Schweinfurt
Eishockey

Kissinger Wölfe nach Derbysieg Tabellenführer

Mit dem Derbysieg bei den Schweinfurter Mighty Dogs vor über 1200 Zuschauern übernehmen die Kissinger Wölfe die Tabellenführung.
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Goalie am Boden, Puck im Tor: Bad Kissingens Alexander Engel (Mitte) trifft in dieser Szene im Derby in Schweinfurt zum 0:1, was (v.r.) der Schweinfurter Keeper Timo Jung sowie Jonas Knaup, Andi Kleider und Fritz Geuder nicht verhindern können.  Foto: Marion Wetterich
Goalie am Boden, Puck im Tor: Bad Kissingens Alexander Engel (Mitte) trifft in dieser Szene im Derby in Schweinfurt zum 0:1, was (v.r.) der Schweinfurter Keeper Timo Jung sowie Jonas Knaup, Andi Kleider und Fritz Geuder nicht verhindern können. Foto: Marion Wetterich
ERV Schweinfurt - Kissinger Wölfe 2:4 (2:1, 0:3, 0:0).
Keine Übertreibung: Der Erfolg der Kissinger Wölfe im Icedome ist ein historischer. Sportlich zumindest keine Sensation, weil die Saalestädter in dieser Saison dank starker Neuzugänge definitiv auf Augenhöhe sind mit dem Oberliga-Absteiger. Für das Kissinger Eishockey könnte der Sieg allerdings mehr wert sein als drei Punkte und die Tabellenführung in der Landesliga. Eine Art Initialzündung erhofft sich Thomas Berndaner. "Wahnsinn, wie voll der Kissinger Fanblock war. Diese Leute müssten alle auch mal zu den Heimspielen kommen", findet der Sportchef. Den besseren Start vor über 1200 Zuschauern im Icedome hatten allerdings die Gastgeber, die auf Pascal Schäfer (gesperrt) verzichten mussten und ab Dienstag überraschend wieder mit Alexander Funk planen können, der aus Höchstadt zurückwechseln wird.

"Wir wollten aggressiv beginnen, die ERV-Verteidiger unter Druck setzen und zu Fehler zwingen. Aber das hat nicht wie erhofft geklappt", analysierte Berndaner das Auftaktdrittel. In Überzahl hatte Alexander Engel zwar die Kurstädter in Überzahl in Führung gebracht, doch mit dem Ausgleich durch Fritz Geuder war das Momentum auf Seiten der Mighty Dogs, die mit dem Treffer von Georg Lang nachlegten.

Stark auch in Unterzahl

Kurz vor Drittelende kassierte Verteidiger Mark Dunlop eine 2+10-Minutenstrafe, doch die durchweg mit nur zwei Reihen spielenden Kissinger Wölfe waren im Mittelabschnitt nicht zu bremsen. "Wir haben in der Kabine angesprochen, dass wir vor dem Tor hungriger sein und besser nachsetzen müssen", sagte Berndaner. Der überragende Julian König im Kissinger Tor verhinderte zweimal glänzend den dritten Schweinfurter Treffer und durfte sich dann über den Ausgleich von Jan Pantkowski freuen. Den Kissinger Fan-Block zum Kochen brachten schließlich Alexander Berger und in Überzahl Spielertrainer Mikhail Nemirovsky mit den Toren zum 4:2.
Eine kritische Phase gab es für die Kissinger, als Alexander Andrusovich eine Spieldauerdisziplinarstrafe wegen hohen Stocks aufgebrummt bekam und damit am Samstag fehlt beim nächsten wichtigen Spiel in Vilshofen. Die damit verbundene fünfminütige Unterzahl überstanden die Wölfe aber ebenso unbeschadet wie die verbleibende Spielzeit.

Heimspiel gegen Haßfurt

"Derbysiege sind etwas Besonderes. Gerade für Bad Kissingen gegen Schweinfurt. Außerdem haben wir verdient gewonnen", frohlockte Thomas Berndaner. Und erhofft sich nun endlich einmal eine prall gefüllte Bad Kissinger Eishalle. Die Chancen dafür stehen gut, wenn am 19. Dezember die Haßfurt Hawks gastieren.
Tore: 0:1 (7.) Engel (Nemirovsky 5-4), 1:1 (9.) Geuder (Amrhein), 2:1 (13.) Lang (Slivka), 2:2 (26.) Pantkowski, 2:3 (30.) Berger, 2:4 (32.) Nemirovsky (Nikitin, Engel 5-4). Strafminuten: 8/13 + 10 Dunlop + 20 Andrusovich. Zuschauer: 1230.


Der Kommentar zum Spiel

Eishockey ist Adrenalin. Bei aller Aggressivität und Härte in diesem Sport gelten die Fans allerdings als vorbildlich. Ein Hooligan-Problem gibt es nicht beim Eishockey. Auch keine Ausschreitungen. Und damit keine Diskussionen über die Finanzierung von Polizeieinsätzen. Ein Kindergeburtstag ist Eishockey freilich nicht. Eine derbe Wortwahl, auch Beleidigungen gehören gerade in Derbys zum "guten Ton". Sind akzeptiert, weil es einfach dazu gehört. Wer viel Wert auf gutes Benehmen legt, sollte nicht unbedingt ins Eishockey-Stadion.

Was in den Tagen vor dem Spiel der Wölfe bei den Mighty Dogs passierte, darf allerdings nicht toleriert werden. In Internet-Foren wurde insbesondere gegen Mikhail Nemirovsky Stimmung gemacht, der vor der Saison vom Main an die Saale als Spielertrainer gewechselt war. Eine Personalie, die natürlich Brisanz in sich birgt, zumal mit Roman Nikitin und seit wenigen Tagen auch Mark Dunlop weitere ehemalige ERV-Cracks nun für die Kissinger Wölfe auflaufen. Spieler, die im ERV-Trikot viel geleistet haben, zurecht gefeiert wurden. Die nächste Stufe der (gewünschten?) Eskalation wurde am Freitag erreicht, als Schweinfurter "Fans" nicht nur die Selber Mannschaft in Kissingen unterstützten, sondern eben Mikhail Nemirovsky gezielt provozierten. Auch lange nach dem Spiel, was sogar die Polizei auf den Plan rief, die jetzt wegen Körperverletzung in zwei Fällen ermittelt. Immerhin blieb am Sonntag alles im Rahmen, was dafür spricht, dass die Mehrheit der Zuschauer Grenzen erkennt und einhält.

Zumindest ein bisschen zur geistigen Brandstiftung hatte auch der Vorbericht des ERV beigetragen. "Schweinfurter Arbeit gegen Kissinger Kapital", hieß die Überschrift. Der Verfasser gab sich weiter als Hobby-Kommunist, der mit allerlei Demagogie den Gegner zum Klassenfeind erklärte. Hier die Söldner-Truppe von der Saale, dort die fleißigen Malocher vom Main. "Hier versucht ein Verein, sich den sportlichen Erfolg zu erkaufen, ohne für den erforderlichen Unterbau zu sorgen", heißt es unter anderem in der Kampfschrift.

Ein bisschen viel Doppelmoral, weil die Mighty Dogs in der vergangenen Saison fast ausnahmslos auf Fremdspieler gesetzt hatten, womöglich (und nicht zum ersten Mal) über ihre Verhältnisse gelebt haben mit dem freiwilligen Rückzug aus der Oberliga. Dort, wo Eishockey mindestens semi-professionell betrieben wird. Aus dieser Zeit ist kein Schweinfurter Manifest gegen das Kapital überliefert.
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