Sein Trikot tauschte Gerald Betz aus Fuchsstadt nicht erst nach dem Spiel, sondern bereits in der Halbzeitpause. Er steht auf dem Sportplatz in Obereschenbach und trägt die roten Stutzen der Bad Kissinger Landkreisauswahl mit dem schwarzen Dress der Bundesliga-Oldies. Nachdem er die ersten 45 Minuten für die Bad Kissinger Auswahlmannschaft kämpfte, spielt er die zweite Hälfte Seite an Seite mit ehemaligen Bundesligaspielern wie Olaf Marschall (1. FC Kaiserslautern), Ulf Kirsten oder Heiko Scholz (beide Bayer Leverkusen).

"Die Jungs sind schwer in Ordnung", meint Gerald Betz über seine berühmten Teamkollegen. "Die Stimmung ist freundschaftlich, wie auf einem Klassentreffen." Er freue sich darauf, sich nach dem Spiel gemütlich mit allen Spielern zusammenzusetzen und das EM-Vorrundenspiel Deutschland gegen Portugal zu schauen.
Bereits zum vierten Mal organisierte Bernd Heid aus Fuchsstadt ein Benefizspiel, bei dem sich ehemalige Fußballprofis beteiligen. Einmal gingen die Spenden nach Diebach, um dem nach einem Unfall querschnittsgelähmten Familienvater Christoph Häring zu helfen. Mit dem Erlös der restlichen drei Spiele wurde stets die Station Regenbogen der Uni-Kinderklinik in Würzburg unterstützt. So auch bei der Veranstaltung, die am Samstag auf dem Sportplatz des FC Obereschenbach stattfand.

Solche Events sind für die Station Regenbogen enorm wichtig. "Durch die Spenden können wir uns finanziell beteiligen. Viele notwendige Projekte können erst durch Spendengelder realisiert werden", betont Heidrun Grauer, Vorstands- und Gründungsmitglied des Vereins. Die Station Regenbogen wurde vor 29 Jahren gegründet, um krebskranken Kindern und deren Familien so weit wie möglich beizustehen. "Seitdem ist es mir eine Herzensangelegenheit geblieben", sagt sie.

In der Anfangszeit sei es zunächst das wichtigste Anliegen gewesen, die Kinderklinik kinder- und familiengerecht zu gestalten. Hier hat sich laut Grauer viel getan: Es gebe beispielsweise gut ausgestattete Spielzimmer, frohe Stunden mit Musik und Musikclowns, ein Gymnastik- und Entspannungsangebot sowie acht Elternwohnungen, in denen die Familien erkrankter Kinder unterkommen können. "Aber auch kleinere Unternehmungen der Betreuer, wie Waffelbacken oder Pizzaessen, werden von uns bezahlt", erzählt die engagierte Helferin. Darüber hinaus fördere der Verein aktuelle Forschung, um Therapiemöglichkeiten zu verbessern oder neu zu entwickeln.
Heidrun Grauer weiß aus persönlicher Erfahrung, wie notwendig eine helfende Hand für Betroffene ist. Sohn Michael erkrankte 1982 an Krebs und konnte erfolgreich durch Chemotherapie behandelt werden. "Bei einer Krebsdiagnose wird nicht nur das Kind krank, sondern die ganze Familie", schildert die dreifache Mutter ihre Erfahrungen. Man verliere den Boden unter den Füßen und falle in eine Art Trancezustand. "Die Station Regenbogen kann dann viel auffangen", erläutert Grauer. Es sei für die Betroffenen wichtig, dass man nicht alleingelassen wird.

"Es ist der Wahnsinn, was die Leute von der Regenbogenstation leisten", sagt der Organisator des Benefizspiels, Bernd Heid, anerkennend. Darum bemühe er sich seit 2006, alle zwei Jahre einen Kick für den guten Zweck auf die Beine zu stellen. Der Grund, warum sich Bernd Heid so stark für Leukämie- und Tumorpatienten einsetzt, steht gerade auf dem Sportplatz in Obereschenbach, trägt rote Stutzen, ein schwarzes Trikot und heißt Gerald Betz.

Betz erkrankte 2005 an einer schweren Form von Blutkrebs, konnte die Krankheit jedoch besiegen, weil ein geeigneter Stammzellenspender für ihn gefunden wurde. Das erste Benefizspiel fand dann 2006 in Fuchsstadt unter dem Motto "Gemeinsam gegen Leukämie. Hilfe für Gerald und Andere" statt, damals noch mit der Oldie-Truppe von Bayer 04 Leverkusen.

Betz selbst läuft dieses Jahr bereits das dritte Mal mit auf. "Das ich das noch erleben darf, ist einzigartig", freut sich der wiedergenesene Familienvater, der am Tag zuvor seinen 47. Geburtstag feierte.