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Römershag
Hallenfußball

Hackentricks und Übersteiger in Römershag

Vor vollen Rängen gewinnt die SpVgg Wartmannsroth das Dreikönigsturnier des SV Römershag. Der Pokal der Saale-Zeitung geht - nach Losentscheid - an Alex Krämer vom FC Bad Brückenau.
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Guter Sport in schöner Halle: Unser Szenenbild stammt aus der Begegnung des VfR Sulzthal gegen den TSV Volkers und zeigt eine Abwehr-Aktion von TSV-Keeper Matthias Brust gegen VfR-Akteur Lorenz Halbig (blaues Trikot).   Foto: ssp
Guter Sport in schöner Halle: Unser Szenenbild stammt aus der Begegnung des VfR Sulzthal gegen den TSV Volkers und zeigt eine Abwehr-Aktion von TSV-Keeper Matthias Brust gegen VfR-Akteur Lorenz Halbig (blaues Trikot). Foto: ssp
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"Deine Augen machen bling, bling und alles ist vergessen", dröhnt es aus den Boxen. Derweil gehen die jungen Sternsinger freudestrahlend durch die voll besetzten Ränge der Römershager Dreifachturnhalle. Tradition und Moderne verbindet der SV Römershag gekonnt beim 32. Dreikönigsturnier in einem renovierten Schulsportzentrum, das nun endlich auch den Anforderungen des modernen, schnellen und technisch anspruchsvollen Hallenfußballs gerecht wird.

Vorbei die Zeiten, als die Amateurkicker am Dreikönigstag fast wie beim Eishockey über den rutschigen, giftgrünen Kunststoffboden schlitterten und der gelben Filzkugel hinterherstürmten, die kaum in den Griff zu bringen war. Der nagelneue, zart babyblaue Belag lässt jetzt viel mehr Ballkontrolle und Standfestigkeit zu. Nach wie vor reine Glückssache ist allerdings das Spiel mit der Bande auf der Gegengeraden gegenüber der Zuschauertribüne. Wie die Kugel von dem mittlerweile grauen (früher dunkelbraunen) Textilbelag abprallt, lässt sich kaum, eigentlich gar nicht präzise vorhersehen. Auch die Holzleisten im Bodenbereich zwischen den Garagentoren der Geräteräume verleihen dem runden Spielgerät immer wieder völlig kuriose Flugbahnen.
Daher ersparen sich fast alle Teilnehmer gewagte Aktionen über die Bande, zumal auf der Tribünenseite ja ohnehin mit Seitenaus gespielt wird. Auch hinter den Toren gibt es keine Banden, dort landet das Leder in den Fangnetzen, die bei unpräzisen Gewaltschüssen einen guten Dienst erweisen. Eine echte Generalsanierung, die ihrem Namen auch gerecht wird, hat die Dreifachturnhalle erfahren. Rund 3,3 Millionen Euro hat das den Landkreis Bad Kissingen und der Stadt Bad Brückenau gekostet. Der Freistaat hat den finanziellen Kraftakt durch entsprechende Zuschüsse möglich gemacht.

"Das ganze Umland kommt am Dreikönigstag nach Bad Brückenau zum Fußball. Das ist eine tolle Sache", sagte Bürgermeisterin Brigitte Meyerdierks. Rund ein Jahr war die Dreifachturnhalle in Römershag wegen der Sanierungsarbeiten geschlossen. Pünktlich zum Beginn des aktuellen Schuljahr konnten sich die Schulen und Sportvereine von der Qualität der neuen Halle überzeugen. Meyerdierks machte keinen Hehl daraus, dass die Übergangszeit der Schließung für alle Brückenauer Vereine bei Training und Spielbetrieb nicht ganz einfach war. Gerade die Handballer sind auf die große Spielfläche unter Dach angewiesen.

"Die Halle ist super", meinte denn auch Jürgen Breitenbach, der seit Jahren in der Turnierleitung beim SV Römershag mitarbeitet. Auch wenn insgesamt eher wenig Tore fielen, für die Akteure war der neue Hallenboden ein Segen. "Das Turnier ist ruhig gelaufen, ohne nervenaufreibende Diskussionen. Die Teams haben sich ganz auf Fußball konzentriert. Das hat man in vergangenen Jahren auch schon anders erlebt."
Positiv überrascht waren die Organisatoren von den sportlichen Leistungen des TSV Volkers und der SG Oberleichtersbach/Modlos. "Dass sich die beiden Mannschaften auch gegen höherklassige Teams durchsetzen, hatte man so nicht erwarten können." Ebenfalls eine Überraschung war das frühe Ausscheiden des TSV Oberzell bereits in der Vorrunde. Die Hessen hatten das Dreikönigsturnier in den Jahren 2012 und 2013 gewinnen können und zählen mittlerweile zu den Stammgästen des Wettbewerbs.

Dass der FC Bad Brückenau wieder ein Wörtchen mitreden würde, war indes zu erwarten gewesen. Im Spiel um Platz drei bezwangen die Sinnstädter den VfR Sulzthal mit 3:1. Zwar hatte der wendige Timo Eichmann die Sulzthaler schon nach knapp einer Minute in Führung geschossen. Brückenaus Alexander Krämer gelang allerdings nur wenige Sekunden später der Ausgleich. Es folgte ein rasanter Schlagabtausch mit Hackentricks, Übersteigern und Lupfern, wobei es die Sulzthaler ziemlich erfolglos mit der Brechstange versuchten. Wiederum Krämer behielt kühlen Kopf und brachte die Brückenauer nach sieben Minuten in Führung.
Die Trebacz-Jungs dominierten forthin das Geschehen und erzwangen in der neunten Minute ein Eigentor der Sulzthaler aus dem Gewühl heraus. Damit war das "kleine Finale" entschieden, denn die Mannschaft um Florian Jakobsche und Sebastian Ziegler agierte bis in die Schlusssekunden abgezockt.

Erstaunlich, mit welchem Elan die Brückenauer das Spiel um Platz drei über die Bühne brachten. Denn der FCB hatte im Turnierverlauf heiße, kraftraubende Derbys überstehen müssen: ein umkämpftes Remis gegen die DJK Schondra in der Vorrunde (0:0) und einen knappen Triumph über den TSV Volkers in der Zwischenrunde (1:0). Immer wieder konnten sich die Kreisliga-Kicker auf die Routine von Sebastian Ziegler verlassen, der in der Defensive jede noch so turbulente Szene mit Bravour meisterte.

Das "echte" Finale zwischen der SG Windshausen/Brendlorenzen und der SpVgg Wartmannsroth enttäuschte die Fans. "Das Endspiel war von Taktik geprägt", resümierte Breitenbach. Das war noch milde formuliert, denn außer Maik Kirchners entscheidendem Treffer gab es kaum Glanzlichter. Die SG setzte voll auf Manndeckung und erstickte die Offensivbemühungen der Wartmannsröther bereits im Keim. Der Sieg der Spielvereinigung war mit Kirchners Führungstor bereits besiegelt, weil die Grabfeldkicker nie aus ihrer Lauerstellung herauskamen.

Bei der Vergabe des Torjägerpokals, gestiftet von der Saale-Zeitung, hatte Maik Kirchner allerdings weniger Fortune. Das Los entschied für den Brückenauer Alex Krämer, der wie Kirchner vier Tore im Turnierverlauf geschossen hatte. Auch der fünfte Platz wurde in einem eigenen Finale ausgespielt. Das Duell der beiden Überraschungsmannschaften entschied die SG Oberleichtersbach/Modlos gegen den TSV Volkers für sich. Moritz Leitsch sorgte für den Triumph der SGO. Die Oberleichtersbacher überzeugten mit sehenswerten Kombinationen und scheiterten mehrfach nur knapp. Der TSV gab jedoch bis zur Schlusssirene nicht klein bei und suchte sein Heil in Distanzschüssen.

"Der Modus mit der Zwischenrunde hat sich bewährt und sorgt eigentlich immer für spannende Finalspiele", ist Breitenbach überzeugt. Dass das "große" Finale heuer etwas einschläfernd daherkam, tat dem insgesamt abwechslungsreichen Turnier keinen Abbruch. "Es gab sehr wenig Fouls, das ist bemerkenswert." Lob gab es von Breitenbach für das gesamte Helferteam, das ein solches Turnier erst möglich macht. Angefangen vom Stadionsprecher und Moderator Dirk Stumpe über Janette Boldin, die zusammen mit einem kleinen Redaktionsteam die Turnierzeitung entworfen hat, bis hin zu den Schiedsrichtern und zur Turnierleitung rund um Andreas Miller, Thomas Eder, Gunther Schwarz und Max Spahn. "Wir hatten den ganzen Tag volle Ränge, das war der Lohn für die Mühen."

Ob es beim 33. Dreikönigsturnier im kommenden Jahr einen großen Umbruch weg vom klassischen Hallenfußball hin zum Futsal geben wird, scheint derzeit mehr als fraglich. Der SV hat alle teilnehmenden Vereine befragt, die Mehrheit hat sich gegen ein reines Futsal-Turnier ausgesprochen. In diesem Jahr hat der SV Römershag allerdings bereits kleinere Elemente aus dem Futsal übernommen, die bei den Teilnehmern positiv aufgenommen worden sind. So wurde mit dem Futsal-Ball und kleineren Toren gespielt. "Das richtige Regelwerk beim Futsal ist allerdings so kompliziert, dass es dann sicherlich viel mehr Diskussionen geben wird. Mal schauen, wie lange uns der Verband die Freiheiten lässt." In der Umfrage jedenfalls wurde das diesjährige Modell von den Vereinen mehrheitlich befürwortet. "Wir sind also auf dem richtigen Weg."
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