Saal an der Saale
Biathlon

Valentina Umhöfer gewinnt ihr erstes Biathlon-Rennen

Beim Deutschland-Cup in der Chiemgau-Arena gelingt der Grabfeld-Biathletin überraschend der Sieg in ihrer Altersklasse. Die 15-Jährige aus Saal sieht sich nicht nur deshalb als richtige Biathletin.
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Erleichtert und glücklich: Valentina Umhöfer. Foto: privat
Erleichtert und glücklich: Valentina Umhöfer. Foto: privat
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Null-Null-Null-Eins. Fast perfekt hatte Valentina Umhöfer geschossen in der Chiemgau-Arena in Ruhpolding. Dort, wo in zwei Wochen wieder die Stars der Biathlon-Szene um Weltcup-Punkte und Olympia-Form kämpfen.
Die Sportlerin aus Saal an der Saale hatte im Vergleich der national besten Nachwuchs-Athleten nur den 16. ihrer 20 Schüsse neben das Ziel gesetzt - und damit das Einzel-Rennen im Rahmen des Deutschland-Pokals gewonnen. Die 36:39 Minuten für die zehn Kilometer waren im Vergleich zur starken Konkurrenz der Altersklasse 16 eher schwach. Doch das verhaltene Laufen sollte sich am Schießstand auszahlen, wo es pro Fehler eine Minute extra auf die reine Laufzeit gab. Die zweitplatzierte Juliane Frühwirth vom SV Motor Tambach-Dietharz war auf der Strecke vier Minuten schneller, hatte sich allerdings sechs Fehlversuche geleistet.

"Das war mein erster Sieg überhaupt.
Auf der Strecke habe ich mich nicht so gut gefühlt, dafür war die Schießleistung einfach top", freute sich die 15-Jährige, die als Erste ihrer mit 25 Personen besetzten Altersklasse gestartet war. Und daher lange warten musste, bis der größte Karriere-Erfolg perfekt war. "Ich war schon überrascht, ganz oben zu stehen. Aber im Wettkampf selbst habe ich nicht über irgendeine Platzierung nachgedacht. Ein Platz unter den ersten Zehn wäre schon ein Erfolg für mich gewesen."

Dazu kam ein starker siebter Rang im Sprint-Rennen, wo die Athletin des WSV Oberhof im Liegend-Anschlag wieder fehlerfrei geblieben war, sich aber im Stehend-Schießen zwei Fehler eingehandelt hatte. 21:50,6 Minuten hatte die Grabfelderin für die sechs Kilometer lange Strecke gebraucht beim Sieg ihrer Vereinskollegin Victoria Sebastian (20:13,7), die ebenfalls zwei der zehn Scheiben verfehlt hatte. "Ich muss vor allem am Laufen weiter arbeiten. Aber ich habe gesehen, dass es mit dem Schießen klappt und ich vorne dabei sein kann. Der Sieg ist für mich eine Riesen-Motivation, um die nächsten Wettkämpfe positiv anzugehen", sagt Valentina Umhöfer, die die neunte Klasse am Sportgymnasium in Oberhof besucht. Eine Elite-Schule des Wintersports, die zahlreiche spätere Olympiasieger und Weltmeister genossen haben.

"Valentina bringt aber auch gute Leistungen in der Schule, ist insgesamt selbstständiger und selbstbewusster geworden. Sie hat ihren eigenen Kopf", sagt Dieter Umhöfer. Und erzählt, wie die Tochter in der Schule eine Note nicht einfach hinnahm, sich ungerecht behandelt fühlte und gezielt die Diskussion mit dem Lehrer suchte.
Den unerwarteten Sieg der Tochter hatten die Eltern vor Ort mitverfolgt. "Ich war so nervös, dass ich ganz vergessen habe, Bilder zu machen. Schön war, dass wir Valentina nach dem Wettkampf zumindest kurz treffen konnten", erzählt der 51-Jährige, der mit seiner Frau so oft wie möglich die Wettkämpfe als Zuschauer verfolgt. Unterstützung leistet die Familie auch finanziell. Der WSV Oberhof stellt das Gewehr, die Skier und zumindest einen Teil der Ausrüstung. Erst mit der Aufnahme in den D/C-Kader werden die Sportler vom Verband diesbezüglich besser unterstützt. "Aber dafür ist Valentina noch zu jung", erklärt der KFZ-Meister.

Eine Medaille samt Urkunde waren für Valentina Umhöfer der greifbare Beweis für das Erreichte. "Während der Siegerehrung konnte ich es irgendwie immer noch nicht glauben. Aber das hat sich alles gut angefühlt", sagt die 15-Jährige, die seit dieser Saison den kompletten Wettkampf mit dem Gewehr bestreitet. In den jüngeren Jahrgängen wird ohne Waffe gelaufen. "Man merkt das zusätzliche Gewicht natürlich. Aber es ist ein schönes Gefühl, endlich richtig Biathlon zu machen."

Entsprechend intensiver sind die Trainings-Umfänge geworden. Bereits um 7.10 Uhr beginnt der Unterricht, der zur Mittagszeit endet. Danach wird trainiert. Täglich. Bis zu zweieinhalb Stunden. Dienstags auch vormittags. Der derzeitige Schnee-Mangel in Oberhof fordert das Improvisations-Talent der Trainer. Ein ungewöhnliches Leben für eine 15-Jährige, die die Familie nur alle zwei bis drei Wochen sieht, dem Sport bereitwillig vieles bis alles unterordnet. Und den jüngsten Erfolg nicht überbewerten, Erwartungen nicht so hoch schrauben will. "Ich denke schon, dass ich mich verbessert habe. Aber ich muss viel trainieren, auch mal Extra-Einheiten machen. Andere Sportler sind ja schon viel länger dabei." Top-Ten-Platzierungen lauten das realistische Ziel. "Wenn es Spitzenplätze sind, freut man sich natürlich. Wenn es nicht klappt, geht die Welt aber auch nicht unter", sagt Valentina Umhöfer, die jetzt den Fokus auf den nächsten Auftritt im Deutschland-Pokal in Notschrei (Schwarzwald) richtet.

In wenigen Tagen finden die Weltcup-Rennen in Oberhof statt. Der Franzose Martin Fourcade ist immer noch das große Vorbild. Eines hat Valentina Umhöfer mit dem Ausnahme-Athleten schon mal gemeinsam: Das Wissen, wie sich ein Sieg anfühlt.

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