Ein Marathon schlaucht. Entsprechend geschafft wirkt Andreas Goerke. Der ist zwar keine 42,195 Kilometer gelaufen, hat aber mit anderen Zahlen zu kämpfen: beim Organisations-Marathon. Die Ziellinie ist für den Manager der Kissinger Wölfe die Eröffnung des 4. Sonnenhügel-Cups in der Kissinger Eishalle mit 14 Mannschaften (U-14). "Das wird ein Turnier der Superlative. Wir brechen alle Rekorde", sagt Goerke. Und meint das auch so, weil allein 278 Eishockey-Spieler an die Saale kommen mit 400 Begleitpersonnen, meist Eltern. "Das schafft kein Rimini-Cup", zieht der 48-Jährige einen Vergleich zum internationen U-15-Fußballturnier im benachbarten Hausen. Sogar ein spezieller Turnier-Puck wurde angefertigt.

Auch wenn bei Goerke die Fäden zusammenlaufen, ist das Turnier eine Gemeinschafts-Leistung der Kissinger Wölfe - mit vielen fleißigen Helfern. "Der Günther Matzke wohnt seit einer Woche ja fast in der Eishalle. Was der leistet, ist unbezahlbar", nennt Goerke ein Beispiel, warum das beschauliche Bad Kissingen am Wochenende in den Fokus der nationalen Eishockey-Szene rückt. Und dass Ex-Trainer Falk Ozellis zum Bierzapfen kommt, beweist ebenfalls, dass die Eishockey-Familie zusammenhält.

"Sogar der Deutsche Eishockey-Bund hat sich gemeldet und ein Kompliment ausgesprochen, was wir da auf die Beine stellen", freut sich Goerke. Und erzählt einen Atemzug später, dass eine Fruchtsaft-Firma ein längerfristiges Sponsoring in Aussicht gestellt hat und eine Kurstadt mit großem Klinikum ebenso Marketing-Chancen in Sachen Eishockey entdeckt wie ein Freizeitbad bei Fulda. "Ich erlebe einen kompletten Widerspruch. Sogar der 'Tourismusverband Bayerischer Wald' inseriert in unserem Programmheft, dagegen müssen unsere Gäste Kurtaxe bezahlen. Wir tragen den Namen Bad Kissingen nach Europa, bringen Kaufkraft in die Stadt, aber von Seiten des bayerischen Staatsbades Bad Kissingen gibt es kein Entgegenkommen für uns."

Dass Goerkes Motivation ungebrochen ist, liegt an vielen auch positiv besetzten Erlebnissen. "Eine Spende im vierstelligen Bereich haben wir von den Fantastischen Vier bekommen. Die hatte ich als eine Art Verzweiflungsakt angeschrieben, weil mein Sohn Lucas ein großer Fan ist und mich wieder einmal mit deren Musik genervt hatte", plaudert Goerke. "Außerdem finde ich deren 'Einmarsch der Gladiatoren" selber super. Das passt zum Eishockey", so der Fuldaer. "Und exakt solche Erlebnisse sind es, wo man sieht, dass sich der Aufwand lohnt."
Tatsächlich ist jeder Euro willkommen bei den Kissinger Wölfen. "Es werden nun mal Zusatzkosten fällig. Zum Beispiel mussten wir Container anmieten, damit genügend Umzieh-Möglichkeiten für die Spieler vorhanden sind." Viele interessierte Bürger in und an der Eishalle wären die größte "Belohnung" für die Kissinger Wölfe, die nicht einmal Eintritt verlangen. Und bei der Tombola mit Preisen im Wert von 40 000 Euro gewinnt jedes Los. "Wir wollen, dass sich Bad Kissingen mit diesem Turnier und mit dem Eishockey-Sport identifiziert. Ich stelle mir schon die Frage, welchen Stellenwert der Sport in der Kissinger Bevölkerung hat."

Nachhaltigkeit erhofft sich Andreas Goerke an der Saale. Und ist stolz, dass der Sonnenhügel-Cup auch den Mut für eine gesellschaftspolitische Botschaft hat. Die Veranstaltung richtet sich gegen Rassismus und Ausländerfeindlichkeit. 18 Kinder aus 18 Ländern werden ein Banner in die Halle tragen, das von allen Spielern unterschrieben wird und das danach auf Reisen durch diverse DEL-Stadien geht.

Zum Länderspiel Deutschland gegen Dänemark am 21. April in Kassel sollen abschließend die Nationalspieler ebenfalls auf dem Banner unterschreiben. Live mit dabei: der Kissinger Nachwuchs. Auch der hat am Wochenende einen Marathon zu absolvieren mit garantierten sieben Spielen an zwei Tagen. Die jungen Kufen-Cracks werden sich genauso wenig beklagen wie Goerke und Co. Die Sache ist es einfach wert.

Teilnehmer Kissinger Wölfe and friends, TPS Turku, Dukla Jihalava, Jungadler Mannheim, EHC München, Heilbronner Falken, Schwenningen Wild Wings, OSC Berlin, Schalker Haie, Pinguins Königsbrunn, EHC Wolfsburg, ESV Türkheim, ERV Schweinfurt, Salzgitter.

Zeitplan Bereits heute flutscht der Puck, wenn sich ab 16 Uhr der Nachwuchs des ERV Schweinfurt und die Finnen des TPS Turku gegenüber stehen. Am Abend findet ab 19 Uhr eine Mega-Eisdisco statt. Offizielle Turniereröffnung ist am Samstag um 8.30 Uhr mit kurzen Ansprachen sowie der von Ursula Friedrich gesungenen "Ode an die Freude." Das Premierenspiel bestreiten die Lokalmatadoren um neun Uhr gegen den OSC Berlin. Turnier-Ende ist am Sonntag am späten Nachmittag.

Rahmenprogramm Zum Drumrum des Turniers gehören eine Tombola mit 4000 Preisen, Hockeyshop, Fanartikelshop, Shaved Ice, Basar, Boxautomaten, Fußball-Bundesliga-Übertragung und fränkische Spezialitäten.