Die Ferne lockt. Im Rahmen des Programms "weltwärts" arbeiten 15 junge Menschen aus der Diözese Würzburg ein Jahr lang in Entwicklungs- und Schwellenländern. Melissa Beck (Oerlenbach) hat sich für Kolumbien entschieden, Felix Derleth (Bad Kissingen) für Brasilien. Wenige Wochen nach ihrem Abitur soll es los gehen. Die 18-Jährigen stürzen sich aber nicht blind in ein Abenteuer. Sie wissen ganz genau, worauf sie sich einlassen.
Sie fühlen sich gut informiert, wurden auf ihre Arbeit in sozialen und ökologischen Projekten auf ihren Einsatz vorbereitet. Und Angst haben beide nicht.
Regina Roland ist beim Bund der deutschen katholischen Jugend (BDKJ) in der Diözese Referentin für den Weltfreiwilligendienst. Nach ihren Angaben wurden 2009 die ersten Freiwilligen nach Indien und Tansania entsandt. Seither seien eine Reihe von Ländern dazu gekommen. Man habe gute Erfahrungen gemacht. Dabei weiß Regina Roland, dass es durchaus Schwierigkeiten geben kann. Die jungen Menschen erwarte eine große Umstellung, ein Leben in einer fremden Kultur in einem anderen Land. Da sei das "Hotel Mama" weit weg. Auch ein doppelter Kulturschock sei denkbar: Beim Eingewöhnen im neuen Land mit seinem niedrigen Lebensstandard, wo alles nach anderen Regeln verlaufe, aber auch bei der Rückkehr in die Heimat mit ihrem Luxus. Das sei eine Herausforderung.
Melissa Beck und Felix Derleth werden sie annehmen. Sie wurden von ihrem Lehrer Gerhard Suttner auf "weltwärts" aufmerksam gemacht. Melissa Beck will sich engagieren, um anderen Menschen zu helfen. Das stehe im Vordergrund. Auch wolle sie ihre Spanischkenntnisse - deswegen nach Kolumbien, das sie interessant findet - verbessern, wolle andere Kulturen kennen lernen. Schließlich will sie eine Art Auszeit von der Schule nehmen, ihren Horizont erweitern und "schätzen lernen, wie gut es uns doch geht".
Die Motive von Felix Derleth sind ähnlich. Er weiß noch nicht so recht, was er nach der Schule machen soll und hat sich, obwohl er kein Portugiesisch spricht, für Brasilien entschieden.
Ihnen ist klar, dass sie auf manches verzichten, dass sie mit Stromausfall und anderen Unannehmlichkeiten rechnen müssen. "Damit muss man auskommen", sagt Melissa Beck.
Sie und ihre Kollegin Sabine Heckelmann (Kitzingen), mit der sie gemeinsam untergebracht wird, werde vermutlich ab September in einem Flüchtlings-Camp in einem Vorort von Bogota eingesetzt. Sie wird dort in einem Armenviertel in einer Schule unterrichten und in einem Kindergarten mitarbeiten.
In Juruti Vehlo, einem 3000-Einwohner-Ort an einem Seitenarm des Amazonas im Westen des Bundesstaats Pará, werden ein Jahr lang Felix Derleth und Hannah Nagl (Gaukönigshofen) leben. Dorthin gelangt man per Boot. Bis zum nächsten Airport ist es eine Tagesreise. Ihr Aufgabenbereich: Sie sollen für die Jugend eine sinnvolle Freizeitgestaltung organisieren. Auch Englisch-, Sport- und Klavierunterricht ist vorgesehen.
Während Melissa Beck relativ leicht Kontakt per Mail oder Telefon - "der Vorteil einer Großstadt" - zu ihrer Familie halten kann, gestaltet sich die Lage bei Felix Derleth in seinem Dschungel-Dorf schwieriger. Dennoch unterstützen sie ihre Partner und die Familien voll. Das gibt s beiden Kraft, auch wenn ihre Muttis die lange Abwesenheit schon jetzt bedauern. Immerhin sind Besuche durchaus geplant.
Beide haben keine Angst vor der Aufgabe. Sie haben Kontakt mit "weltwärts"-Teilnehmern vor Ort und wissen recht genau was auf sie zukommt. Aber ein wenig aufgeregt sind sie schon.
Die beiden sind gehalten, einen Teil der Kosten - maximal 1800 Euro - über Spenden aufzubringen (BDKJ-Diözesanverband Würzburg, Konto 300 45 03 bei der LIGA-Bank in Würzburg (BLZ: 750 903 00; "Weltfreiwilligendienst", Name des/der Freiwilligen).
"Weltwärts" ist der Weltfreiwilligendienst des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit (BMZ). Es gibt ihn seit 2008. Pro Jahr sollen sich 1000 junge Menschen freiwillig an entwicklungspolitischen Projekten beteiligen. Das BMZ stellt 70 Millionen Euro an Fördermitteln bereit. Voraussetzungen Interessenten sollten 18 bis 28 Jahre alt und gesund sein. Sie müssen sich sechs bis 24 Monate engagieren, werden gezielt vorbereitet, auch vor Ort betreut und erhalten ein monatliches Taschengeld, Verpflegung, Logis und Reisekosten. Mehr: www.weltwaerts.de. ed