Bad Kissingen
Fußball

André Nagelsmann steht für Transparenz

Der neue Kreisspielleiter legt großen Wert auf Kommunikation. In die heißen Themen im Fußballkreis Rhön will sich der 40-Jährige noch einarbeiten.
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André Nagelsmann ist der neue Kreisspielleiter für den Fußballkreis Rhön. Foto: Jürgen Schmitt
André Nagelsmann ist der neue Kreisspielleiter für den Fußballkreis Rhön. Foto: Jürgen Schmitt
Seit dem 1. Dezember ist André Nagelsmann Kreisspielleiter für den Fußballkreis Rhön. Grund genug, zum Jahreswechsel ein paar Takte zu reden mit dem 40-Jährigen. Über seine neuen Aufgaben, aber natürlich auch über den berühmten Bruder.

Herr Nagelsmann, wann ist bei Ihnen der Entschluss gereift, die Nachfolge von Michael Ritter anzutreten?
André Nagelsmann: Seit 2014 war ich ja bereits Spielgruppenleiter, kannte dadurch auch die Tätigkeiten des Spielleiters auf Kreisebene. Als sich herauskristallisiert hat, dass Michael Ritter aufhören wird, bin auch ich gefragt worden, ob ich mir das vorstellen könnte. Ich habe mich mit meiner Frau besprochen und mich dann dafür entschieden, dieses Amt zu übernehmen. Das war ein Prozess über vier Wochen, in denen ich viele Gespräche mit anderen BFV-Funktionären geführt habe.

Worin liegt Ihre Motivation?
Schon die Arbeit als Gruppenspielleiter hat mir Spaß gemacht. Es ist die Zusammenarbeit mit Vereinen und Funktionären. Und die Möglichkeit, im überschaubaren Rahmen etwas bewegen können in eine hoffentlich positive Richtung.

Gab es im Vorfeld einen Austausch mit Michael Ritter?
Natürlich gab es eine Einarbeitungsphase. Da ging es hauptsächlich um formale Sachen. Auch die anderen drei unterfränkischen Kreisspielleiter haben mich unterstützt. Da sind natürlich Sachen dabei, die ich vorher nicht kannte und erst lernen muss. Aber das ist alles machbar. Außerdem trifft man sich regelmäßig bei Sitzungen. Vieles wird aber auch per Email oder Telefon erledigt.

Gibt es eine Whatsapp-Gruppe unter BFV-Funktionären?
Die gibt es tatsächlich auf Bezirksebene. Wenn Sachen schnell entschieden werden müssen, geht das so schneller.

Wie hoch ist für Sie der Mehraufwand?
So ein Amt ist natürlich mit Arbeit verbunden, aber das wurde mir auch vorher so gesagt. Wenn man aber vernünftig eingearbeitet ist, ist der Aufwand nicht viel größer als vorher. Die Wahrnehmung ist eine andere. Man wird deutlich öfter angesprochen, weil sich die Vereine mit ihren Anliegen doch eher direkt an den Kreisspielleiter wenden.

Wie würden Sie Ihren Führungsstil bezeichnen?
Ich würde mich als offenen und umgänglichen Typen bezeichnen, als jemand, mit dem man reden kann. Ich versuche immer, eine gute Lösung für alle Beteiligten zu erzielen. Wenn ich allerdings merke, dass mich einer veräppeln will, dann finde ich das nicht so gut. Das sportliche Miteinander soll der gemeinsamen Sache dienen, nämlich dem Amateurfußball in der Region.

Gibt es eine Agenda oder was liegt Ihnen besonders am Herzen?
Das Nahziel ist es, mich in die verschiedenen Thematiken einzuarbeiten. Ein gutes Zusammenarbeiten mit den Vereinen und Funktionären ist mir wichtig. Mir liegt an einem offenen Austausch, um Transparenz herzustellen. Entscheidungen sollen für alle Beteiligten nachvollziehbar sein. Nur so bekommt man Akzeptanz, auch wenn man es nicht allen recht machen kann.

Es gibt ja einige heiße Eisen im Fußballkreis. Wie die Reduzierung der drei Kreisklassen auf zwei, der Relegations-Modus oder die B-Klassen im Allgemeinen.
Das sind Themen, in die ich mich sicher noch einarbeiten muss. Vorher sage ich dazu nichts Konkretes. Bis zur Halbzeit-Tagung am 7. oder 8. Februar in Wollbach (KG) kann ich vielleicht schon mehr sagen.

Wie groß ist überhaupt der Gestaltungsrahmen als Spielleiter?
Es gibt natürlich Vorgaben der Verbandsspitze, die sich aus der Logik ergeben. Aber diese muss man den Vereinen erklären. So plausibel machen, dass es nachvollziehbar wird. Das schafft Akzeptanz. Wo ein Gestaltungsspielraum vorhanden ist, kann man, wenn es Sinn macht und es dem Regelwerk entspricht, auch mal an Stellschrauben drehen. Eine gewissen Rahmen gibt es, und ich bin als Kreisspielleiter ja auch Mitglied mit Stimmrecht im Bezirksspielausschuss. Ich sehe hier den Service-Gedanken und einen demokratischen Prozess, den ich für die Vereine wahrnehmen will.

Wird es einen dritten Spielgruppenleiter geben?
Nein, das wäre nur möglich, wenn ich auch das Amt des Kreisvorsitzenden bekleiden würde. Aber das ist ja in Händen von Rainer Lochmüller. Ich teile mir die Aufgaben mit Peter Schmitt, bin verantwortlich für die Kreisliga, den Pokal, die Halle, die Kreisklasse 3 und A-Klasse 3 sowie für die B-Klassen 4 und 5. Peter kümmert sich um die Kreisklassen 1 und 2, die A-Klassen 1 und 2 sowie um die B-Klassen 1, 2, und 3.

Sie sind ja auch noch Schiedsrichter. Werden Sie dieses Amt weiter ausführen?
Berufsbedingt hatte ich ja lange mit der Schiedsrichterei ausgesetzt, habe vor sechs Jahren hier wieder begonnen. In Zukunft werde ich aber wohl nur noch aushelfen, wenn Not am Mann ist. Das wird mir sonst zu viel.

Und Sie sind der Bruder von Julian Nagelsmann, dem Trainer des Fußball-Bundesligisten TSG 1899 Hoffenheim. Wie intensiv ist der Kontakt?
So intensiv, wie das zwischen Brüdern sein sollte, das ist ein normaler familiärer Kontakt, wo es nicht nur um Hoffenheim geht. An Weihnachten sehen wir uns nicht, weil er mit seiner Familie Urlaub macht, aber er war erst vor einigen Wochen bei uns in Elfershausen. Wir sehen uns auch öfter bei den Spielen in Sinsheim. Natürlich drücke ich der TSG auch die Daumen, man ist ja stolz darauf, was der kleine Bruder da leistet.

Und Sie werden sicher oft auf Ihren Bruder angesprochen.
Das passiert täglich. Meine Arbeitskollegen haben mir zum 40. Geburtstag ein T-Shirt geschenkt mit dem Aufdruck: Ja, ich bin der Bruder.

Interessiert das Ihren Bruder, dass Sie jetzt Kreisspielleiter sind?
Das weiß er natürlich. Und wir reden schon auch über den lokalen Fußball. Außerdem möchte noch erwähnen, dass ich meinen Bruder als Co-Trainer trainiert habe, als er beim FC Issing in der F-Jugend gespielt hat. Als er später zu 1860 München zu den Junioren wechselte, hatten sich die Wege getrennt.

Wenn Sie irgendwann einmal dieses Amt niederlegen, was sollen die Vereine über Sie sagen?
Dass man gut mit mir zusammenarbeiten konnte. Dass das Bemühen erkennbar war, Kompromisse da zu finden, wo sie möglich waren.

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