Reiterswiesen
Schützen

Michael Kuhn holt sechs Deutsche Meistertitel

Der Reiterswiesener ist in der Altersklasse in Sachen Präzision und Schnelligkeit eine Ausnahmeerscheinung.
Artikel drucken Artikel einbetten
Mit dem Gewehr bei den Deutschen Meisterschaften des Bundes Deutscher Schützen sowohl in den Präzisions- als auch den Speeddisziplinen erfolgreich: Michael Kuhn. Foto: Tom Schulze
Mit dem Gewehr bei den Deutschen Meisterschaften des Bundes Deutscher Schützen sowohl in den Präzisions- als auch den Speeddisziplinen erfolgreich: Michael Kuhn. Foto: Tom Schulze
Kräftig abgeräumt hat der Reiterswiesener Schießsportler Michael Kuhn zum Abschluss der diesjährigen Wettkampfsaison. Bei Deutschen Meisterschaften sicherte er sich mit überragenden Leistungen in der Altersklasse sechs Titel, in zwei weiteren Wettbewerben belegte er jeweils den dritten Platz.
Um so erfolgreich zu schießen, hat Michael Kuhn einen langen Weg hinter sich. "Mein Opa hat ein Luftgewehr gehabt, mit dem habe ich im Garten auf leere Büchsen und Schachteln geschossen", erinnert er sich an die Anfänge. Mit zehn Jahren, also vor 41 Jahren, trat er dem Schützenverein Edelweiß Reiterswiesen bei, um das Schießen richtig zu lernen. "Irgendwann habe ich den Zehner-Virus gekriegt", lacht er. Ausgerechnet schwere gesundheitliche Probleme 1993/94 führten dazu, dass er sich intensiver mit dem Schießsport beschäftigte. "Das hat mir geholfen, mich aus diesem Tief herauszuziehen." Der Erfolg ließ nicht lange auf sich warten, 1996 wurde er Bayerischer Meister mit der Standardpistole. Seitdem sammelte er zahlreiche Titel auf Landes- und Bundesebene. "Eine Gewöhnung an Siege gibt es nicht", begründet Kuhn, warum auch in diesem Jahr sein Erfolgshunger nicht gestillt war.
Dabei war es für den Edelweiß-Schützen heuer nicht einfach, die gesteckten Ziele bei den Deutschen Meisterschaften zu erreichen, für die er sich über Vereinsmeisterschaft, Gaumeisterschaft, Bezirks- und Landesmeisterschaft qualifizierte. Unfallbedingte Verletzungen des rechten Schultergelenks und der Rippen hielten den Schützen vor den Meisterschaften fast drei Monate vom Training ab. Gezielte Krankengymnastik sowie ein zweiwöchiges Intensivtraining brachten ihn aber wieder auf Kurs.

Trotz Ringabzug souverän

Bei den Titelkämpfen des Deutschen Schützenbundes (DSB) auf der Olympia-Schießanlage in Hochbrück musste er sich in der Disziplin Standardpistole nicht nur gegen die 60 qualifizierten Mitbewerber durchsetzen. Kuhn wurde auch noch eines Regelverstoßes bezichtigt und bekam die Gelbe Karte gezeigt, was zusätzlich einen Ringabzug zur Folge hatte. In der "Königsdisziplin" der Pistolenschützen müssen insgesamt 60 Wertungsschüsse (in Fünfer-Serien) auf eine 50 Zentimeter große Scheibe abgegeben werden (die 10 hat einen Durchmesser von 5 cm), die 25 Meter vom Schützen entfernt steht - 20 Schuss in einer Zeit von 150 Sekunden, 20 in 20 Sekunden und 20 in nur 10 Sekunden. Die Scheibe darf nur auf ein Startsignal hin beschossen werden, bis dahin muss der Arm mit der Waffe in einem Winkel von unter 45 Grad abgesenkt bleiben. Ein Kampfrichter wollte hier bei einem der Durchgänge eine zu geringe Absenkung festgestellt haben. Deshalb wurde die entsprechende Fünfer-Serie annulliert und musste nachgeschossen werden. Zusätzlich wurden die besten fünf Treffer abgezogen und nur die schlechtesten Schüsse der beiden Serien gewertet. So standen am Ende 559 Ringe statt 569 (von 600 möglichen) auf Kuhns Auswertezettel, trotzdem gewann er die Goldmedaille mit immer noch sechs Ringen Vorsprung auf den Zweiten. "Ich bin schon ein bisschen stolz auf mich, dass ich da ruhig geblieben bin", so Kuhn.

Präzise und schnell

Eine Woche zuvor startete Kuhn bei den Deutschen Meisterschaften des Bundes Deutscher Schützen (BDS) in Philippsburg auf der dortigen WM-Schießanlage. In elf Disziplinen an zwei Tagen holte er fünf Goldmedaillen, zwei mal Bronze und Plätze von fünf bis zehn. In Philippsburg legte Kuhn mehr Wert auf seine Ergebnisse mit dem Gewehr als mit der Pistole, er gewann zwei Präzisionsdisziplinen auf 50 Meter Entfernung, und zwar mit dem Sportgewehr Selbstlader mit Kleinkalibermunition und ebenfalls mit Kurzwaffenmunition. Dieselben halbautomatischen Gewehre nutzte Kuhn auch in den sogenannten Speed-Disziplinen, um sich zwei weitere Goldmedaillen sowie eine mit dem Kleinkaliber-Unterhebelgewehr zu schießen. Auf den 20 Zentimeter großen Scheiben gibt es nur die beiden Ringwerte Zehn und Sieben, Treffer außerhalb werden nicht gewertet. Fünf Scheiben stehen in 25 Meter Entfernung nebeneinander und werden so schnell wie möglich beschossen. Sechs Serien zu fünf Schuss pro Disziplin müssen nach dem Startsignal abgegeben werden, zum Schluss werden die Ringe gezählt und die gemessene Zeit (Sekunden pro Serie) von diesem Ergebnis abgezogen. Seine Fähigkeiten in Sachen Schnelligkeit und Präzision stellte Michael Kuhn dabei eindrucksvoll unter Beweis. Zwei dritte Plätze in der Disziplin Präzision mit der Großkaliber- und der Kleinkaliberpistole waren eine willkommene Zugabe.
"Schießen ist ein wichtiger Teil meines Lebens", sagt Kuhn, der mit diesen Erfolgen bei Deutschen Meisterschaften sowohl in den Präzisions- als auch in Speeddisziplinen eine Ausnahmestellung in Deutschland einnimmt. Da Kuhn als Einzelkämpfer unterwegs ist, sucht er noch Sponsoren, die ihn bei den Munitions- und Reisekosten etwas unterstützen. Die Edelweißschützen Reiterswiesen ehrten ihr Aushängeschild im Rahmen einer kleinen Feier. "Ich komme gerne, um einem so erfolgreichen Sportler zu gratulieren”, betonte die daran teilnehmende Stadträtin Hildegard Alefeld.
was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren