Irgendwo in der Wildnis Kanadas während der Dämmerung: Nachdem sich Walter Lauter den ganzen Tag mit seinem Mountainbike durch die unberührte Natur geschlagen hat, bereitet er sich jetzt auf die Nacht im Freien vor. Biwaksack und Schlafsack hat er bereits am Ufer eines kristallklaren, friedlich daliegenden Bergsees ausgebreitet. Die Abendluft ist noch angenehm warm. Er grenzt eine Feuerstelle mit Steinen ab und sucht Feuerholz sowie trockenes Gras zusammen. "Man profitiert davon, wenn man sich in der Natur auskennt", meint er. Immerhin ist er seit über 20 Jahren Mitglied des Vereins "WildernessSurvival".

Walter Lauter stellt fest, dass sein Gasfeuerzeug nicht mehr funktioniert. Das ist aber kein Grund, das Abendessen ausfallen zu lassen: Lauter greift die Stahlwolle, mit der er normalerweise seine Töpfe reinigt und "zuzelt" sie auseinander. Danach legt er die Batterien aus seiner Taschenlampe in Reihe und überbrückt die freien Pole mit der Stahlwolle. Funken sprühen, und sofort glimmt das trockene Gras. Kurz darauf ist ein schönes Lagerfeuer entfacht, auf dem der Naturbursche sich Wasser für seine Instantnudeln kocht.


Eine Woche durch das Hinterland Mallorcas



So oder so ähnlich schaut es aus, wenn Walter Lauter im "Self-Support"-Stil unterwegs ist. Zuletzt unternahm er mit Freund Gunnar so eine Tour. Eine Woche lang fuhren die beiden durch das Hinterland Mallorcas und umrundeten die Insel abseits normaler Routen. Denn die sind ihnen zu überfüllt und langweilig. "Wir wollten möglichst im Gelände unterwegs sein", erzählt Lauter. 500 Kilometer gespickt mit 12.500 Höhenmetern im Gebirge warteten darauf, überwunden zu werden. Self-Support-Touren könne man sich wie minimalistische Campingausflüge vorstellen. Das komplette Equipment wie Zelt, Schlafsack, Kleidung und ein GPS-Gerät führen die Sportler in Taschen verstaut am Rad mit sich. Was zusätzlich gebraucht wird, beispielsweise wenn die Nahrungsmittel aufgebraucht sind, muss vor Ort besorgt werden. "Wenn man mal in einer Stadt ist", sagt er.

Solche Touren genießt der Bad Kissinger sehr: "Das Tolle ist, das Mountainbiken mit dem Naturerlebnis zu verbinden. Das ist ein Stück Freiheit." Die Liebe zu seinem Hobby hat er 1989 entdeckt. Damals war er noch begeisterter Motorradfahrer. Schwere Unfälle im Freundeskreis haben ihn jedoch dazu gebracht, das Motorrad gegen einen Campingbus einzutauschen. Auf einem Skandinavien-Trip mit Frau Heidi habe er sich dann gedacht: "Jetzt könntest du ein Fahrrad brauchen." Um die Gegend besser zu erkunden. Wieder zurück in Deutschland schaffte er sich ein Mountainbike an und ist seitdem selten ohne zu sehen.


Mehr als 250.000 Kilometer



"Das alles mit Outdoor und Natur ist für mich wie ein roter Faden", meint er zurückblickend. Schon bevor er zum Mountainbiken und zum WildernessSurvival-Verein kam, sei er viel in der Natur aktiv gewesen: Karate, Bogenschießen, Motorradfahren, Drachenfliegen, Kajakfahren. Hauptsache draußen. Im Lauf seines Lebens habe er viel ausprobiert, "wollte die Sachen ausloten". Letzten Endes blieb es beim Radfahren; gleich ob mit Mountainbike, Single-Speed (Rad ohne Gangschaltung) oder Rennrad. Seit er begonnen hat, legte der knapp 1,70 Meter große Sportler fast 250.000 Kilometer auf dem Rad zurück. Er hat also mehr als sechs Erdumrundungen hinter sich. Und das mit einem 40-Stunden-Job als IT-Administrator. Um auf seine wöchentlichen Kilometer zu kommen, radelt er schonmal nach Schweinfurt auf die Arbeit und nimmt dabei "kleinere Umwege" über Gemünden und Würzburg in Kauf. Auf dem Nachhauseweg noch ein kleiner Abstecher auf den Kreuzberg für zwei Radler-Halbe. Erst danach geht es zurück zu Frau Heidi und seinen Kindern Marc (17) und Mona (14).

Als Extremsportler sieht er sich dennoch nicht. Vielmehr freut er sich, fit, gesund und schlank zu bleiben und hofft, sein Hobby "mit 70, 80 Jahren immer noch ausüben zu können". Es reize ihn zwar, "am Limit und sportlich auf hohem Niveau unterwegs zu sein", aber es sei ihm nicht so wichtig, bei Wettbewerben Pokale zu erringen. "Mehrere Tage am Stück in der Natur unterwegs zu sein befriedigt mich am meisten", sagt der gebürtige Schwebenrieder. Und das im Idealfall mit netten Leuten, die sein Hobby teilen. In Bad Kissingen trifft sich ein- bis zweimal in der Woche eine lose Gruppe von Mountainbike-Fans, um nach Feierabend ein paar Stunden durchs Unterholz oder die Saale entlang zu brettern. Neue Mitstreiter werden immer gesucht. Kontakt auf www.walter-lauter.de.