Bad Kissingen
Menschenhandel

Solwodi in Bad Kissingen ist für Frauen oft die einzige Hoffnung

Die Leiterin der Beratungsstelle in Bad Kissingen, Renate Hofmann, fordert, dass Prostitution abgeschafft wird. MDL Kerstin Celina informierte sich.
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Kerstin Celina (3. von links, vorne)  und Monika Horcher (2. von links) informierten sich bei (von links) Renate Hofmann,  Schwester Daniela Kubiak, Veronika Richler, und Galina Esin über die Arbeit von Solwodi. Gerhard Kraft
Kerstin Celina (3. von links, vorne) und Monika Horcher (2. von links) informierten sich bei (von links) Renate Hofmann, Schwester Daniela Kubiak, Veronika Richler, und Galina Esin über die Arbeit von Solwodi. Gerhard Kraft
"Solwodi leistet seit Jahrzehnten wertvolle Hilfe für junge Frauen, die aus der Zwangs-Prostitution aussteigen und neu anfangen möchten", lobte Landtagsabgeordnete Kerstin Celina, sozialpolitische Sprecherin der Grünen Landtagsfraktion, die jahrzehntelange Arbeit von Solwodi. Unabhängig davon, ob die Frauen und Mädchen aus scheinbaren Liebesbeziehungen mit Zuhältern heraus "anschaffen" gehen, oder ob sie aus Armut oder aufgrund von körperlicher oder psychischer Gewalt zur Prostituierten wurden, die Hilfe, die Solwodi bietet, gilt für alle Frauen.

Solwodi steht für "Solidarität für Frauen in Not". Die Organisation arbeitet unabhängig und überkonfessionell für die Rechte von Migrantinnen, die in Deutschland in Not geraten sind, seien es Opfer von Menschenhandel, Ausbeutung, Gewalt oder Zwangsheirat. Zu den Arbeitsschwerpunkten gehören psychosoziale Betreuung, Vermittlung juristischer Hilfe, Unterbringung und Betreuung in Schutzwohnungen, Integrationshilfen und gegebenenfalls auch Rückkehr-Beratung. "Wir sind eine von nur fünf Fachberatungsstellen in Bayern, dementsprechend groß ist die Region, aus der heraus die Frauen sich an uns wenden", erläutert die Leiterin der Beratungsstelle in Bad Kissingen, Renate Hofmann. "Das vor einem halben Jahr in Kraft getretene Prostituiertenschutzgesetz (ProstSchG) kann die Lage der Prostituierten nicht verbessern, sinnvoll wäre ein klares Verbot der Prostitution", fordert sie.


Mit dem Prostituiertenschutzgesetz soll Prostitution aus dem Dunkelfeld herausgeholt werden: Mit der Anmeldepflicht für Prostituierte, der Erlaubnispflicht für Betriebe im "Rotlichtmilieu", der vorgeschrieben Gesundheitsberatung und Kondompflicht werden Verbesserungen angestrebt. "Aber ich befürchte, dass überall da, wo junge Frauen unter Druck gesetzt werden, ihren Körper für Geld zu verkaufen, gesetzliche Regelungen gar nicht erst ankommen", kommentiert Celina das relativ neue Gesetz.

Celina kennt die Organisation schon aus Studienzeiten und verfolgt deren Tätigkeit. Immer wieder seien es Frauen aus dem Ausland, aus extremer Armut, ohne Perspektive, die zum "Anschaffen" gezwungen werden. Oft können sie weder die deutsche Sprache, noch kennen sie wirklich die Strukturen vor Ort. "Wir können von Glück sagen, dass Solwodi inzwischen so bekannt ist, dass Frauen, die Hilfe brauchen, hier quasi rund um die Uhr Hilfe finden", pflichteten ihr Monika Horcher, stellvertretende Landrätin und Mitglied im Kreistag Bad Kissingen, und Antje Kopp, Gemeinderätin aus Bad Bocklet bei.

Die meisten der Zwangsprostituierten seien Frauen zwischen 18 und 21 Jahren. Sie kommen aus Europa und scheinen zunächst legal in Deutschland zu sein, da sie schließlich einen europäischen Pass haben. "Aber von Freiwilligkeit kann meistens keine Rede sein", betonte Renate Hofmann von Solwodi. "Die Frauen wissen nicht, welche 'Arbeit' sie hier tun sollen, die Abgrenzung von Zwangsprostitution und freiwilliger Prostitution ist faktisch nicht möglich." Die Mehrheit der Frauen sei vor allem psychisch abhängig und manipuliert. "Aber im Anmeldegespräch bei den Behörden wird das nicht unbedingt sichtbar", kritisiert Hofmann. "Ein offenes Gespräch bei der zuständigen Behörde ist faktisch kaum machbar, denn oft stehen die Frauen unter Druck von ihrem 'Loverboy'."

"Ohne Hilfsangebote, wie sie Solwodi seit über zwanzig Jahren bietet, könnten Frauen faktisch kaum aus der Prostitution aussteigen", fasste MdL Celina ihren Eindruck am Ende zusammen. Solwodi leiste außerordentlich wertvolle und gute Arbeit und verdiene deshalb nicht nur Anerkennung, sondern auch eine langfristige Finanzierung ihrer Tätigkeit.
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