Bad Kissingen
Schule

So wird man "Lesemillionär"

"Krokofil"-Autor Armin Pongs kam in die Sinnberg-Grundschule und begeisterte die Kinder mit seinem Vortrag. "Weniger Computer, weniger Fernsehen, mehr Lesen", empfahl Pongs den Schülern.
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Mit vollem Körpereinsatz las "Krokofil"-Autor Armin Pongs (51) aus einem seiner Kinderbücher.
Mit vollem Körpereinsatz las "Krokofil"-Autor Armin Pongs (51) aus einem seiner Kinderbücher.
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Es schien, spannende Unterhaltung zu sein, und war doch eine pädagogisch wertvolle Unterrichtsstunde in der Sinnberg-Grundschule: Schon zum dritten Mal war der am Chiemsee lebende Kinderbuch-Autor Armin Pongs (51) nach Bad Kissingen gekommen, um aus seinen "Krokofil"-Büchern vorzulesen und mit den Kindern zu singen.

"Mir hat gefallen, dass man sich die Geschichte im Kopf richtig vorstellen konnte", fasste Andreea Rusnaciuc (9) nach der Veranstaltung für die Drittklässler ihren Eindruck zusammen. Genau dies will der Psychologe und Soziologe, der seit elf Jahren neben einigen Fachbüchern vor allem zahlreiche Kinderbücher um das grüne Krokodil namens "Krokofil" veröffentlicht hat, mit seinen Lesungen in Schulen erreichen. "Geld kann man ausgeben, es kann verloren gehen oder es kann einem sogar gestohlen werden", gab er den Kindern zu bedenken. Aber wer viel liest, wird reich an Bildern im Kopf, denn "Wer immer fleißig schmökert, wird irgendwie und irgendwann Lesemillionär" sang er mit ihnen gemeinsam.

Aber Bilder im Kopf entstehen nur durch Lesen, nicht durch Film oder Fernsehen, betonte der Kinderbuch-Autor. Deshalb habe einst auch Michael Ende es bedauert, die Filmrechte für seinen Weltbestseller "Die unendliche Geschichte" verkauft zu haben. "Weniger Computer, weniger Fernsehen, mehr Lesen", empfahl Pongs deshalb den Grundschülern mehrmals. "Als Psychologe habe ich viele Kinder getroffen, die durch Computerspiele krank geworden sind." Gerade jetzt zu Weihnachten sollten Kinder sich nicht neue Computerspiele, sondern Bücher und "viel Zeit zum Lesen" wünschen. "Ich lese täglich vier Stunden und vier Stunden schreibe ich", verriet er aus eigenem Alltag, sofern er nicht in Schulen oder Bibliotheken zu Lesungen unterwegs ist. Kinder sollten wenigstens zehn Minuten am Tag lesen, also genau so lange wie die jeweils sechsseitigen Geschichten aus seinen "Krokofil"-Büchern, aus deren erstem Band "Der Traumländer" er diesmal das auf der Ostsee-Insel Rügen spielende Kapitel "Die Flaschenpost" vorlas".

Den jahrelangen Umgang mit Grundschülern gewöhnt, verstand es Pongs in seiner zielgerichteten Moderation ausgezeichnet, die Kinder durch Fragerunden aktiv einzubinden, sie zur Aufmerksamkeit anzuhalten und zum Nachdenken anzuregen. Gespannt lauschten alle dann seiner Geschichte, zumal die erste seiner drei den Zuhörern schon bekannten Regeln lautet: "Alle Kinder müssen leise sein und gut zuhören."

Laut und deutlich

Doch seine zweite Regel "Ich muss laut und deutlich lesen" hielt der Autor leider selbst nicht ein. "Manchmal war er viel zu leise", bemängelte prompt Luca Urban (8) nach Abschluss der Lesung im Gespräch mit dieser Zeitung. Er hatte Pongs zum ersten Mal erlebt und kennt noch keines seiner Bücher. An der vorgelesenen Geschichte gefiel ihm vor allem, dass sie "die Wirklichkeit mit Phantasie verbindet". Diese Mischung aus Realität und Fiktion fand auch Anja Groß (8) sehr gut, die schon Bücher von Armin Pongs gelesen hat. Zum Glück hielt Pongs aber seine dritte Regel ein: Sollte er sich einmal versprechen und statt "Krokofil" doch "Krokodil" sagen, müsse er zehn Liegestütze machen. Es kam, wie es kommen musste: Am Schluss verhaspelte sich der Vorleser tatsächlich und machte vor den Augen der Drittklässler, unterstützt von einigen Jungs und Mädchen, die versprochenen Liegestütze. "Denn Versprechen muss man halten."

Nicht nur manches über die Insel Rügen, über Träume, die wahr werden können, oder über die Notwendigkeit des Lesens lernten die Schüler an diesem Vormittag, sondern sogar wie Bücher hergestellt werden - vom Schreiben des Autors bis zur Korrektur durch den Verlagslektor, vom Druck eines Buches ("64 Buchseiten passen auf einen Druckbogen") bis zur Arbeit des Buchbinders.

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