Laden...
Bad Kissingen
Fußball

Mit dem Freistoß-Spray zu mehr Fair Play

Nach positiven Erfahrungen bei der Weltmeisterschaft in Brasilien ist ein Einsatz auch auf fränkischen Fußball-Plätzen denkbar. Im Fußball-Kreis Rhön überwiegt die Skepsis.
Artikel drucken Artikel einbetten
Gefühlvoll trägt der Mannschaftsbetreuer Schaum auf die Schuhe von Thomas Müller auf. Wie vor jeder Partie der Nationalelf putzt er die Treter des Münchners und seiner Teamkollegen. Vor dem Viertelfinalduell mit Frankreich gibt er sich besonders viel Mühe. Doch was ist das? Rückstände von Schaum? Hat da jemand anderes Hand an die heiligen Latschen gelegt?
Ja und nein. Als Schweinsteiger bei einem gegnerischen Freistoß in der Mauer stand, haben seine Schuhe etwas Spray vom Schiedsrichter abbekommen. Bei der Weltmeisterschaft in Brasilien soll es den Unparteiischen eine Unterstützung im leidigen Kampf gegen ungehorsame Fußballer sein. Der Referee besprüht die Orte von Ball und Mauer mit einem Strich aus der Dose; die Markierungen sind für alle im Stadion sichtbar.
Bei der U20-WM 2013 hat der Fußball-Weltverband FIFA den Schaum zum ersten Mal in einem offiziellen Turnier getestet.
Vorreiter war die Profiliga in Argentinien im Jahr 2008. Erfinder und Patentinhaber ist ein argentinischer Amateur-Fußballer. Pablo Silva lag mit seinem Verein 0:1 zurück. In der 88. Minute bekam er einen Freistoß. Doch die gegnerischen Abwehrspieler pirschten sich bis auf drei Meter an den Ball heran, sodass der Schütze nicht ins Tor, sondern in die Mauer traf. Eine frühe Variante des Freistoß-Sprays soll es aber schon Anfang der 2000er im diesjährigen WM-Gastgeberland gegeben haben.
Doch warum sieht der Rasen nach einem hitzigen Spiel mit vielen Freistößen nicht wie eine Almwiese im Winter aus? Laut Hersteller löst sich der Schaum nach spätestens drei Minuten von selbst auf. Zum Auftragen der Linien brauchen die Männer mit der Pfeife - anders als anfangs befürchtet - deutlich kürzer. Die argentinische Firma "Fair Play 9.15 Limit" gibt Treibgas, Schaumemulgator, Konservierungsstoffe, Chelatbildner und Wasser als Inhaltsstoffe an und verspricht, das Mittel aus der 147 Milliliter großen Dose sei ungiftig.
Kritik gibt es von anderer Seite. Die Schiedsrichter hätten zur Verständigung mit den Assistenten bereits genug Ausrüstung zu tragen. Eine Flasche samt Halfter um die Hüfte sorge für zusätzlichen Ballast. Ein Unparteiischer aus Berlin vertritt die Meinung, dass ein Kollege, der es nicht schaffe, eine Mauer ordentlich zu positionieren, ein grundsätzliches Problem habe, dass sich mit einer Farbdose nicht lösen lasse. Andreas Rettig, Geschäftsführer der Deutschen Fußball-Liga glaubt, "dass wir dringendere Probleme haben." Und auch Bundestrainer Jogi Löw konnte dem Spray kurz vor Turnierstart in Brasilien nichts abgewinnen.
Doch spätestens nach der Vorrunde sind die Sprüh-Fans in der Mehrheit. Selbst Schaumkritiker Herbert Fandel vom DFB-Schiedsrichterausschuss hat sich überzeugen lassen: "Die ganze Schieberei, wo der Freistoß ausgeführt wird und die Mauer zu stehen hat, wäre damit zu Ende." Rainer Koch, DFB-Vize und Vorsitzender des Bayerischen Fußballverbandes, schlug sogar vor, das Spray in den höheren Amateurklassen einzuführen.
Solange es beim Linienzeichnen bleibt und das Spray keine säubernden Eigenschaften bekommt, brauchen sich Mannschaftsbetreuer keine Sorgen um ihren Job zu machen.

Was Manuel Leicht, der Freistoßspezialist des Bayernligisten TSV Großbardorf, von dem Spray hält? "Nix. Das mag für die Zuschauer belustigend sein, aber man sollte im Fußball nicht zuviel regeln. Es gehört auch dazu, dass die Mauer vorrutscht. Ich sehe für mich weder Vor- noch Nachteile bei dem Spray. Wer kann denn schon garantieren, dass der Schiedsrichter mit seinen Schritten genau auf 9,15 Meter kommt? Da müsste man ja noch ein Maßband einführen. Die Schiedsrichter haben es schwer genug."

Manuel Krieter, der Abwehrchef des Bezirksligisten SV Garitz, steht häufig in der Mauer: "Ich sehe für das Freistoß-Spray im Amateurbereich nicht wirklich einen Bedarf. Die Amateur-Schiris hatten das Verhalten bei Freistößen bisher ganz gut im Griff. Zudem kämen weitere Kosten auf die Schiedsrichter oder die Vereine zu. Problematischer sehe ich es, dass der Schiedsrichter die geforderten 9,15 Meter per Augen- und Schrittmaß bestimmen muss, was teilweise zu recht unterschiedlichen Abständen bei Standardsituationen im Amateurfußball führt."

Peter Schmitt aus Poppenroth, Schiedsrichter bis zur Bezirksliga, ist gegen die Einführung: "Ich muss für mich sagen, dass ich bisher nicht die Notwendigkeit gesehen habe, so einen Schaum zu verwenden. Normalerweise sehe ich kein Problem darin, bei der Mauerstellung Ball und Schützen sowie gleichzeitig die zu stellende Mauer im Auge zu behalten. Daher ist es in meinen Augen eher überflüssig.
Dass wir demnächst in den Bezirksligen mit dieser Dose auf dem Feld herumlaufen, kann ich mir beim besten Willen nicht vorstellen."

Kommentare (0)

was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren