. "Und die Kultur ist ganz anders hier als in Finnland", fügt er hinzu. "Die Kissinger sind offener als die Finnen." Niko nickt. Als Beispiel nennt Rami einen Besuch in der Sauna. "Es war eine Überraschung für mich, dass hier keiner ein Problem damit hat, nackt zu sein. Das gäbe es in Finnland nicht." Verwunderlich, gerade Finnland als Sauna-Land schlechthin. "Ja, die Finnen sind mehr mit sich beschäftigt", erklärt Rami.


Zum zweiten Mal in Deutschland

Können sich die beiden vorstellen, auch länger für die Kissinger Wölfe zu spielen? "Ich weiß nicht, was im Leben noch passiert, aber ich bin für alles offen", sagt Niko Grönstrand. Er war früher schon einmal in Deutschland, zusammen mit seinem Vater in der Oberlausitz. Daran erinnere er sich aber nicht mehr so gut, 1995 war das, als sein Vater - ebenfalls ein professioneller Eishockey- und NHL-Spieler - bei der ESG Füchse Sachsen unter Vertrag stand. Mittlerweile scoutet Jari Grönstrand für die Winnipeg Jets Spieler in ganz Europa, reist viel durch Russland, Schweden, Tschechien und die Slowakei. Stolz sind die Eltern der beiden 26-Jährigen gleichermaßen. "Und sie sind froh darüber, dass wir in Deutschland zusammen wohnen und spielen", so Niko. Als Verteidiger unterstützen die Finnen die Offensive so gut es geht, was sich auch an den Toren zeigt: Rami hat aktuell vier Tore für Kissingen gemacht, Niko sogar zehn.

Mit Spielertrainer Mikhail Nemirovsky verstehen sich die beiden Finnen übrigens hervorragend. "Er pusht uns unglaublich", erzählt Rami. Nemo sei einer, der den Eishockey lebt, der nordamerikanischen und skandinavischen Eishockey als Vorbild hat. "Wenn Nemo etwas sagt, ist es auch immer begründet. Wenn er für einige zu emotional reagiert, müssen die anderen eben lernen, damit umzugehen. Es gibt im Eishockey wirklich viel Verrücktere als ihn", sagt Rami. "Wir lernen viel von ihm", fügt Niko hinzu.

Die aggressive Partie gegen Farchant war wie ein normales Spiel für die Finnen. "Das Spiel gegen den TSV war wie ein kanadisches Spiel. Wir fühlen uns auf dem Eis wohler, wenn es körperlicher wird, weil wir zwei große Männer sind. Aber die Schiedsrichterleistung ist zu schlecht, deshalb können wir unsere großen Körper gar nicht richtig als Waffen einsetzen", erklärt Rami. Auf das kommende Spiel in Schweinfurt freuen sich die beiden Verteidiger jetzt umso mehr. "Wir sind momentan im Aufwind. Mit der Energie aus den letzten Siegen und der Unterstützung der Fans wollen wir gegen die Mighty Dogs gewinnen", sagt Niko. Und: "Es ist möglich, dort zu gewinnen." Auch Rami verspricht: "Wir werden unser Bestes geben und dann sehen wir, ob wir eine Chance auf den Sieg haben. Das ganze Team ist bereit für das Spiel." Auch dank der Fans, von denen Rami Heikkilä sagt: "Die Fans sind unser siebter Spieler auf dem Eis. Sie geben uns unglaublich viel Energie." Niko Grönstrand fügt hinzu: "Wir mögen sie, das sind sehr nette Leute", und verdeutlicht dadurch noch einmal die positive Verbindung zwischen Anhängern und Mannschaft.

Für die Kissinger Wölfe wäre Platz Zwei der Zwischenrunde sicher, auch wenn sie in Schweinfurt verlieren würden. Voraussetzung dafür ist, dass das Team gegen Bad Aibling gewinnt und gleichzeitig Schweinfurt in Amberg verliert (und Dingolfing seine beiden Spiele gewinnt). Bei Punktgleichheit zählt nicht der direkte Vergleich, sondern das Torverhältnis. Vielleicht gibt Rami Heikkilä dann wieder sein Gesangstalent zum Besten. Und startet eine zweite Karriere in Bad Kissingen.

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