Bad Kissingen
Gesundheit

Schwerwiegende Infektionen gibt es auch in der westlichen Welt

Parasiten können auch in unserer Region zu ernsten Erkrankungen führen. Dr. Andreas Langeheinecke Chefarzt Gastroenterologie und Infektiologie am St. Elisabeth-Krankenhaus Bad Kissingen nennt Gefahren und wie man sich schützen kann.
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Eine Fuchsbandwurm-Infektion, auch Echinokokkose genannt, zähle zu den gefährlichsten Parasitosen in Europa. Symbolfoto: Foto: Alexander Heinl/dpa
Eine Fuchsbandwurm-Infektion, auch Echinokokkose genannt, zähle zu den gefährlichsten Parasitosen in Europa. Symbolfoto: Foto: Alexander Heinl/dpa

Parasiten können auch in unserer Region zu ernsten Erkrankungen führen. Dr. Andreas Langeheinecke Chefarzt Gastroenterologie und Infektiologie am Helios St. Elisabeth-Krankenhaus Bad Kissingen nennt Gefahren und wie man sich schützen kann.

Eine Fuchsbandwurm-Infektion, auch Echinokokkose genannt, zähle zu den gefährlichsten Parasitosen in Europa. Der Kleine Fuchsbandwurm (Echinococcus multilocularis) sei besonders im süddeutschen Raum verbreitet. Fälle gebe es jedoch auch in anderen Bundesländern.

Krank wird der Mensch, wenn er die Eier des Bandwurms aus Versehen schluckt. Dies könne zum Beispiel passieren, wenn man Kontakt zu einem infizierten Tier wie Fuchs oder Hund gehabt hat. Eine weitere Gefahr sei der Verzehr von verunreinigten bodennah wachsenden Nahrungsmitteln wie Waldbeeren oder Pilze.

Eine Fuchsbandwurm-Infektion sei medizinisch eine Herausforderung. Zunächst bemerke man die Infektion kaum. Zudem könnten Beschwerden erst Monate oder Jahre nach der Infektion auftreten.

Die Fuchsbandwurm-Larven setzen sich fast immer in der Leber ab. Dort wuchern sie im Lebergewebe und verhalten sich ähnlich wie ein bösartiger Tumor (alveolärer Tumor). Oft werde eine Fuchsbandwurm-Erkrankung erst zufällig bei Ultraschalluntersuchungen des Bauchraums entdeckt. Die Behandlung einer Fuchsbandwurm-Infektion sei schwierig.

Deshalb sei die Vorbeugung so wichtig. So sollten Freilandprodukte unbedingt gründlich gewaschen werden. Zur Abtötung des Erregers sollten Lebensmittel auf über 60 Grad Celsius erhitzt werden. Haustiere sollten regelmäßig entwurmt werden.

Der einzellige Parasit Toxoplasma gondii gehöre zu den am weitesten verbreiteten Parasiten der Welt, so Andreas Langeheinecke weiter. Schätzungsweise etwa jeder zweite Erwachsene sei mit T. gondii infiziert. Der Endwirt des Parasiten seien allerdings Katzen, nur in ihnen kann er sich vermehren.

Bei gesunden Erwachsenen und Kindern verlaufe die Infektion in der Regel symptomlos und heile daher meist unerkannt ab. Nur selten komme es zu einem grippeähnlichen Krankheitsbild. Die Symptome gingen ohne Therapie wieder vorüber.

Allerdings ist die Ansteckung gefährlich für Frauen während der Schwangerschaft, weil es beim Ungeborenen zu Schädigungen des Nervensystems und der Augen kommen könne.

Ansteckungsgefahr bestehe beim Verzehr von ungewaschenem Gemüse oder ungenügend gegartem Fleisch. Auch eine Übertragung der Parasiten durch Katzenkot ist möglich, zum Beispiel beim Reinigen des Katzenklos.

Malaria sei eine der bedeutendsten Infektionskrankheiten weltweit, so Andreas Langeheinecke. In Deutschland treten pro Jahr etwa 500 bis 600 Erkrankungsfälle auf, in der Regel handele es sich dabei um Reisemitbringsel. Erreger der Malaria seien parasitische Einzeller, die sogenannten Plasmodien. Übertragen werden sie durch den Stich der Anopheles-Mücke. Die Stechmückenart komme vor allem in tropischen und subtropischen Gebieten vor. Eine Malaria-Erkrankung werde überwiegend in Afrika, Asien und Südamerika erworben. Als besonders gefährliche Regionen gelten West-Afrika und Kenia. Bei einem geplanten Urlaub in diese Regionen sei der Besuch einer Reisemedizinischen Beratungsstelle sinnvoll.

Fieber, das nach einem Aufenthalt in den Tropen auftritt, sollte unbedingt abgeklärt werden. Relativ unspezifischen Anfangssymptome bürgen außerdem die Gefahr, als grippaler Infekt oder Magen-Darm-Infektion fehlinterpretiert zu werden.

"Die Malaria ist eine gut behandelbare Erkrankung - vorausgesetzt, sie wird rechtzeitig erkannt. Die einfachen Möglichkeiten, sich zu schützen, sollten nicht außer Acht gelassen werden", so Dr. Langeheinecke.

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