Eingebettet zwischen Schulbergstraße und Kirchhofsweg liegt in Oberweißenbrunn die Langlauf-Loipe, am Abend bestens ausgeleuchtet dank der fest installierten Flutlicht-Anlage. Ein kleiner Luxus, den sich der WSV Oberweißenbrunn gerne leistet, um den Wintersport im Ort zu pflegen. Dort, wo im Sommer nur eine Wiese träge liegt und so gar nichts auf attraktiven Wintersport hindeutet. Mit ordentlichem Abfahrts-Tempo auf den dünnen Latten und kurzen, aber knackigen Anstiegen.

Mangels Schnee hatte der letzte Nachtskisprint vor drei Jahren stattgefunden. Um die Austragung wurde lange gebangt. "Einen Tag später wäre es wohl nicht mehr gegangen", sagte WSV-Vorsitzender Ewald Simon zum angekündigten Tauwetter. Am Mittwochabend hatte im höchstgelegensten Ort Unterfrankens, 620 Meter über dem Meeresspiegel, alles gepasst: Temperaturen um den Gefrierpunkt, kein Niederschlag. Und genügend Schnee, der dank Pistenraupe und vielen Helfern gezähmt wurde.

Ein Lächeln im Gesicht

"Die Sportler waren sehr zufrieden. Die sind alle mit einem Lächeln im Gesicht nach Hause gefahren", sagte Ewald Simon, der sich selbst das Langlauf-Vergnügen nicht nehmen ließ auf dem 900 Meter langen Rundkurs, der bis zu dreimal gelaufen werden musste. Im Männerlauf hatte Marcus Enders die Lichtschranke als Erster ausgelöst. "Das hat wieder mal Spaß gemacht. Ein schöner Lauf im familiären Ambiente, wo man viele gute Bekannte trifft", sagte der frühere Leistungssportler vom SV Frankenheim, der seit Weihnachten regelmäßig auf Skiern stand in den Loipen rund um das Rote Moor. "Rein hobbymäßig", wie der 30-Jährige betont. Die Form passt jedenfalls, weil der Frankenheimer im Rahmen des Silvesterlaufs der SKG Gersfeld mal so nebenbei "Verbandsmeister" im Skibezirk wurde.

Eine Nummer kleiner fiel der Erfolg von Lucas Schrenk aus. "Ich wollte schneller als mein Vater Michael sein, das habe ich knapp geschafft", grinste der 19-jährige Oberweißenbrunner im Vereinsdress der SKG Gersfeld. Zu den Lokalmatadoren gehörte auch Ricarda Eckert. "Den Nachtskissprint habe ich schon als Kind geliebt. Da musste ich einfach dabei sein, um dieses ganz spezielle Feeling mit all den Leuten aus meinem Ort zu erleben." In Würzburg studiert die Oberweißenbrunnerin Mathematik und Sport, ist als Langläuferin quasi eine Exotin am Main. Mit nachvollziehbar überschaubaren Trainings-Möglichkeiten. "Eigentlich mache ich nur hin und wieder Wettkämpfe, trainiere kaum. Und hoffe, dass mir beim ersten Anstieg nicht die Beine platzen", sagte kurz vor dem Rennen die ehemalige Bayerische Meisterin im Teamsprint. "Ich war mal ein Jahr in Indien. Aber mir gefällt es daheim, deswegen habe ich mich für eine Universität in der Nähe entschieden." Ricardas Bruder Alexander, ebenfalls erfolgreicher Wintersportler, hat es dagegen in die Ferne gezogen, studiert aktuell dank eines Stipendiums in Fairbanks im US-Bundesstaat Alaska.

Die Rhöner halten zusammen

"Das ist eine wunderschöne Veranstaltung. Mit einer Loipe im Topzustand. Für so einen Wettbewerb ist der WSV Oberweißenbrunn prädestiniert", adelte Winfried Pöpperl die erste offizielle Saisonveranstaltung auf unterfränkischem Boden. Der Vorsitzende im Skiverband Unterfranken freute sich zudem über die vielen Sportler von der SKG Gersfeld. "Die Zusammenarbeit unter den Vereinen der hessischen und bayerischen Rhön funktioniert. Wir müssen gemeinschaftlich die Region stärken, um dem Mangel an Nachwuchs entgegenzutreten", so Pöpperl, der gerne auch Thüringer Aktive begrüßt hätte, "aber denen war es wohl etwas zu weit, gerade mitten in der Woche". Tee und Glühwein machten die Kälte erträglicher. Warm hatten es zumindest die Regelhüter des Wettkampfes um Kampfrichter-Obmann Gottfried Roth, Walter Kessler (Skiverband Unterfranken) und Michael Beer (RWV Haselbach), die Quartier im Dorfgemeinschaftshaus bezogen hatten, das unmittelbar an die Loipe grenzt. Roland Hohmann (WSV Oberweißenbrunn) führte im Freien das Zieleinlauf-Protokoll, während Ewald Reulbach (WSV Oberweißenbrunn) die Besucher via Mikrofon mit Informationen versorgte.

Olympia-Teilnehmer von 1994

Zu denen gehörte mit Sergej Margackij auch der kasachische Junioren-Nationaltrainer. Der Olympia-Teilnehmer von Lillehammer (1994) lebt in Osnabrück und trainiert mit der nationalen Jung-Elite dort, wo Schnee liegt. Kein Zufall, dass der 49-Jährige in der Rhön auftauchte. "Sergej hat mich mal wieder besucht", klärt Jakob Propp auf, der in Steinach lebt, seit einigen Monaten für den WSV Oberweißenbrunn startet und erstmals am Nachtskisprint teilnahm. Der 55-Jährige ist ebenfalls Kasache, gut befreundet mit dem Nationalcoach und gehörte ebenfalls zu den besten Langläufern seines Landes. Jakob Propp und Ewald Simon sind Teil der offenen Senioren-Truppe im WSV, die regelmäßig trainiert und an Skilanglauf-Wettkämpfen teilnimmt, zum Beispiel an diesem Wochenende an den Deutschen- und Bayerischen Senioren-Meisterschaft in Garmisch-Partenkirchen. Der Wintersport in der Rhön lebt. Egal, wie hoch der Schnee liegt.