Harte Worte. "Die Runde kann nur schlechter werden als die letzte. Und die war schon miserabel." Jürgen Scheller ist desillusioniert. Und damit steht der Trainer der Hammelburger Handballer nicht allein. Auch in Nüdlingen und Bad Brückenau überwiegt die Skepsis zum Rundenbeginn an diesem Wochenende.

Und Münnerstadt? Da gibt es gar keine Mannschaft mehr im Erwachsenenbereich, weil nach den Herren nun auch die Damen vom Spielbetrieb abgemeldet wurden. "Zu viele Spielerinnen haben uns aufgrund von Studium oder Beruf verlassen. Da war es unmöglich für uns, ein Team auf die Beine zu stellen", muss sich Peter Deller zwangsweise mit dem Schicksal arrangieren. Wer nicht ging, wechselte nach Pfändhausen, wo Dellers Sohn Michael die zweite Damen-Mannschaft trainiert. "Das wird in den nächsten Jahren noch schlimmer werden", befürchtet Peter Deller andauernde Probleme aufgrund abwandernder Akteure. Allenfalls im Herrenbereich lässt der Münnerstädter etwas Optimismus zu, weil an der Lauer im Nachwuchs gut und erfolgreich gearbeitet wird. "Die Vereine müssen zusammenarbeiten oder werden sterben", prognostiziert Deller, der dem aktiven Handballsport als Stützpunkttrainer für Unterfranken in jedem Fall erhalten bleibt.

Die Lust auf Handball lässt zu wünschen übrig


Handball ist ein anspruchsvoller Sport. Schnell. Aggressiv. Physisch fordernd. Etwas für echte Kerle. Eigentlich. "Nicht bei jedem, aber bei vielen fehlt es an der Bereitschaft, auch mal etwas mehr zu tun", bemängelt Scheller, der in seinem Team ebenfalls einen schleichenden Qualitätsverlust ausgemacht hat aufgrund beruflicher Abwanderung. "Von der eigentlichen Herren-Mannschaft sind vielleicht noch vier Spieler in Hammelburg. Die anderen stehen nur unregelmäßig zur Verfügung", schildert Scheller die Crux. Aufgefüllt wird mit Akteuren aus der zurückgezogenen A-Jugend. Es fehlen die Leitfiguren. Und exakt die bräuchte der Nachwuchs im Verein. Nur ein Handballer ist über 30, einer knapp darunter. "Es fehlen einfach Spieler mit Erfahrung. Und gerade bei den Auswärtigen fehlt die Motivation", sagt der TV/DJK-Coach, der seine Tätigkeit mit einer ordentlichen Portion Sarkasmus als "betreutes Handballspielen" sieht.

Noch trostloser ist die Ausgangslage bei den TV/DJK-Damen, die den personellen Notstand als Dauer-Problem besitzen. "Wir werden das schon hinkriegen. Es darf sich halt keiner verletzen", weiß Nicole Schröter. Sieben Spielerinnen haben den Verein studienbedingt verlassen, lediglich einige Juniorinnen wurden "zwangsbefördert". Umso glücklicher ist man an der Saale über zwei Neuzugänge. Die 21-jährige Sinja Wilcke, die in der Jugend im Raum Lüneburg spielte, verstärkt das Team ebenso wie Daniela Röder, die einst für die SG Garitz/Nüdlingen auflief. Erfahrene Spielerinnen wie Sabine Finke haben ihr Karriere-Ende ausgerufen, auf die ein oder andere spontane Zusage hofft man dennoch.

Als Meister fast vom Spielbetrieb zurückgezogen



Als Meister in die Bezirksoberliga aufgestiegen sind die Damen des FC Bad Brückenau. Ein Triumph, der nicht veredelt werden konnte. Auch an der Sinn stand ein Rückzug lange zur Disposition, weil Spielerinnen wegzogen, den Verein wechselten oder schwanger wurden. Den Nachlass verwaltet nun Klaus Sieß als Interimstrainer, weil sich mit Stefan Bott auch der Meister-Coach der Vorsaison eine Auszeit vom Handball nimmt. "Mit einem Mini-Kader starten wir den Versuch, das Team am Leben zu erhalten", sagt Sieß. Und weiß natürlich, dass die neue Liga seinen Spielerinnen wohl mehr abverlangt, als diese leisten können. Etwas Wettkampfhärte erhofft sich Sieß im gemeinsamen Training mit den B-Junioren. Umso wichtiger wären Einsätze von Nadine Pragmann, die nur noch sporadisch zur Verfügung steht. Oder von Lisa König, die jetzt in München lebt.

Bad Brückenau genießt als Handball-Standort einen guten Ruf. Doch Tradition verliert dann an Wert, wenn die Infrastruktur nicht passt. Klaus Sieß klagt aber nicht, dass er die Damen betreut, aber eigentlich der Übungsleiter der Herren ist, dort zumindest von Oliver Hilbert unterstützt wird. Diverse Aufstiegs-Pläne verschwanden in den vergangenen Jahren meist schon zum Jahreswechsel in der FC-Schublade. Mit forschen Tönen hält man sich diesmal zurück. "Ich stapele lieber tief", gibt der 50-Jährige zu, der in Mittelsinn wohnt und nach seiner Bundeswehr-Pensionierung die Zeit für den Sport mitbringt.
Die Vorbereitung war ordentlich, und die Ergebnisse stimmten auch. Ein Trainingsspiel gegen den TSV Mellrichstadt wurde ebenso gewonnen wie das Erstrunden-Match im Unterfranken-Pokal. Sieß, der früher selbst Handball in Bad Brückenau spielte und die komplette Jugendarbeit unter seiner Regie hat, freut sich insbesondere über Verstärkungen aus dem Juniorenbereich. Und lobt vor allem Abwehrspezialist Simon Dietrich, "der Situationen sehr gut antizipiert".

Gleich fünf Neuzugänge aus der eigenen Jugend hat die DJK Nüdlingen aufgelistet. Aber Papier ist geduldig. "Nicht alle aufgeführten A-Jugendlichen werden spielen. Einige könnten durchaus mehr Interesse zeigen", findet Dietmar Piechulek, der zufrieden mit der Stimmung im Team ist, aber nicht mit dem Spielplan. "Wir treffen zu Beginn auf einige Reserve-Teams. Und die sind in dieser frühen Phase gewöhnlich richtig gut besetzt." Umso wichtiger ist eine schnelle Genesung des am Fuß verletzten Keepers Julian Wilm. Auch bei Piechulek ist daher sportliche Bescheidenheit dem Realismus geschuldet. "Nicht absteigen" will der 60-jährige Stahlbau-Monteur, der in der Trainerarbeit unterstützt wird von Oliver Speck. 40 Jahre ist der aus dem Osten der Republik kommende und in Unterweißenbrunn wohnende Piechulek nunmehr Übungsleiter. Ausdauer, die so manchem Spieler gut zu Gesicht stehen würde.


Kommentar



Wer es alleine nicht schafft, muss sich eben zusammentun. Das allein scheint die Zukunft für den Handball-Sport im Landkreis. Schlimm genug, dass dieser faszinierende Sport im Landkreis nur noch an wenigen Standorten betrieben wird. Wie es funktionieren kann, beweisen seit vielen Jahren die Abteilungen im SV Garitz und in der DJK Nüdlingen. Als SG Garitz/Nüdlingen spielen die Damen mittlerweile in der Bayernliga. Fast alle Spielerinnen stammen aus dem Nachwuchs. Es reicht sogar zu einer zweiten Mannschaft, die in der Bezirksklasse spielt. Forsch hat man sich sogar den Aufstieg zum Ziel gesetzt. Von "schwarzen Löchern im Jugendbereich" spricht Bad Brückenaus Trainer Klaus Sieß. Und mahnt ein Konzept an, das die Kinder so früh wie möglich einbinden muss. Gerade in der Verbindung mit dem Schulsport gibt es hier ungenutztes Potenzial. Im Junioren- und Erwachsenenbereich spricht nur die Unvernunft gegen Kooperationen. "Hätten wir gewusst, dass...", hört man immer wieder aus den Vereinen, wenn es um verpasste Gelegenheiten der Zusammenarbeit geht. Bereits nach der Saison muss es unter den Vereinen erste Sondierungs-Gespräche geben. Wer auf Eigenständigkeit pocht, muss mit den Konsequenzen leben.