Bad Kissingen
(Wieder)entdeckt

Der Weltmeister muss auf den B-Platz

Mit weiteren namhaften Ex-Profis fahndet Thomas Häßler in Bad Kissingen nach Fußball-Talenten. Ein roter Teppich wird den früheren Stars nicht ausgerollt. Es geht ausschließlich um die Sache.
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Talentsichter unter Beobachtung: Unser Bild zeigt (von links) Michael Oenning, Thomas Häßler und Thomas Stratos bei einer von drei Trainingseinheiten am Montag im Bad Kissinger Sportpark. Foto: Jürgen Schmitt
Talentsichter unter Beobachtung: Unser Bild zeigt (von links) Michael Oenning, Thomas Häßler und Thomas Stratos bei einer von drei Trainingseinheiten am Montag im Bad Kissinger Sportpark. Foto: Jürgen Schmitt
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Der Fußballsport folgt nicht den Gesetzen der Logik. Gut so. Ist ja alles andere als logisch, dass an einem November-Montag ein Weltmeister im Bad Kissinger Sportpark ein Trainingsspiel beäugt. Auf dem B-Platz übrigens, weil das Hauptspielfeld von der Stadt Bad Kissingen gesperrt wurde. Da stand nun also tatsächlich Thomas Häßler, der 1990 beim Finalsieg der Nationalmannschaft über Argentinien seinen Karriere-Höhepunkt erlebte, sechs Jahre später einen EM-Titel nachschob. An der Seite des 49-Jährigen tummelten sich weitere Ex-Profis mit hohem Erinnerungswert. Otto Addo, Thomas Stratos, Michael Sternkopf, Uwe Scherr, Richard Golz als Torwart-Trainer und Michael Oenning als Taktvorgeber werden gleich drei Tage mit dem Sichten von Talenten beschäftigt sein im Rahmen der Aktion "(wieder)entdeckt".

Vom zweiten Bildungsweg in Sachen Profi-Karriere sprach Ideenstifter Martin Daxl bei der Pressekonferenz im Bad KissingerHotel
Frankenland mit Vertretern von Hörfunk, TV und Printmedien. Bundesweit erstaunliches Interesse zieht diese Aktion nach sich, die in dieser Form quasi eine Deutschland-Premiere erlebt mit weiteren Stationen in Fulda und Würzburg sowie dem Finaltag in Gelnhausen am 10. Dezember. "Ich bin von diesem Projekt überzeugt. Das hier ist eine richtig gute und kompetente Truppe", sagte Thomas Häßler. Den seriösen Aspekt betonte Michael Oenning. "Das alles dient nicht dem Selbstzweck und ist keine Spaßveranstaltung. Wir treffen hier auf Spieler mit einem hohen Eigenantrieb."

"Für Bad Kissingen ist das eine tolle Geschichte. Das war so nicht zu erwarten", sagte Thomas Lutz. Der Vertreter der Stadt Bad Kissingen hatte mit 100 bis 150 Sportlern gerechnet, 400 wurden es schließlich, die ausgewählt wurden aus 1200 Bewerbern. Darunter finden sich mit Baris Aktepe und Vlad Ruja auch zwei Fußballer des FC 06 Bad Kissingen. "Ich will mal meine Grenzen ausloten, daher habe ich mich per Email beworben und habe per Email auch davon erfahren, dass ich mitmachen kann", sagte der 26-jährige Ruja, der am Mittwoch vorspielen darf. Drei Trainingseinheiten sind jeden Tag angesetzt, jeder Spieler wird einmal beobachtet. Die entsprechende Planung wurde am Montagmorgen vorgenommen. "Ich wollte mir das mal anschauen. Hat mich mal interessiert, was da so vor sich geht", sagte Alex Hüfner vom FC Thulba. Mehr als die Neugierde hatte Jörg Schaffelhofer in den Sportpark geführt. "Ich war schon im Vorfeld in die logistische Planung eingebunden. Da ging es insbesondere um die Bewirtung der Sportler. Daher hat unser Vereinswirt ja auch seinen Kiosk geöffnet", sagt der 2. Vorsitzende des FC 06. Ab Dienstag wird auf dem Kunstrasenplatz in Winkels trainiert. Sogar per Tieflader wurde die Ausrüstung noch in der Nacht in den Stadtteil transportiert. Dann wird also tatsächlich ein Weltmeister bei einem B-Klassenverein auflaufen. Logisch ist Fußball wirklich nicht.
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