Bad Brückenau
Wahl daheim

So viele Briefwähler wie nie in Bad Brückenau

Noch nie gab es so viele Briefwähler wie bei den beiden bevorstehenden Wahlen. Immer mehr Bürger wollen die Unterlagen in Ruhe daheim ausfüllen.
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Bruno und Rita Vogler (von links) haben gestern ihre Wahlunterlagen bei Winfried Rost in der Verwaltungsgemeinschaft Bad Brückenau abgeholt.
Bruno und Rita Vogler (von links) haben gestern ihre Wahlunterlagen bei Winfried Rost in der Verwaltungsgemeinschaft Bad Brückenau abgeholt.
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Fast jeder vierte Bad Brückenauer und sogar schon mehr als jeder dritte Riedenberger haben bereits gewählt. "Wir hatten noch nie einen so großen Ansturm auf die Briefwahl", berichtet Hans Bauer, der Leiter des Bad Brückenauer Standesamtes. Aus der Stadt Bischofsheim kam sogar schon eine Anfrage, ob Bauer mit Briefwahl-Umschlägen aushelfen könne.
Allerdings musste er passen: "Wir haben zwar noch welche, aber eben auch nur noch eine beschränkte Anzahl."

Bei der Verwaltungsgemeinschaft (VG) Bad Brückenau wurden die Bischofsheimer schließlich fündig, obwohl auch dort heuer so viele Briefwähler wie noch nie verzeichnet wurden. "Es spricht sich scheinbar rum, dass es gerade jetzt am Sonntag so viele Wahlzettel sind", vermutet VG-Mitarbeiter Winfried Rost als Hauptgrund. Und: "Heuer müssen die Wähler erstmals keine Begründung mehr für den Antrag auf Briefwahl abgeben." Zwar seien die Gründe früher auch nie kontrolliert worden, aber trotzdem scheuten sich wohl viele Wähler, per Brief zu wählen, obwohl sie am Wahltag daheim sind.

Druck in der Wahlkabine

"Wir haben erst einmal per Brief gewählt", berichtet Rita Vogler aus Oberleichtersbach, die mit ihrem Mann Bruno am Mittwoch die Unterlagen bei der VG abholte. Damals waren sie auch wirklich unterwegs. Heuer haben sie sich nun zum ersten Mal entschieden, in Ruhe daheim zu wählen. "Wenn man in die Wahlkabine reingeht und es stehen so viele hinter einem, dann steht man einfach unter Druck", begründet Bruno Vogler den Schritt.

Die Voglers waren ziemlich überrascht, als ihnen Winfried Rost die ganzen Unterlagen erläuterte. Besonders bei den riesigen Zetteln für Landtags- und Bezirkstagswahl wollen sie sich Zeit nehmen: "Wir diskutieren da auch drüber", beschreibt Rita Vogler, wie die Briefwahl im Hause Vogler abläuft. Aber: "Wir können auch unterschiedlicher Meinung sein", verweist sie darauf, dass deshalb nicht am Ende beide unbedingt die Kreuzchen an der gleichen Stelle machen.

Zum ersten Mal hat am Mittwoch die Bad Brückenauerin Birgit Schmäling ihre Briefwahl-Unterlagen abgeholt. "Bisher bin ich immer ins Wahllokal gegangen", sagt sie. Die 29-Jährige ist sich sicher, dass sich auch an den beiden Sonntagen auf den Zetteln zurecht gefunden hätte, aber sie muss an beiden Tagen in der Gastronomie arbeiten.

Infos aus Zeitung und Internet

Fast zeitgleich haben Christl Schaupp (59) und ihre Tochter Ulrike (24) ihre Wahlunterlagen abgeholt. Ulrike will in wenigen Tagen an den Chiemsee in Urlaub fahren, ihre Mutter muss am Sonntag arbeiten. Zwar hätte sie vielleicht trotzdem Zeit zum Wählen, aber: Durch die Saale-Zeitung sei ihr in den vergangenen Tagen immer mehr bewusst geworden, dass es ein richtiger Wahl-Marathon wird: Bezirkstag, Landtag und fünf Volksentscheide: "Das will ich mir jetzt erst einmal ganz genau durchlesen."

Bei Fragen schaut Christl Schaupp vielleicht auch noch einmal auf infranken.de: "Da fühle ich mich gut informiert", berichtet die 59-Jährige. Weil es nach den fünf Wahlzetteln an diesem Sonntag eine Woche drauf nur einen einzigen gibt, gehören die Schaupps zu den wenigen, die nur für die Landtagswahl die Briefwahl beantragt haben. Am 22. September dagegen gehen sie ins Wahllokal. Anders dagegen die Voglers: "Wir machen alles in einem Aufwasch", haben sie gleich die Bundestagswahl-Unterlagen mitgenommen.

Auch wenn die Stadt Bad Brückenau noch genügend Umschläge für die Briefwahl hat, benötigte aber auch sie Amtshilfe - und zwar aus Hessen: "Wir haben uns wegen der großen Wahlzettel Wahlurnen bei der Gemeinde Sinntal ausgeliehen", berichtet Bauer. Kommende Woche müssten die schleunigst zurückgegeben werden, weil dann in Hessen Bundes- und Landtagswahlen sind.

Zudem wurden heuer die Wahlvorstände in allen Wahllokalen von neun auf elf Personen aufgestockt. Macht inklusive der beiden Briefwahl-Bezirke 131 Wahlhelfer. Leider gehe die Bereitschaft zu dem Ehrenamt immer mehr zurück: "Wir hatten noch nie so große Probleme, genügend Leute beizubringen." Deshalb, aber auch wegen des Booms bei der Briefwahl könnte sich Bauer vorstellen, dass irgendwann sogar Wahllokale zusammengefasst werden könnten.

Stadt In Bad Brückenau haben bis Mittwoch 1215 von 5144 Wahlberechtigte (23,6 Prozent) bei der Landtagswahl und 1122 von 5158 Wahlberechtigten (21,8 Prozent) bei der Bundestagswahl ihre Stimme abgegeben. Die Differenz bei den Wahlberechtigten ergibt sich vor allem daraus, dass in den letzten drei Monaten vor der Wahl jemand aus einem anderen Bundesland in eine Kommune zieht: Er darf dann den Bundes-, aber nicht den Landtag mitwählen.

VG In der Verwaltungsgemeinschaft liegt die Briefwahlquote aktuell bei 24,3 Prozent bei den Landtagswahlen: In Geroda haben 131 von 744 Wahlberechtigten (17,6 Prozent) gewählt, in Oberleichtersbach 338 von 1635 (20,6 Prozent), in Riedenberg 280 von 797 (35,1 Prozent) und in Schondra 344 von 1325 (26,0 Prozent). Die Zahlen für die Bundestagswahlen liegen jeweils leicht darunter.

Unterlagen Briefwahlunterlagen können für die Landtags- und Bezirkstagswahl bis Freitag, 13. September, 15 Uhr und für die Bundestagswahl bis Freitag, 20. September, 18 Uhr beantragt werden, mit ärztlicher Bescheinigung sogar am Wahltag bis 15 Uhr in den Wahlämtern (nicht Wahllokalen). Die ausgefüllten Unterlagen müssen so abgeschickt werden, dass sie bis spätestens 18 Uhr am Wahlsonntag bei der Kommune eintreffen, für die Bundestagswahl gibt es dafür sogar einen Sonderzustell-Dienst der Post. Weil die Stadt kein Postfach mehr hat, können die Unterlagen nicht mehr am Samstag bei der Post abgegeben werden, wie es bei früheren Wahlen noch möglich war.

Formalien Der Antrag kann auch per Fax oder E-Mail gestellt werden, aber nicht telefonisch. Die Wähler müssen die ausgefüllten Stimmzettel in die jeweiligen Umschläge stecken und zukleben. Danach werden die "Versicherung an Eides statt zur Briefwahl" sowie die Stimmzettelumschläge in den Wahlbriefumschlag gesteckt. Bei der Briefwahl ist der Wähler dafür verantwortlich, dass der Brief rechtzeitig ankommt.

Trend Laut der Nachrichtenagentur dpa hat sich in vielen bayerischen Kommunen die Zahl der Briefwähler in diesem Jahr verdoppelt. Die Landeshauptstadt München und viele andere Kommunen mussten sogar Unterlagen nachdrucken.

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