Poppenroth
Reise

Spätzle aus Poppenroth in Südamerika

Klarheit über den beruflichen Werdegang verschafft sich mancher in Berufsberatungen. Magdalena Koch ging einen anderen Weg und kochte sich durch Südamerika
Artikel drucken Artikel einbetten
Magdalena Koch zerteilt einen Lama-Rücken. Sie hat zwei Jahre in Südamerika in verschiedenen Restaurants Erfahrungen in der Küche gesammelt. Im Café Kaiser findet vom 20. August bis zum 20. September ein südamerikanischer Monat statt, während dem sie südamerikanische Frühstücksteller und wöchentlich zwei wechselnde Gerichte kochen wirdMagdalena Koch
Magdalena Koch zerteilt einen Lama-Rücken. Sie hat zwei Jahre in Südamerika in verschiedenen Restaurants Erfahrungen in der Küche gesammelt. Im Café Kaiser findet vom 20. August bis zum 20. September ein südamerikanischer Monat statt, während dem sie südamerikanische Frühstücksteller und wöchentlich zwei wechselnde Gerichte kochen wirdMagdalena Koch
+1 Bild
"Eigentlich wollte ich nicht so lange wegbleiben", erzählt Magdalena Koch aus Poppenroth. Die 30-Jährige bereiste zwei Jahre den südamerikanischen Kontinent. 2016 ging es nach einem halben Jahr voller Vorbereitungen endlich los. "Ich war vorher mit meinem Vater schon mehrmals in Südamerika, deshalb war mir klar, was in meinen Rucksack kommt und was nicht."


Kein Familienurlaub

Dieses Mal sollte es jedoch anders sein: "Ich wollte unabhängig reisen." Der Grund für die Reise betraf neben der Neugierde auf Land und Leute auch die zukünftige Karriere der jungen Frau. "Ich bin gelernte Köchin und habe in München meinen Master abgeschlossen. Ich stand am Scheideweg, an dem ich überlegt habe, ob ich lieber koche oder als Berufsschullehrer mein Wissen weitergebe", blickt sie zurück.


Planänderung

Um das herausfinden zu können, stellte sie sich eine Aufgabe: Für jedes Land zwei Wochen Urlaub und eine Woche Arbeit. "Dass mein Plan nicht aufging, habe ich gleich im ersten Land, Argentinien, gemerkt", schwelgt sie in Erinnerungen. "Ich habe zehn Bewerbungen in Buenos Aires abgeschickt. Von neun Restaurants kam nicht mal eine Rückmeldung, eine Bewerbung wurde angeblich weitergeleitet." Unterkriegen lassen hat sich die Rhönerin dadurch jedoch nicht. "Relativ schnell habe ich auf meiner Reise gemerkt, dass man für einen Job in der Küche immer mit einem Verantwortlichen reden muss. Gibt man die Bewerbung einem Kellner, kommt die nie da an, wo sie hin soll", erklärt sie ihren Trick 17 für die Jobsuche in Südamerika. "Die Leute haben da ein gutes Sprichwort dafür: Que las cosas fluyen - also: Lass die Dinge fließen. "

Dass am Sprichwort etwas dran ist, zeigte sich schnell: "Im Endeffekt musste ich mich ab einem gewissen Zeitpunkt um wenig kümmern, ich wurde viel mehr einfach weitervermittelt." Die Flexibilität spielte für sie eine große Rolle: "In Peru hat mein Visum noch exakt einen Monat gegolten - am Wochenende habe ich mit dem Restaurantleiter gesprochen, nach ein paar Minuten stand fest: Magdalena, du fängst am Montag an." Orientiert hat Koch sich bei der Wahl der Arbeitsplätze an Bestenlisten: In Lateinamerika finden sich aktuell sieben der 50 besten Restaurants weltweit. "Der Rest entfällt fast nur auf die USA, Japan und Europa", informiert die gelernte Köchin.


Peruanisch und Japanisch

Einer ihrer Arbeitsplätze war das "Maido" in Lima. Das "Maido" rangierte im Restaurantranking auf Platz sieben der weltbesten Restaurants. "Das war japanisch-peruanische Fusionsküche, da gibt es viele Ähnlichkeiten", erklärt die Köchin. "Ceviche ist ein peruanisches Gericht mit rohem Fisch, in Japan hat man Sushi", benennt sie eine Gemeinsamkeit. Auch die häufige Verwendung von Reis ist in beiden Küchen üblich.


Andere Standards

Häufig musste Koch jedoch die Erfahrung machen, dass die Prämierung "bestes Restaurant" nicht unbedingt für das beste Equipment und Arbeitsumfeld stand. "Meistens war alles sehr spartanisch: Einen Induktionsherd hatte ich auf meiner Reise nur einmal zu Gesicht bekommen. In Südamerika kocht man vorwiegend mit Gas. Die Küche war einmal nur mit einem Laken abgetrennt", blickt sie zurück. Aufgrund der offenen Flamme sei man schnell ins Schwitzen gekommen. Allerdings sei dies nicht ausschlaggebend für die Qualität des Essens. Viele würden die Bilder nur aus dem Fernsehen kennen, um dann die Hände über dem Kopf zusammen zu schlagen. "Während meiner gesamten Zeit in Südamerika, lag ich allerdings nur zwei Mal mit Magen-Darm flach und das hatte nichts mit den Restaurants zu tun."

"Maden oder Würmer isst man entgegen dem Vorurteil eigentlich nicht ständig. Die südamerikanische Küche besticht durch fünf Zutaten: Kartoffeln, Maniok, Reis, Mais und Kochbananen." Großer Beliebtheit erfreut sich auch die Fritteuse. "Ich habe couchgesurft und ab und an für die Gastgeber mal deutsch gekocht, zum Beispiel Klöße oder Spätzle. Als ich die aus dem Topf geholt habe, hat mich meine Gastfamilie gefragt, ob ich die jetzt noch frittiere." Ungläubige Blicke waren der 30-Jährigen sicher, als sie die Frage verneinte. "Die waren direkt fassungslos als ich gesagt habe, dass wir in Deutschland nicht alles frittieren", erinnert sie sich.

Ein weiterer großer kulinarischer Unterschied sei der Fleischkonsum: "Für viele Südamerikaner ist Fleisch fast schon ein Statussymbol, während man das bei uns wirklich hinterher geworfen bekommt." Anders ist auch die Versorgung mit Lebensmitteln: "Du kannst nicht einfach in einen Supermarkt gehen und alles kaufen", betont sie. Vieles spiele sich auf den Märkten ab: "Das beste an den Märkten ist, dass sie so gut wie plastikfrei sind. Außerdem bekommt man dort den größten Teil an frischen Lebensmitteln."

Mit dem Ende der Reise im Mai 2018 war für sie klar, dass bei ihr zukünftig das Kochen im Vordergrund stehen soll. "Ich habe immerhin vier Rezeptbücher mitgebracht", sagt sie. Kochen wird sie aus dem reichen kulinarischen Fundus auch für die Öffentlichkeit: "Im Café Kaiser findet vom 20. August bis zum 16. September ein südamerikanischer Monat statt, während dem ich südamerikanische Frühstücksteller und wöchentlich zwei wechselnde Gerichte kochen werde."

Infobox:

Ihre Abenteuer und Erlebnisse schildert sie in ihren beidenReiseblogs, außerdem wurde der Verband der Köche Deutschlands auf ihre Reise aufmerksam und Magdalena Koch verfasste eineArtikelreihe über die Reise. Über ihre Erlebnisse referiert die 30-Jährige am 10. September um 20 Uhr im Kurgartencafé.


was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren