Hammelburg
Volleyball

Oliver Möller braucht Emotionen, um alles geben zu können

Der gebürtige Rheinländer Oliver Möller hat in Hammelburg sein sportliches und privates Glück gefunden. Während die Hammelburger am Samstag (19 Uhr) den VC Gotha empfangen, reisen die Frauen am Sonntag zum TSV Obergünzburg.
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Leitwolf-Qualitäten: Oliver Möller (im Hintergrund) vom TV/DJK Hammelburg. Foto: ssp
Leitwolf-Qualitäten: Oliver Möller (im Hintergrund) vom TV/DJK Hammelburg. Foto: ssp
Wer den Rhein hat, braucht die Saale nicht. Und doch ist Oliver Möller vor einigen Jahren gerne ins Unterfränkische übergesiedelt. Der Liebe wegen. Bezirzt von Margareta statt der Loreley. "Meine Frau habe ich bei einer DJK-Meisterschaft in Münster kennengelernt, als sie beim TV/DJK, ich noch bei der DJK Delbrück gespielt habe", plaudert der 33-Jährige, der vor seiner Hammelburger Zeit auch schon Frank Otter kannte. "Mein Team hatte immer mal wieder gegen die Nationalmannschaft der Bundeswehr" gespielt, wo Frank ja Trainer ist", klärt Möller auf, der in seiner neuen Heimat damit keine große Eingewöhnungszeit brauchte, gleich dazugehörte zur großen TV/DJK-Familie.

Und mit seiner Leidenschaft für Volleyball natürlich besser nicht hätte passen können nach Hammelburg. "Ich habe in meiner Jugend viele Sportarten ausprobiert. War beim Fußball auch ein richtig guter Torwart mit Auswahl-Einsätzen. Hängengeblieben bin ich aber beim Volleyball." Diesbezüglich vorbelastet war Oliver Möller, weil Eltern und Schwester ebenfalls das Spiel mit Ball und Netz zur sportiven Passion erklärt haben. "Ich wurde aber zu nichts gedrängt. Vielmehr hat mich die Entwicklung dieser Sportart interessiert, die so komplex ist und so viele Spezialisierungsgrade notwendig macht."

Volleyball beansprucht den ganzen Körper

Mathematik und Sport hatte der gebürtige Koblenzer studiert. Und weiß daher auch wissenschaftlich etwas anzufangen mit Schnellkraft, Ausdauer oder Biomechanik. "Beim Volleyball wird der ganze Körper beansprucht. Und es hat mich gereizt, all diese Anforderungen zu erfüllen. Außerdem ist es ein toller Teamsport, in dem ein guter Ball ein ganzes Spiel beeinflussen kann. Wo ein besonderer Moment alles entscheiden kann."

Als 15-Jähriger hatte Möller komplett auf Volleyball gesetzt. Spielte gut, verbesserte sich stetig. Und hatte die richtigen Trainer und Mentoren. "Ich hatte sogar mal eine Anfrage von unserem Samstags-Gegner VC Gotha von derem jetzigen Trainer", erwähnt Möller, der im Lauf seiner Karriere schon alle Positionen gespielt hat und aktuell als Zuspieler eingesetzt wird. Gewöhnlich als Backup für Aldin Dzafic. "Die Rolle als Zuspieler kommt mir entgegen. Anlauf und Sprung fallen weg, da werden die Knochen nicht so beansprucht. Außerdem spielt Erfahrung eine große Rolle, wohl mehr als in anderen Sportarten."

Qualität und Routine ergänzen sich perfekt. Und helfen der noch jungen Hammelburger Mannschaft enorm, woran der Trainer keine Zweifel lässt. "Oli ist ein sehr wichtiger Spieler und eine echte Persönlichkeit. Er besitzt ein gutes Timing und weiß, wann er was zu sagen oder sich als Teamplayer einzubringen hat", sagt Tado Karlovic. Und bedauert daher, dass dessen berufliche und private Situation nur noch bedingt Spielraum für Volleyball lässt. "Dabei hat er sich in den vergangenen zwei Jahren auf der für ihn ungewohnten Position als Zuspieler toll entwickelt", so Karlovic.

Straffer Tagesablauf

Eine Frau, zwei kleine Kinder und ein Job als Konrektor an einer Schweinfurter Schule sorgen tatsächlich für einen straffen Tagesablauf. "Klar, die Prioritäten verschieben sich, weshalb ich auswärts eigentlich gar nicht mehr dabei bin. Aber die Jungs haben Verständnis für meine Situation und wissen, dass ich für mein Team und meinen Sport immer alles geben will. Das ist im Herzen drin."

Dritte Liga im Volleyball ist immer noch Amateursport. Geld fließt nicht ins Portemonnaie der Hammelburger Spieler. Die Qualität im Hammelburger Spiel ist dennoch zu ergründen. Prima Nachwuchsarbeit, ein eingespieltes, aber immer noch formbares Team. Und ein guter Trainer. "Tado ist fachlich hoch qualifiziert und irgendwo auch ein Hobby-Psychologe, der immer wissen will, wie es seinen Spielern geht. Er macht sich jedenfalls viele Gedanken", sagt Oliver Möller. Ein Beispiel für die Bedeutung des Mentalen liefert der Coach prompt. "Ich glaube, dass die Spieler meines Lieblingsvereins Borussia Dortmund im Moment körperlich absolut fit sind. Aber unter dem momentanen Druck nützt die Fitness leider recht wenig, wie man an den schlechten Ergebnissen sieht."

Positive Emotionen braucht es also. Das richtige Stichwort für den 1,93 Meter-Mann. "Ich kann mich selbst gut pushen mit einer guten Aktion. Und ich versuche das auch auf die Mannschaft zu übertragen." Die großartige Unterstützung vergisst Hammelburgs Nummer "13" nicht. "200 Zuschauer haben wir eigentlich immer. Das ist im Vergleich zu anderen Vereinen der Liga richtig viel. Natürlich wird es auch die Fans brauchen, um gegen Gotha bestehen zu können." Zur Motivation könnte indirekt auch der 1. FC Köln beitragen mit einem Heimsieg am Samstagnachmittag gegen den FC Augsburg. "Ich bin ein großer Sympathisant der Geißbock-Elf", verrät der Rheinländer, der damit eine Extra-Note einbringt in das fußball-affine Hammelburger Team. In diesem Sinne: Auf geht's Kölle, auf geht's Hammelburg.


Die Spielvorschau

Großer Respekt vor dem, was Hammelburgs Herren (2./20) da anbieten in der 3. Liga. Als Aufsteiger. Mit nur drei Punkten Rückstand auf Tabellenführer Neumarkt. "Die Saison läuft besser als wir es erwartet haben. Wir genießen das, ohne größenwahnsinnig zu werden. Dabei nutzen wir die Situation natürlich aus, trainieren gut und sehen uns am Wochenende auch als leichten Favoriten", sagt TV/DJK-Trainer Tado Karlovic vor dem Heimspiel gegen den VC Gotha (5./14).

Das Team vom erfahrenen Trainer Jörg Schulze spielt bisher "eine brave Runde", wie es Karlovic ausdrückt. "Die Spiele, die man gewinnen soll, haben sie gewonnen. Gegen Teams gegen die man verlieren kann, haben sie verloren. Trainer Schulze hat uns beobachtet, um sein Team besser auf uns einzustellen. Dabei soll ihn vor allem Marcel Herrmann unterstützen, der viel Erfahrung in der zweiten und ersten Liga gesammelt hat. Unsere Aufgabe wird es sein, gute Block- und Abwehrarbeit zu verrichten", sagt Karlovic, der mit Dominik Seller, Lukas Spachmann und Aldin Dzafic über drei sehr sehr gute Abwehrspieler verfügt, die mit Mario Radman und Co. am Netz sehr gut zusammenarbeiten müssen. "Wir erwarten ein gutes letztes Spiel in diesem Jahr vor unseren Fans und können das Volleyball-Jahr hoffentlich mit drei Punkten abschließen."

Was selbstredend auch für die Frauen des TV/DJK Hammelburg (2./16) gilt vor dem Gastspiel beim Tabellennachbarn TSV Obergünzburg (3./15), der ein Spiel weniger als die Saale städterinnen ausgetragen hat. "Ich hoffe, am Sonntag mal wieder einen größeren Kader zur Verfügung zu haben, auch wenn es trotz der personellen Probleme zuletzt sehr gut lief", sagt Trainer Frank Otter. Und meint insbesondere den glorreichen 3:0-Erfolg der Vorwoche. "Wir erwarten einen kampf- und aufschlagstarken Gegner. Bangemachen gilt jedoch nicht. Dazu war die Leistung in Nürnberg einfach zu gut." 315 Kilometer müssen die Unterfranken anreisen zum Aufsteiger aus dem Allgäu, der nur gegen Esting und Marktoffingen verloren hat. Gegen zwei Teams also, die die Hammelburger schlagen konnten. Klar, dass man nicht mit leeren Händen am Ende eines langen Tages dastehen will.
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