Diebach
Natur

Schutz für Fledermäuse

Im Landkreis gibt es mehrere Fledermauskolonien. Jeder Gartenbesitzer kann ihren Erhalt sichern.
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Das Große Mausohr. Foto: Dr. Andreas Zahn
Das Große Mausohr. Foto: Dr. Andreas Zahn
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Leises Fiepen und aufgeregtes Krabbeln an den Latten des Dachstuhls der Diebacher Wehrkirche: Am Aufgang zum Kirchturm weist ein Schild des Bayerischen Umweltministeriums auf die Sommergäste hin: Fledermäuse willkommen. Rund 600 Fledermäuse sind in einer sogenannten Wochenstube versammelt. Muttertiere des Großen Mausohrs und ihre Jungen haben dort ihr Sommerquartier.

Mit Stirnlampen ausgerüstet, überprüfen Matthias Hammer von der Koordinationsstelle für Fledermausschutz in Nordbayern an der Universität Erlangen, Claudia Beyer von der höheren Naturschutzbehörde und Peter Piel von der unteren Naturschutzbehörde die Situation der Tiere. Begleitet werden sie von Ulf Zeidler vom Bund Naturschutz, Dieter Fünfstück vom Landesbund für Vogelschutz (LBV) und Kirchenpfleger Waldemar Hauk.

Experten zählen die Tiere

Die Fledermäuse werden einzeln gezählt. Erstaunlich schnell suchen die Experten die Dachlatten mit Taschenlampen ab und zählen getrennt voneinander. Die Differenz der Ergebnisse beträgt weniger als fünf Prozent. Die Fachleute sind mit der Belegung zufrieden. Zweimal im Jahr kontrollieren sie die Situation der Fledermäuse im Landkreis. In den Winterquartieren in Kellern und Höhlen sind weniger Individuen, aber dafür mehr Arten zu finden.

Das Programm der Experten ist straff. Denn sie besuchen an einem Tag sieben Wochenstuben: auf den Kirchendachböden in Diebach, Feuerthal, Machtilshausen und Steinach, im Schloss Greifenstein in Bonnland sowie auf Dachböden von Häusern in Bonnland und Morlesau. Die Kirchen in Burkardroth und Premich werden im kommenden Jahr wieder kontrolliert.

Naturschützer melden Bestände

Begonnen hat die Erfassung von Fledermäusen in Nordbayern mit einer Diplomarbeit 1983. Seit 1985 gibt es die beiden Koordinationsstellen für den Fledermausschutz in Süd- und Nordbayern, die vom Bayerischen Umweltministerium finanziert werden.

Ulf Zeidler und Dieter Fünfstück sind von Anfang an dabei, Matthias Hammer seit 1990. "Wichtig ist für uns die gute Zusammenarbeit mit der unteren Naturschutzbehörde und den ehrenamtlichen Fachleuten vom Bund Naturschutz und dem LBV, die uns das ganze Jahr mit Informationen versorgen, auf neue Vorkommen und Veränderungen hinweisen", sagt Hammer.

Und weiter geht es auf den Truppenübungsplatz Hammelburg: Im Übungsdorf Bonnland gibt es zwei Dachböden, die in den vergangenen Jahren vom Großen Mausohr als Wochenstuben benutzt wurden. In einem Mehrfamilienhaus zählen Beyer und Hammer 677 Tiere.

Knochen in den Überresten

Im wenige hundert Meter entfernten Schloss Greifenstein sind keine Fledermäuse, sondern nur frischer Fledermauskot zu entdecken. Die Experten finden auch bald eine Erklärung. Am Boden liegen Gewölle der Schleiereule, die auch Knochen vom Mausohr enthalten. "Da würde ich auch lieber umziehen", bemerkt Beyer. Schleiereulen ernähren sich auch von Fledermäusen. Logisch, dass sich die nachtaktiven Säugetiere ein sichereres Ausweichquartier suchen.

Bei den Kontrollen halten die Naturschützer mit den Gebäudeeigentümern engen Kontakt. Für den Herbst ist eine Renovierung am Dachstuhl von Schloss Greifenstein geplant. Wichtig ist, dass diese Baumaßnahme bis zur Rückkehr der Tiere im April beendet ist oder dann unterbrochen wird. Es muss zudem darauf geachtet werden, dass die Ausflugöffnungen für die Fledermäuse nicht verschlossen werden.

In Feuerthal werden etwa 1242 Große Mausohren auf dem Dachboden der Kirche gezählt, in Machtilshausen immerhin 938 Tiere. Aber auch die 107 Tiere im Privathaus in Morlesau sind beachtlich. Insgesamt werden etwa 3600 Mausohr-Fledermäuse im Landkreis erfasst. Dies entspricht ungefähr dem Bestand der vergangenen Jahre. Seit Mitte der 1990er Jahre wachsen die Mausohrbestände nicht mehr. Sie haben scheinbar eine natürliche Grenze erreicht: Mehr Tiere werden in den Wäldern offenbar nicht satt. Von den 25 in Bayern vorkommenden Fledermausarten wurden bisher 17 im Landkreis Bad Kissingen nachgewiesen. Tatsächlich erholen sich die Bestände der meisten Arten gegenwärtig wieder.

Das ist auch bitter nötig, da sie in den 1970er und 1980er Jahren einen bestandsbedrohenden Tiefpunkt durchschritten. Der führte bei einigen Arten wie der Kleinen Hufeisennase weiträumig zum Aussterben. "Die Beeinträchtigungsfaktoren - Haussanierungen, Pestizideinsatz, moderne Forstwirtschaft - wirken weiterhin. Daher müssen auch die Schutzanstrengungen beibehalten werden", erläutert Hammer.

Spitze zähne knacken Insekten

Das Große Mausohr profitiert von ausgedehnten Laubwäldern. In der Vorrhön hat es mit vier bis sechs Tieren pro Quadratkilometer die höchste Dichte in ganz Bayern und darüber hinaus. "Franken ist für Fledermäuse ein Paradies", merkt Hammer an.

Es wird Zeit mit Vorurteilen aufzuräumen: Fledermäuse ernähren sich von Insekten. Die spitzen Zähne dienen zum Knacken der Chitinpanzer. Fledermäuse sind die Schwalben der Nacht. Zwergfledermäuse, die sich gerne hinter Holzverkleidungen niederlassen, nagen weder Fassade noch Isoliermaterial an. Der Kot ergibt mit Wasser verdünnt einen hervorragenden Dünger.

Fledermäuse sind die am stärksten vom Aussterben bedrohten Säugetiere Europas. Jeder Garten- und Hausbesitzer kann ihnen helfen. Ein insektenfreundlicher Garten bietet den Nachttieren Nahrung. Einflugöffnungen in Dachböden und Fledermauskästen ermöglichen den nützlichen Insektenfängern, ein Quartier zu finden.






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