Rechte Hand nach oben. Körper-Streckung. Los geht's. Zur Musik von David Garrett beginnt Theresa Werner ihre Bodenübung. Die Aufmerksamkeit der Besucher gilt in diesem Moment ausnahmslos der Kissingerin. Exakt auf den Rhythmus der Musik ist die Vorführung abgestimmt. Element für Element wird abgerufen. Körper und Geist harmonieren. Nervosität? Blendet der gute Turner aus. Und die 17-Jährige ist gut. Für den Rückwärts-Salto gibt es besonders viel Applaus. "Den habe ich zum ersten Mal in einem Wettkampf geturnt", sagt die Gymnasiastin hinterher. "Der Salto war gut, ein paar Kleinigkeiten haben nicht gepasst." Auch Selbstkritik zeichnet den guten Sportler aus.

Nach der Premiere im Vorjahr in Münnerstadt hatte der Turngau Rhön-Saale zum zweiten Mal zu einem Abend der Turn-Talente eingeladen. Diesmal in die Bayernhalle, wo ein fachkundiges Publikum, darunter ein ganz junger Fanclub des TSV Arnshausen, angetan war von den Darbietungen in Form eines Vierkampfes. Qualifiziert hatten sich die besten Turner der beiden letzten Gaurunden-Kämpfe, die ihre Übungen selbst hatten kreieren können. "Das ist eine gute Veranstaltung. Jeder Sportler kommt hier mehr zur Geltung. So macht Turnen Spaß", sagte Willi Abersfelder, der in der Bayernhalle doppelt gefordert war: als Punktrichter und Trainer des TV Bad Brückenau. Jeweils zwei Richter waren pro Gerät abgestellt. "Das ist ein sehr unübersichtliches Bewertungs-System", findet der Kampfricht-Wart des Turngaus Rhön-Saale. Bis zu drei Stellen nach dem Komma hat die Gesamtnote. Wertungs-Proteste gibt es nicht. "Turner sind friedliche Leute. Wer besser ist, ist eben besser. Außerdem sind wir objektiv. Am Kampfgericht bleibt die Vereinsbrille unten."


Reibungslose Zusammenarbeit



Positiv fiel das Resümee von TSV-Abteilungsleiter Nico Hofmann aus. "Die Zusammenarbeit zwischen TSV, dem Turngau und den Vereinen hat eigentlich reibungslos geklappt. Ich hatte auch den Eindruck, den Zuschauern hat es gefallen. Erfreulich ist zudem, dass es keine größeren Verletzungen gegeben hat und dass die Rhönrad-Turner wieder einmal gemeinsam mit den Turnern aufgetreten sind." Der 47-Jährige nutzte den würdigen Rahmen für die Verabschiedung seiner Vorgängerin und langjährigen Übungsleiterin Hannelore Möhler sowie TSV-Kassierin Berta Becker. Zu den Highlights gehörten die Rhönrad-Vorführungen von Sportlern der DJK Schönau und des TSV Nordheim. Vor allem die Rhönrad-Ballerina Hannah Griebel turnte sich bei den finalen Show-Acts in die Herzen der Zuschauer. Was man mit dem Sportgerät mit den zwei Reifen und sechs Sprossen alles anstellen kann, zeigten auch Natalie Rehm und Sabrina Streck.

Die Vielfalt der Bewegung präsentierten die Brückenauer David Kunkel und Philipp Kleinhenz bei ihrem ebenso witzigen wie anspruchsvollen "Break-Dance", sowie ihre Vereinskolleginnen Magdalena Beck und Katharina Fuchs. Auch die TSV-Turnerinnen hatten zum "Finale" ein Showteil eingeübt. So schön wurde in der Bayernhalle selten geflogen. Mittendrin Theresa Werner, die ihren Vierkampf als Vierte abgeschlossen hatte. "Ich wollte schon auf das Podest und bin daher etwas enttäuscht", gestand die TSVlerin, die bei der Fehlersuche schnell fündig wurde. "Beim Stufenbarren war ich aufgeregt, weil ich ein neues Übungsteil geturnt habe. Den Wolkenschieber. Und der hat prompt nicht geklappt. Ansonsten war das in Ordnung."

Der Kippaufschwung rücklings vorwärts sollte nicht das einzige Problem an diesem Abend bleiben. Am Balken ging das Rad daneben, was eine verfrühte Boden-Berührung zur Folge hatte. "Und so was gibt eben ordentlich Abzüge." Richtig gut geklappt hatte dafür der Überschlag über das Sprungpferd mit toller Streckung und Landung. "Da war ich auch richtig weit hinten raus", freute sich die Kissingerin. Der misslungene zweite Versuch fiel da nicht ins Gewicht, weil der beste Versuch gewertet wird. Gerade die Übungen am Sprungpferd verdeutlichten, dass Turnen bei aller Kunst auch Handwerk - und oft genug schmerzhaft ist. So manche Träne wurde an diesem Abend vergossen, so mancher blaue Fleck gesammelt. Theresa Werner hat das auch schon mitgemacht. Seit elf Jahren turnt die 17-Jährige. Es gibt eben nicht nur harte Jungs.

Jahrgänge 2000 - 2001 1. Sonja Lülf (TSV Bad Kissingen) 45,300; 2. Lisa Prochatschek (TV Bad Brückenau) 44,350; 3. Vitoria Mützel (TSV Bad Kissingen) 44,300.

Jahrgänge 1998 - 1999 1. Leonie Kratsch 44,850, 2. Hannah Manietta (beide TSV Stadtlauringen) 44,650; 3. Olesya Dimitruk (TV Bad Brückenau) 44,500.

Jahrgänge 1994 - 1997 1. Svenja Weigand (TSV Stadtlauringen) 48,650; 2. Ulrike Abersfelder 48,359, 3. Katharina Fuchs (beide TV Bad Brückenau), 48,100.

Jahrgänge 1993 und älter 1. Regina Rubi (TV Bad Brückenau) 52,050; 2. Jacqueline Mohr (TSV Arnshausen) 42,350, 3. Katja Planer (TV Bad Brückenau) 42, 250.

Jahrgänge 1996 und jünger 1. Fabio Ziegler (TV Bad Brückenau) 49,750; 2. David Bergmann 35,850; 3. Florian Weigand (beide TSV Stadtlauringen) 35,800.

Jahrgänge 1998 und älter Michael Weigand 67,100, 2. Lukas Bergmann 57,100, 3. Pascal Zirkelbach (alle TSV Stadtlauringen)