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Schondra: Petition für Arsim Shabani

Arsim Shabani soll in den Kosovo abgeschoben werden. Doch Schondra kämpft um den Vorzeige-Flüchtling. Zu Recht?
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Der Asylantrag von Arsim Shabani (rechts) wurde abgelehnt. Diakon Horst Conze will ihm helfen. Foto: Ulrike Müller
Der Asylantrag von Arsim Shabani (rechts) wurde abgelehnt. Diakon Horst Conze will ihm helfen. Foto: Ulrike Müller
Arsim Shabani trägt das Trikot der DJK Schondra. Und er spricht Deutsch, wenn auch mit Händen und Füßen. Seit Februar hat er sogar eine sozialversicherungspflichtige Arbeitsstelle, Vollzeit. Seitdem bezahlt er Miete für sein Zimmer in der dezentralen Flüchtlingsunterkunft in Schondra. Knapp 200 Euro im Monat für ein Zimmer mit Küche und Bad, das er sich mit einem anderen Asylbewerber teilt. Nun wird er abgeschoben.

Die Schondraer verstehen das nicht. "Wenn einer integriert ist, dann Arsim", sagt Horst Conze, der sich ehrenamtlich um die Asylbewerber kümmert. Der Diakon hat eine Petition auf den Weg gebracht, mit der er die Abschiebung verhindern will. Bürgermeister Bernold Martin (CSU), die Pfarrei St. Anna, die DJK Schondra und Shabanis Arbeitgeber unterstützen die Petition. Allein, viel Aussicht auf Erfolg hat Shabani nicht, denn er kommt aus dem Kosovo.

Shabanis Schicksal passt wie die Faust aufs Auge zur aktuellen Diskussion um die steigende Zuwanderung aus den Staaten des Westbalkans. Über den "massenhaften Missbrauch" des Asylrechts wird da gewettert und über Wirtschaftsflüchtlinge geschimpft. Arsim Shabani aber ist kein Wirtschaftsflüchtling. Er ist aber auch keiner, der auf Grund seiner Rasse, Religion, Nationalität oder politischen Überzeugung verfolgt wird. Er ist irgendetwas dazwischen.

Von Kriminellen erpresst

"Sie haben mich an Baum gebunden... drei Tage", erzählt Shabani stockend. Im Ablehnungsbescheid des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge (BAMF) liest sich das so: "Der Antragsteller trug vor, dass er von ihm unbekannten Männern, die einer Gruppierung ,den Bärtigen‘ angehörten, erpresst worden sei. Sie hätten ihn mit dem Tode bedroht, wenn er ihnen kein Geld gebe und auch, wenn er sich an die Polizei wende." Shabani war bei der Polizei. "Aber die tun nichts."

Horst Conze hält diese Schilderung für glaubhaft. "Da sind mehrere Familien, die mir Dinge erzählen - unabhängig voneinander." Es sei bekannt, dass islamistische Gruppierungen im Balkan aktiv seien. "Die wissen genau, wann die Löhne ausgezahlt werden. Und dann zocken sie die Leute ab", sagt Conze.

Nun ist es so, dass einige Länder des westlichen Balkans bereits per Gesetz als sichere Herkunftsländer eingestuft sind. Für den Kosovo gilt das noch nicht. Fakt ist aber, dass nur 0,3 Prozent der Asylanträge aus dem Land im ersten Halbjahr 2015 (Quelle: BAMF) bewilligt worden sind. "Ich glaube nicht, dass die Erklärung eines Landes als sicher die Situation vor Ort ändert", gibt Daniela Schad, Flüchtlingsbetreuerin beim Caritasverband für den Landkreis Bad Kissingen, zu bedenken.

Kritik an Abschiebepraxis

Und sie kritisiert massiv die Abschiebepraxis: "Früh um 5 Uhr stürmen bewaffnete Polizisten die Zimmer. Eine halbe Stunde Zeit zu packen. Weg." Erst am Dienstagmorgen holte die Polizei Asylbewerber aus der dezentralen Unterkunft im Bad Brückenauer Ortsteil Wernarz ab. Beamte des Operativen Ergänzungsdienstes Schweinfurt übernehmen das - mit Unterstützung der örtlichen Polizeiinspektionen (PIs). "Zügig", müsse es gehen, sagt Christian Pörtner, stellvertretender Leiter der Brückenauer PI. Schließlich warte in München der Flieger. "Es fließen oft Tränen", fügt sein Chef Herbert Markert hinzu. "Das musst du als Polizist aushalten."

Eine gewaltsame Abschiebung droht Arsim Shabani vorerst noch nicht. Sein Rechtsanwalt hat Klage beim Verwaltungsgericht Würzburg eingereicht. Inzwischen sei es durchaus üblich, dass sich Asylbewerber rechtlichen Beistand holen, erklärt Daniela Schad. Die Caritas vermittle den Kontakt, die Anwaltskosten trage jeder aber selbst. Mehr kann der 32-jährige Kosovo-Albaner nicht tun. Warten und hoffen, dass der Appell der Schondraer nicht ungehört verhalt.

Die Regierung von Unterfranken hat die Petition bereits erreicht. "Kosovo-Albaner können in der Regel keine Anerkennung erwarten", stellt Pressesprecher Johannes Hardenacke klar. Man warte die gerichtliche Entscheidung ab, danach werde über Shabanis Zukunft "nach Rechtslage" entschieden. Was die Abschiebungen angeht, so nennt Hardenacke folgende Zahlen der Zentralen Ausländerbehörde: Von Juli 2014 bis Juni 2015 seien in Unterfranken 630 Asylbewerber freiwillig in ihre Herkunftsländer zurückgekehrt, 250 Abschiebungen wurden in Auftrag gegeben. Im Landkreis Bad Kissingen reisten im selben Zeitraum 52 Asylbewerber freiwillig aus, 20 Abschiebungen wurden registriert.

Betroffenheit bei ehrenamtlichen Helfern

Für die Menschen in Schondra, die mit Shabani befreundet sind oder sich für die Flüchtlinge einsetzen, ist das nicht nachvollziehbar. "Man merkt die emotionale Betroffenheit der Ehrenamtlichen sehr stark", berichtet Stefan Seufert von der Koordinierungsstelle Asyl am Landratsamt Bad Kissingen. Etwa 720 Asylbewerber sind zur Zeit im Landkreis Bad Kissingen untergebracht. Für die meisten sind die Asylverfahren bereits angelaufen. "Die Helfer müssen sich im Klaren darüber sein, dass Anträge eben auch abgelehnt werden", betont Seufert.

Horst Conze jedenfalls ist keiner, der sich blind für alle einsetzt. "Ich helfe nur Flüchtlingen, die am Deutschunterricht teilnehmen", stellt er klar. Für ihn zähle nicht nur das Einzelschicksal, sondern auch der Wille zur Integration. "Für manche Flüchtlinge lohnt es sich, sich zu engagieren", sagt er. Er hofft, dass Shabani am Ende wenigstens geduldet wird.

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