Bad Kissingen
Aschermittwoch

So kämpfen Karnevalsvereine mit dem kurzen Fasching

Am 10. Februar ist heuer bereits alles vorbei. Was Faschingsmuffel jauchzen lässt, stürzt Karnevalsvereine in Organisationsnot. Termine überschneiden sich, Veranstaltungen fallen aus. Vom Glück und Unglück der Jecken.
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Foto: Grafik/Oksana Gepting
Foto: Grafik/Oksana Gepting
Wenn Hans Kaiser, aus dem Vorstandsteam der Faschingsfreunde Aura e. V., nicht weiß, auf welches Datum im kommenden Jahr der Aschermittwoch fällt, dann ist das ein gutes Zeichen. Denn das bedeutet, das die Faschingszeit in jedem Fall wieder länger sein wird. Hans Kaiser merkt sich nur die kurzen Sessionen - sozusagen den natürlichen Feind aller Karnevalisten. Dass heuer der Aschermittwoch auf den 10. Februar fällt, hätte er schon vor Jahren sagen können.

Es hätte aber, das ist die gute Nachricht sowohl für Faschingsmuffel als auch für Faschingsfreunde, noch schlimmer kommen können: Das Datum des Aschermittwochs richtet sich nach dem Osterfest - theoretisch ist so eine Spanne in der Faschingszeit von rund fünf Wochen möglich. Der frühestmögliche Aschermittwoch ist am 4. Februar, der späteste am 10. März.

Eine kürzere Session heißt für Hans Kaiser nun vor allem mehr Stress. Die Faschingswagen haben sie heuer Mitte November begonnen zu gestalten, zwei Wochen früher als sonst. Die Sitzungstermine sind geballter, die Vorbereitungen für die Prunksitzungen haben früher begonnen. Als Kaiser die ersten Teilnehmer damals noch vor Weihnachten angesprochen habe, hätte der ein oder andere doch ein wenig gestutzt.

Es gibt genau zwei Dinge, die Matthias Grief von der Bad Brückenauer Karnevalsgesellschaft 1954, an der kurzen Session stören. Da sich viele Termine überlagern, können sie, so sagt es Grief, ihren Verpflichtungen anderen Vereinen gegenüber zum Teil nicht nachkommen. Unter anderem können sie heuer einen befreundeten Verein in Fulda nicht auf der Prunksitzung besuchen. Das ist der eine Punkt. Der andere betrifft die Jugend, genauer die Tanzgruppen. Für sie bedeutet eine kurze Faschingszeit schlicht weniger Auftritte. Ein Jahr wird geprobt, die Kostüme werden genäht - "Das ist dann natürlich schade", sagt Grief.


Der Stress mit dem Spaß

Unter anderem wegen des engen Terminplans - es wäre nur ein Termin in Frage gekommen, an dem auch der Großteil der befreundeten Verein hätte kommen können und an dem war die einzige Halle in Bad Brückenau bereits belegt - musste heuer die Tanz- und Shownacht ausfallen.

Ansonsten ist eben alles auch in Bad Brückenau ein bisschen stressiger. Um alle Altenheime, Krankenhäuser und Kindergärten in der Faschingszeit unterzubringen, haben sie zum Teil bis zu drei Auftritte am Tag. Da müssen dann vor allem die Eltern der Kinder einsatzbereit sein - die Fahrten zwischen den Terminen, sagt Grief, sind mitunter der größte Zeitaufwand.

Für einen eingefleischten Karnevalisten, sagt Grief, hat eine kurze Session nur Nachteile. Eine lange Faschingszeit schlauche zwar, aber andererseits, was wäre man wohl für ein Narr, wenn einem genau das nicht auch Spaß machte. Allein die Zeit entscheidet, ob der Fasching eher zum Sitzungsmarathon wird oder schon zum Konfettikoma reicht.

Das inoffizielle Motto dieser Session lautet derweil: "Quickie-Fasching". Auf einer der Sitzungen sei einmal der Begriff gefallen, seitdem werde er beibehalten, sagt Julia Keidel, Vorsitzende der Hammelburger Karnevalsgesellschaft (Ha-Ka-Ge).

Da auch in Hammelburg die Zeit nicht langsamer geht, sind die Probleme im Grunde die gleichen wie bei den anderen Vereinen: Die Auftritte sind nicht weniger, nur eben geballter, Termine können teilweise nicht wahrgenommen werden: So fiel heuer die Prunksitzung in Gauaschach auf den selben Tag wie der Rathaussturm. "Man hat das Gefühl, dass alles so schnell kommt", sagt Keidel. Ein Beispiel: die Prunksitzung. Traditionell findet diese am Faschinsgssamstag statt, der war im vergangenen Jahr am 14. Februar, heuer ist es der 6. Februar.

Obwohl im vergangenen Jahr noch das Jubiläum des Vereins gefeiert wurde, komme ihr heuer alles nochmal eine Spur hektischer vor, einerseits. Andererseits, Stress habe man auch dann, wenn der Fasching länger sei. Und dann kann sie, zumindest aus Sicht des Organisationskomitees, der kurzen Session doch noch einen Vorteil abgewinnen: der Stress ist schneller vorbei. "Kurz aber heftig", so sei es eben heuer.Pragmatismus unter der Prunkmütze also.

Auch in Garitz. Benedikt Rüth von der BTC Gartizer Faschingsgesellschaft sagt: "Der ganz normale Wahnsinn, alles läuft wie immer", und: "Bei uns ist sicherlich alles etwas entspannter." In Garitz gibt es keinen Umzug, lediglich zwei Sitzungen. "So ist es eben", sagt er. "Mal ist der Fasching länger, mal kürzer."
Im kommenden Jahr wird der Aschermittwoch wieder später sein, am 1. März. Als Hans Kaiser von den Faschingsfreunden Aura e.V. das erfährt, sagt er: "Ein wunderschönes Datum."

Von Aschermittwoch bis Wirtschaft: Sechs Fakten über Fasching

Aschermittwoch Auf dem Konzil von Nicäa (325 n. Chr.) wurde das Osterdatum auf den ersten Sonntag nach dem Frühlingsvollmond festgelegt. Um 600 legte Papst Gregor der Große dann eine 40-tägige Fastenzeit vor Ostern fest - die Zeit, die Jesus in der Wüste verbracht hat. Danach begann die Fastenzeit am Dienstag nach dem 6. Sonntag vor Ostern. Auf der Synode von Benevent (1091 n. Chr.) wurden die sechs Sonntage vor Ostern vom Fasten ausgenommen. Um dennoch eine 40-tägige Fastenzeit zu erhalten, rückte der Beginn der Fastenzeit um sechs Tage nach vorne auf den heutigen Aschermittwoch, den Mittwoch nach dem 7. Sonntag vor Ostern. Danach ist der Aschermittwoch am 46. Tag vor dem Ostersonntag. Der frühestmögliche Aschermittwochstermin ist der 4. Februar, der spätestmögliche ist der 10. März.

Fasching und Karneval Etymologisch leitet sich das Wort Fasching, Vaschang vom "Fastenschank" ab, dem letzten Ausschank vor der Fastenzeit. Eine Interpretation des Wortes Karneval ist die Übersetzung aus dem Lateinischen: "Carne vale", also "Fleisch - lebe wohl".

Regionale Unterschiede Der Begriff Fasching wird vor allem in Bayern und Sachsen gebraucht. In Hessen und Rheinhessen heißt es Fas(s)enacht, in Franken Fasenacht, in der Schweiz und in Teilen Badens Fasnacht, in Baden, Württemberg und Bayerisch-Schwaben Fasnet.

Tanz Karnevalsgarden entstanden ursprünglich als Persiflage auf das Militär in den 1820ern.

Gewand Das beliebteste Faschingskostüm ist seit Jahren der Pirat - etabliert durch Jack Sparrow, gespielt von Johnny Depp, in Fluch der Karibik.

Wirtschaft Die Deutschen geben im Jahr 300 Millionen Euro für Kostüme aus.




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