Oberthulba
Interview

Schlereth hofft auf viele Wähler

Der seit zwölf Jahren amtierende Bürgermeister Gotthard Schlereth (58) tritt am Sonntag in Oberthulba zur Wiederwahl an.
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Gotthard Schlereth in seinem Büro im Rathaus. Er ist der einzige Kandidat der Bürgermeisterwahl am Sonntag in Oberthulba. Foto: Markus Reeh
Gotthard Schlereth in seinem Büro im Rathaus. Er ist der einzige Kandidat der Bürgermeisterwahl am Sonntag in Oberthulba. Foto: Markus Reeh
Herr Schlereth, Sie haben bei der Wahl am 21. Oktober keinen Gegenkandidaten. Hätten Sie gerne einen gehabt?
Gotthard Schlereth: Das ist eine zweischneidige Angelegenheit. Für manchen Bürger wäre es sicher interessanter, weil er dann eine echte Wahlmöglichkeit hätte. Aber ich kann es ja nicht beeinflussen, wie viele Kandidaten antreten. Unabhängig davon möchte ich aber für eine möglichst hohe Wahlbeteiligung werben. Wenn nur wenige Bürger zur Wahl gehen, wird ja bisweilen die Legitimation des Gewählten in Frage gestellt.

Über welchen Erfolg in Ihrer bisherigen Amtszeit haben Sie sich am meisten gefreut?
Die wirtschaftliche Entwicklung in der Gemeinde hat gut an Fahrt aufgenommen. Das hat sicher auch etwas mit der günstigen geografischen Lage zu tun. Im Gewerbegebiet Reith sind schon keine Flächen mehr zu haben, und auch im Industriegebiet gegenüber sind bereits rund zwei Hektar verkauft. Die Nähe der Autobahn ist insbesondere für Logistikunternehmen ein großer Vorteil. Außerdem ist das gut für die Bürger. Dann müssen die Lkws nicht durch die Dörfer und Städte fahren. Besonders freut mich, dass durch die Ansiedlung von Betrieben in den vergangenen fünf bis sechs Jahren rund 100 neue Arbeitsplätze im Markt Oberthulba entstanden sind.
Auch die Einnahmen der Gemeinde bei der Gewerbesteuer und dem Anteil an der Einkommensteuer sind gestiegen.

Gab es auch Entscheidungen, mit denen sie heute nicht mehr glücklich sind?
Auf Anhieb fällt mir da nichts ein. Sicher wird es die eine oder andere kleine Sachentscheidung gegeben haben, die man auch anders hätte treffen können. Aber bei den wichtigen, weitreichenden Beschlüssen bin ich von der Richtigkeit überzeugt. Der Bürgermeister ist übrigens immer nur so erfolgreich wie der Gemeinderat. Und wir haben hier ein kollegiales Verhältnis.

Im Gemeinderat gibt es selten kontroverse Diskussionen, die Beschlüsse fallen meist einstimmig. Geht es unter Ihrer Führung auch in der Verwaltung so harmonisch zu?
Harmonie ist ein Idealzustand, der im Tagesgeschäft nicht immer zu erreichen ist. Die Beschlüsse im Gemeinderat werden in der Regel sehr gut vorbereitet. Wir haben vorberatende Ausschüsse, so dass viele Projekte Schritt für Schritt wachsen. Wir haben keine endlosen Diskussionen, weil die Gemeinderäte die Großgemeinde und das Ganze sehen. Was die Verwaltung angeht, da haben wir eine kompetente und fähige Mannschaft, und die Zusammenarbeit funktioniert gut. Wir haben in den vergangenen Jahren viele Projekte mit einer hohen Arbeitsdichte gehabt, die ein diszipliniertes und geregeltes Arbeiten erfordern. Es ist wie im Leben ein Geben und Nehmen. Letztendlich stehen aber immer Entscheidungen an, und da ist der Bürgermeister auch in der Verwaltung gefordert. Am Ende muss einer auch mal klare Worte reden und sagen, wo es lang geht.

Der Schuldenstand der Gemeinde wird am Jahresende voraussichtlich rund 2,3 Millionen Euro betragen. Wird es in den kommenden Jahren dennoch Spielraum für große Investitionen geben?
Unsere Pro-Kopf-Verschuldung liegt dann mit rund 450 Euro noch deutlich unter dem Durchschnitt der vergleichbaren Gemeinden mit über 5000 Einwohnern, der 746 Euro beträgt. Es ist auch schon viel Geld in die Erhaltung der Infrastruktur investiert worden, um zukunftsfähig zu bleiben, zum Beispiel in die Sanierung von Wasserversorgung und Kanälen. Auch die Schule wurde saniert, es gibt eine Mittagsverpflegung, eine offene und eine gebundene Ganztagsschule. Darüber hinaus wurden etliche Krippenplätze geschaffen. In den nächsten Jahren sind vor allem Maßnahmen der Innenentwicklung angedacht. Hierzu gehört zum Beispiel die Gestaltung von Dorfplätzen, wobei in einigen Ortsteilen ja schon viel gemacht wurde.

Was wird für Sie die größte Herausforderung in der nächsten Amtsperiode sein?
Da geht es uns nicht anders als allen anderen Kommunen. Die größte Herausforderung werden die Auswirkungen der demografischen Entwicklung sein. Die Versorgung der Bürger, ihre ärztliche Betreuung, die Schaffung von Senioreneinrichtungen werden Schwerpunkte sein. Derzeit gibt es ausreichend Einkaufsmärkte in der Gemeinde, und mit drei gut ausgelasteten praktischen Ärzten, zwei in Oberthulba und einem in Thulba, sieht die Lage gar nicht schlecht aus. Doch diesen Bestand wird es zu sichern gelten. Der Markt Oberthulba soll sich weiterhin als Grundzentrum zwischen Bad Kissingen und Hammelburg behaupten.

Gehen Sie 2020 in Pension?
Das ist eine Frage, die jetzt nicht im Vordergrund steht. Jetzt geht es um die nächste Wahlperiode. Unabhängig von den rechtlichen Voraussetzungen spielt natürlich die Gesundheit eine zentrale Rolle. So ein Amt bringt ja auch einiges an Anforderungen und Belastungen mit sich. Bei der nächsten Bürgermeisterwahl wäre ich 65, dann reden wir noch mal drüber.

Das Gespräch führte unser Redaktionsmitglied Markus Reeh.
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