Bad Kissingen

Schwarze Zeiten mit Mindestlohn?

Der Mindestlohn kommt ab Januar auch für Taxifahrer. Unternehmer Ullrich Beck und sein Sohn Sebastian bezweifeln, dass diese Rechnung auf geht.
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Ullrich Beck und sein Sohn Sebastian müssen in ihrem Taxiunternehmen künftig auch den Mindestlohn zahlen.  Foto: Carmen Schmitt
Ullrich Beck und sein Sohn Sebastian müssen in ihrem Taxiunternehmen künftig auch den Mindestlohn zahlen. Foto: Carmen Schmitt
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Bad Kissingen — Sein erster Gedanke: "Das kannst du gar nicht bezahlen." Sechs Fahrer sind für Ullrich Beck mit den Taxen in und um Bad Kissingen herum unterwegs. Die werden zum 1. Januar mehr verdienen. So schreibt es das Gesetz vor. Ob Ullrich Beck mit dem Mindestlohn für die Taxifahrer alle Mitarbeiter halten kann, weiß er heute noch nicht.
Stephan Kating freut sich erst einmal. "Es ist eine Anerkennung für uns", sagt er. "Es ist ja nicht so, dass man spazieren fährt. Das ist ein knochenharter Job." Stephan Kating sitzt im vierten Jahr hinter dem Steuer des Combis in dem taxi-typischen Beige-Gelb und ist für Ullrich Beck auf Tour. "Es ist eher traurig, dass es nicht schon längst einen Mindestlohn für die Taxifahrer gibt."

Umsatz deckt Lohnkosten nicht

Das Taxigeschäft ist für Ullrich Beck eine Herzenssache. Der 56-Jährige will das Gewerbe an die vierte Generation weitergeben. "Mein Opa ist schon mit der Kutsche gefahren", sagt er und lacht. Doch seine entspannte Miene verzieht sich, als er an den künftigen Stundenlohn denkt, den er seinen Fahrern zahlen muss. "Wir haben Zeiten, da deckt der Umsatz schon jetzt nicht mal die Lohnkosten." Unter der Woche sei besonders nachts zwischen 1 und 6 Uhr "tote Hose". Dann hat er nur ein Auto im Einsatz. Doch die Belastung bleibt: "Ob das Auto steht oder fährt ist egal, es kostet immer Geld", sagt Sohn Sebastian Beck. Der 29-Jährige ist mit seinem Vater selbstständig im Kurierdienst tätig. Das Taxigeschäft ist inzwischen ein zweites Standbein geworden.
Eine ähnlich einschneidende Maßnahme wie den Mindestlohn hat der Geschäftsmann selten erlebt. Doch schon während der vergangenen Jahre habe sich die Situation im Taxigewerbe in Bad Kissingen zugespitzt. Der Abzug der Amerikaner, die schrumpfende Zahl der Kurgäste und das steigende Angebot von Mietwagenunternehmen, die Niedrigpreise anbieten, zählt er auf. Der Mindestlohn sei für einen Unternehmer, der Fahrer hat, der K.-o.-Schlag, der für ihn das Aus bedeuten könne.

Herausforderung für Branche

Michael Müller, Präsident des Deutschen Taxi- und Mietwagenverbandes (BZP), drückt es nicht ganz so klar aus, äußert aber seine Bedenken zur kommenden Lohnuntergrenze. Laut dem Verbandschef sei der Mindestlohn die größte Herausforderung für die Branche - seit Jahren.
Stephan Kating ist gern Taxifahrer in Bad Kissingen. "Ich mag den Kontakt zu Menschen." Taxi zu fahren heißt für ihn mehr, als Menschen vom einen zum anderen Ort zu transportieren. "Das Taxi hat eine wichtige soziale Funktion. Ein Friseur ist nichts dagegen." Er hat ein offenes Ohr und packt auch mal an, wenn die ältere Dame ihre Einkäufe nicht allein tragen kann. Sein Stundensatz liegt zurzeit zwei Euro unter dem Mindestlohn, den er ab Januar bekommt. Ullrich Beck zahlt seinem Team ein Festgehalt.

Stammkunden verunsichert

Über den Fahrpreis machen sich die Stammkunden bereits jetzt Gedanken. "Sie fragen schon nach, um wie viel es teurer wird", sagt Stephan Kating. Die meisten werden die 50 Cent mehr pro Fahrt aber nicht merken, meint auch sein Chef Ullrich Beck. Geht seine Rechnung mit der Erhöhung der Grundtaxe auf? Er ist skeptisch. "Normalerweise müsste ich zwei Fahrer schon entlassen, um kostendeckend zu arbeiten." Doch der 56-Jährige fühlt sich in der Verantwortung: "Manche fahren schon seit 15 Jahren für mich. Ich hab eine Verpflichtung gegenüber meinen Leuten." Er will jetzt ein paar Monate abwarten und dann weiter entscheiden. Doch so schnell würde Ullrich Beck das Unternehmen nicht aufgeben, das seine Vorfahren aufgebaut haben: "Ich lass mein Taxigeschäft nicht sausen. Vorher würde ich selbst wieder fahren."



Info zum Mindestlohn


Gesetz Zum 1. Januar 2015 tritt das von der Bundesregierung beschlossene Tarifautonomiestärkungsgesetz ("Mindestlohn"-Gesetz) in Kraft. Laut repräsentativen Umfragen befürworten fast 80 Prozent der Bevölkerung einen gesetzlichen Mindestlohn. Dieser wurde nun mit 8,50 Euro festgelegt.

Branchen Das "Mindestlohn"-Gesetz wirkt sich auf verschiedene Branchen und Bereiche aus. Betroffen ist zum Beispiel die Zustellung der Zeitung, die Fahrt mit dem Taxi, der Besuch beim Friseur oder die Gastronomie.

Taxibranche Im Landkreis Bad Kissingen sind 46 Konzessionen vergeben. Mit diesen Lizenzen wirtschaften insgesamt 26 Taxi-Unternehmen. Die sind mit ihren Wagen Tag und Nacht unterwegs.

Vergütung Es gibt verschiedene Formen der Bezahlung von Taxifahrern. Bei der Prozentregelung werden die Fahrer satzmäßig am Umsatz beteiligt. Für besonders Ehrgeizige könnte sich die neue Situation mit Mindestlohn deshalb sogar negativ auf ihren Lohn auswirken. Die zweite Variante ist der Festlohn. Der liegt in der Regel unter dem Mindestlohn, der zum 1. Januar eingeführt wird. Für Fahrer, die nach mit einem fixen Monatsgehalt bezahlt werden, bleibt dann am Ende mehr übrig.

Kosten Durch das "Mindestlohn"-Gesetz werden sich die Fahrtkosten für die Kundschaft erhöhen. Die Grundtaxe wird voraussichtlich zum Februar von 2,90 Euro um 50 Cent auf 3,40 Euro erhöht. Diese Basis verlangen alle Taxifahrer im Landkreis. Sie ist Grundlage jeder Tour. Die letzte Erhöhung der Grundtaxe gab es zum Januar 2009. Damals erhöhte sich der Satz um 40 Cent von 2,50 Euro auf 2,90 Euro.
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