Bad Kissingen
Eishockey

Auch Pinguine lassen Federn

Eine volle Eishalle und eine verbesserte Defensivleistung tragen zum Sieg der Kissinger Wölfe über den EHC Königsbrunn bei. [Mit Kommentar]
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Kissingens Christian Masel (rechts) trug mit zwei Toren wesentlich zum 5:3-Sieg seiner Wölfe über Königsbrunn bei.  Foto: Hopf
Kissingens Christian Masel (rechts) trug mit zwei Toren wesentlich zum 5:3-Sieg seiner Wölfe über Königsbrunn bei. Foto: Hopf
EC Kissinger Wölfe - EHC Königsbrunn 5:3 (2:2, 3:1, 0:0).

Die Kissinger Eissporthalle war voll. Um die 500 Zuschauer und Fans tummelten sich Sonntag Abend auf den Tribünen, um das erste Spiel des Play-offs-Halbfinals zwischen den Kissinger Wölfen und dem EHC Königsbrunn zu verfolgen. "Die Mannschaft hat es auch verdient, dass so viele Zuschauer da waren", sagte Freddy Schaupp, einer der Betreuer der Kissinger, mit Stolz in der Stimme. Auch Schweinfurter Fans befanden sich unter den Zuschauern. "Die haben zum Teil auch für Kissingen mitgejubelt", so Schaupp, was ihn sichtlich freute. Eine volle Halle - ein Zeichen dafür, wie schade es wäre, wenn Eishockey in Bad Kissingen nicht mehr möglich wäre.

Schon vor dem Start zeigte sich ein schönes Bild: Fans der Mighty Dogs standen zusammen mit Kissinger Fans auf dem Eis, um die Aktion "Wir sind alle Eishockeyfans" zu unterstützen. Ein Banner mit genau dieser Aufschrift wurde hochgehalten, dazu ertönten Trommeln und später viel Applaus. Die Kissinger schwenkten Fahnen beim Einlauf der Mannschaften, die Showbühne für die Teams wurde so feierlich eröffnet.

Die Wölfe legten gleich gut los und dominierten die Anfangsphase. In fünf Minuten zeigte Kissingen zwei gute Torraumszenen, die allerdings ohne Erfolg blieben. Königsbrunn verteidigte recht körperbetont, aber auch die Verteidiger der Wölfe gingen bei den ersten Offensivaktionen des Gegners kampfbereit zu Werke (7.). In der 10. Minute brach Christian Masel den Bann, als er von Eugen Nold bedient den Puck erst an die Latte knallte, von wo aus dieser dann ins Tor sprang. Erst als die Wölfe in zweifacher Unterzahl agieren mussten, konnte der Königsbrunner Lukas Fettinger ausgleichen (12.). Das machte die Kissinger wütend, eine Offensivaktion folgte auf die nächste, nur der Abschluss misslang immer. Die Folge war eine unaufmerksame Verteidigung, was Tim Bertele auszunutzen wusste. Der Königsbrunner Stürmer musste allerdings gar nicht viel tun, denn die Wölfe legten sich das 1:2 selbst rein (18.). Nur 36 Sekunden später folgte ein wahrhaftiges Traumtor: Spielertrainer Mikhail Nemirovsky kam an den Puck, legte ihn über drei Königsbrunner Verteidiger rüber zu Viktor Ledin, der diesen gegen die selben drei Verteidiger im Netz unterbrachte (18.). Der Jubel in der Eissporthalle war ohrenbetäubend.

In der ersten Drittelpause bewies der Nachwuchs in einem Einlagespiel, was er konnte und machte so Werbung für das, was die Kissinger sich wieder aufzubauen versuchen. Nach dieser Überraschung für die Fans ging das zweite Drittel genauso weiter, wie das Erste aufgehört hatte: Masel setzte den Puck flach in die Ecke (23.), Marc Hemmerich und Roman Nikitin spielten die Königsbrunner Defensive fein aus, sodass Eugen Nold nur noch einnetzen musste. Nach 25 Minuten stand es bereits 4:2 für die Kissinger Wölfe. Doch die Königsbrunner Pinguine wollten sich nicht kampflos geschlagen geben, die Angriffsversuche des Gegners landeten aber entweder in den Händen von Goalie Donatas Zukovas, der eine gute Leistung zeigte, oder wurden von der Verteidigung abgeblockt. Die Krönung war das 5:2 von Nikitin, der sich mit diesem Tor für seine starke Leistung selbst belohnte (36.). Etwas Pech kam an Ende des Drittels hinzu, als ein Schuss von Johannes Schierghofer gerade so zum 5:3 durchrutschte (38.). Auf einmal war auch wieder mehr Gegenwehr der Gäste zu spüren, sie hatten sich definitiv noch nicht aufgegeben.


Kein Risiko

Durch eine doppelte Unterzahl im letzten Drittel war Kissingen gezwungen, defensiver zu agieren. Königsbrunn befand sich nun nur noch im Wölfe-Strafraum, die Gastgeber konnten kaum Entlastungsangriffe starten. Die Vorgabe, nichts mehr zu riskieren, setzte das Team erfolgreich um. Die Defensive ließ nichts zu, sodass kein Treffer mehr fiel. "Das war harte Arbeit, aber das Team hat absolut verdient gewonnen", sagte Wölfe-Vorsitzender Michael Rosin freudestrahlend nach dem Ende der Partie. "Da sieht man, dass auch Pinguine Federn lassen."

"Die Verteidiger haben heute einen guten Job gemacht", lobte Nemirovsky sein Team. Doch nicht alles gefiel dem stets kritischen Coach der Kissinger Wölfe: "Manche Spieler reagieren nur, anstatt einen aktiven Einfluss auf das Spiel zu haben. Die Schnelligkeit im Kopf ist wichtiger als die Schnelligkeit in den Beinen." Einer seiner Spieler hat das bereits verinnerlicht: Angesprochen auf die notwendige Kraft, die Roman Nikitin mit fast 40 Jahren in solch einem Spiel noch aufbringen kann, antwortete dieser: "Kraft habe ich zwar, aber mit fast 40 muss man mehr mit dem Kopf arbeiten. Da ist auch die Position wichtig, das kommt mit der Erfahrung." Der
Lette, der gleich nach dem Halbfinale weiter zur Arbeit musste, zeigte sich erfreut über die Veränderung im Team: "Wir spielen als Mannschaft, da werden Fehler ausgeglichen." Die deutliche Steigerung in der Defensive besänftigte auch seinen Coach Mikhail Nemirovsky.

Kommentar

Die Stimmung kochte in der Halle. Pfeifkonzerte, Wechselgesänge und Trompetenklänge waren aus dem Kissinger Fanblock zu hören, was man sonst nur von Derbys kennt. Doch leider wurde die größtenteils bombastische Stimmung auch durch schwulenfeindlichen Gesang angeheizt, der weder in der Gesellschaft noch im Sport etwas zu suchen hat. Emotionen ja, aber Diskriminierung nein.

Anmerkung der Redaktion: Die Vereinsführung der Kissinger Wölfe hat sich bereits ausdrücklich von diesem Fall distanziert.
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