Bad Kissingen
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Sparkurs der Diözese trifft auch Kirchen im Landkreis Bad Kissingen

Die Diözese Würzburg hat zum 1. August einen Bau-Aufschub für drei Jahre verhängt. Wie es weitergeht, fragen sich auch Kirchengemeinden im Landkreis.
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Das Kirchenschiff in Großwenkheim ist gesperrt, Teile der Decke könnten herabfallen. Hier wartet man dringend auf eine Zusage der Diözese, dass die Notsicherung demnächst durchgeführt werden kann. Heike Beudert
Das Kirchenschiff in Großwenkheim ist gesperrt, Teile der Decke könnten herabfallen. Hier wartet man dringend auf eine Zusage der Diözese, dass die Notsicherung demnächst durchgeführt werden kann. Heike Beudert
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Bis zum Ende des angelaufenen Bau-Moratoriums im Jahr 2022 werden im Bistum nur noch vor dem 1. August 2019 begonnene Arbeiten fortgeführt oder Baumaßnahmen, wenn Leib und Leben gefährdet sein sollte, hieß es in einer Pressemitteilung im Juli. Hintergrund sind sinkende Kirchensteuereinnahmen. Auch im Landkreis sorgt dieser Baustopp für offene Fragen. Beispiele dafür gibt es in Münnerstadt und Großwenkheim sowie im Raum Bad Brückenau bei der Wallfahrtskirche Maria Ehrenberg. Andere geplante Sanierungen wie in Burkardroth werden erstmals ruhen.

Der 1.Bauabschnitt der Sanierung der Münnerstädter Stadtpfarrkirche kann zwar weiterlaufen, doch wie es um den geplanten 2. Bauabschnitt bestellt ist, das kann Stadtpfarrer P. Markus Reis derzeit niemand sagen. Eine Presseanfrage beim Bistum bestätigt dies: "Eine Genehmigung für den BA II erfolgte bislang nicht. Kürzlich wurde der Kirchenstiftung mitgeteilt, dass es aufgrund des Moratoriums einer konkreten Prüfung und anschließender Beratung sowie eines Beschlusses in der nächsten Sitzung der Diözesanbaukommission voraussichtlich im Herbst 2019 bedarf".

Diese Mitteilung bereitet Stadtpfarrer P. Markus Reis ziemliche Sorgen. Er befürchtet, dass sich die Sanierung zeitlich nach hinten verschiebt. Die öffentlichen Zuschüsse aber sehen vor, dass die Maßnahme bis 2022 abgeschlossen sein muss, um die volle Höhe an Zuwendungen zu erhalten. Reis fürchtet den Verlust fest einkalkulierter Zuschüsse. Schon jetzt lastet der Eigenanteil von 200 000 Euro schwer auf der Kirchengemeinde. Deshalb hat die Kirchenverwaltung einen Antrag auf eine Ausnahmeregelung gestellt.

Kommen muss nach Ansicht von P. Markus Reis der 2. Bauabschnitt ohnehin. Die Schäden seien zu groß, und die Bedeutung der Kirche mit ihren Kunstschätzen zu hoch. Seit langem hängt ein Netz im Kirchenraum, falls lockerer Putz herabfallen sollte. Nichts zu machen, könne keiner verantworten.

Kirchenschiff ist gesperrt

Das sind auch die Argumente von Burkard Ziegler. In Großwenkheim sind die Schäden so groß, dass seit rund einem Jahr keine Sonntagsgottesdienste mehr im Gotteshaus gefeiert werden. Nur werktags werden im Altarraum noch Messen gehalten. An Sonntagen weicht die Gemeinde in die Kirche am Rindhof bei Maria Bildhausen aus. Die Decke ist rissig, Teile könnten sich lösen. Die wertvollen Gemälde des Künstlers Peter Herrlein sind gefährdet.

Burkard Ziegler geht davon aus, dass Großwenkheim nicht vom Bau-Aufschub betroffen sein wird. "Wir hoffen, dass es losgeht". Er sagt, was wohl viele denken: Die Gläubigen zahlen hohe Kirchensteuern. Da wird auch erwartet, dass mit diesem Geld geholfen wird.

Drei Jahre Warten ist zu lang

Burkard Ziegler vertraut auf die Unterstützung aus Würzburg. Die Schäden müssten dringend behoben werden. Weitere drei Jahre, bis zum Ende des Moratoriums, könne man auf keinen Fall warten.

Mindestens 250 000 Euro kosten in Großwenkheim alleine die Sicherungsmaßnahmen der Decke mit Gerüstaufbau. 2018 kam von einem Vertreter des bischöflichen Bauamtes in einer Begehung mit Statikern und Restauratoren die Zusicherung: "Das Bistum wird die Gemeinde nicht im Stich lassen, denn hier handelt es sich um eine sehr hochwertige Stuckdecke mit fantastischer Ausmalung", ist auch in einem Zeitungsbericht nachzulesen. Auf diese Aussage vertraut Burkard Ziegler.

Laut Baumoratoriumsdekret und 1. Baugenehmigungsänderungsverordnung werden "Maßnahmen grundsätzlich nur dann genehmigt, wenn und soweit diese zur Abwehr von Gefahren für Leib oder Leben erforderlich sind. Darüber hinaus kann das gegebenenfalls auch erfolgen, wenn und soweit dies aufgrund von staatlichen oder behördlichen Auflagen zur Aufrechterhaltung der Betriebserlaubnis oder Nutzung zwingend geboten ist", teilt das Bistum ganz allgemein auf eine Anfrage dieser Zeitung mit. Eine vorübergehende Schließung bei entsprechender Gefährdung könne auch ohne Baumoratorium veranlasst sein, heißt es weiter.

Jubiläum steht an

Sanierungsplanungen für Kirchen gibt es auch im Markt Burkardroth, aber sie werden wohl warten müssen, da keine akute Gefährdung besteht, sagt Pfarrer Stephan Hartmann. In der Pfarrei betrifft es die Gotteshäuser in Oehrberg, Gefäll und Burkardroth. "Wir machen uns nicht verrückt", erklärt Hartmann. Man müsse abwarten. Die bereits begonnene Kirchensanierung in Waldfenster ist vom Bau-Moratorium nicht betroffen. Sie laufe wie geplant weiter, erklärt Hartmann.

Motten und Kothen seien gerade noch davon gekommen, erklärt Pfarrer Hans Thurn. Hier können die Renovierungsarbeiten laufen. Geklärt wird gerade, wie es mit der Wallfahrtskirche Maria Ehrenberg weiter gehen wird. "Da sind wir nicht sicher"; bei den anstehenden Arbeiten handle es sich nicht um Notmaßnahmen. Aber eigentlich sollte die Kirche zum 500-jährigen Wallfahrts-Jubiläum 2021 renoviert sein. Vorerst auf Eis gelegt sind angesichts des Bau-Moratoriums die Pläne für eine Innenrenovierung der Bad Brückenauer Pfarrkirche, erläutert Hans Thurn. Die Renovierung wäre zwar kein Luxus, aber momentan brauche man sich damit nicht zu beschäftigen.

Dass der Würzburger Beschluss in den Pfarreien für eine gewisse Verunsicherung, teils für Verärgerung sorgt, weiß man in Würzburg. Informationen zum Moratorium würden sehr rege abgerufen, heißt es.

Wie viele Projekte in Pfarreien des Landkreises von diesem Bau-Aufschub betroffen sind, darüber gibt es derzeit keine Aussage. Dekanatsweise verschaffe man sich in den zustänndigen Bereichen des Bistums darüber gerade einen Überblick, heißt es aus der Pressestelle.

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