Bad Brückenau
Verabschiedung

Schaupp nimmt seinen Hut

Nach 30 Jahren bei der Baugenossenschaft zieht sich der langjährige Vorstand Rudolf Schaupp nun zurück. Was bleibt, ist eine Lücke, die nur schwer zu füllen ist.
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Die Baugenossenschaft Bad Brückenau ist Baujahr 1951. Rudolf Schaupp auch. Fotos: Ulrike Müller
Die Baugenossenschaft Bad Brückenau ist Baujahr 1951. Rudolf Schaupp auch. Fotos: Ulrike Müller
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Der Mann und sein Hut. Rudolf Schaupp und sein heller Cowboy-Hut gehören einfach zusammen. Denn vor sechs Jahren hat Schaupp ein neues Hobby entdeckt. Er reitet. Western. In Speicherz hat er sein Pferd stehen. Ein typischer Quarter-Mix, wie aus der TV-Serie Bonanza. "Es heißt Intra", er zählt Schaupp, der sonst nicht so gern über sich redet.

Lieber redet er über Zahlen. "Zahlen waren schon immer mein Leben." Bevor er zur Baugenossenschaft kam, hat er im Steuerbüro gearbeitet. Im Jahr 1982 fing Rudolf Schaupp als Verwaltungsangestellter bei der Genossenschaft an, führte ab 1983 die Geschäftsstelle und war von 1993 bis 2011 als Vorstand tätig. "All die Jahre ha be ich Lohnabrechnungen, Bilanzen und Betriebskostenabrechnungen gemacht", blickt Schaupp zurück.
Und wenn er das so sagt, verlieren die endlos langen Zah lenreihen doch gleich ein bisschen von ihrem Schrecken.

Fachwissen im Mietrecht

Am Dienstag hat Schaupp sei nen Hut ausnahmsweise mal zuhause gelassen. Dafür kam er im Anzug. Denn nach 30 Dienstjahren geht er zum Ende des Jah res in den Ruhestand. "Das Loch, das du hinterlassen hast, wird nicht so schnell auffüllbar sein", sagte Werner Walter, Auf sichtsratsvorsitzender der Baugenossenschaft, zum Abschied. Nun führen Oswald Winter und Heinz Zähler - beide im Vorstand - die Geschäfte wei ter.

"Im Mietrecht, aber auch in der Wohnungswirtschaft konnte ihm niemand was vormachen", sagt Winter über Schaupp. In Zukunft muss die Bilanzen je mand von außerhalb machen. Außerdem wurde die Stelle der Sekretärin von Teilzeit auf Voll zeit umgestellt. "Er hat sich aufrecht und ehrlich für die Ge nossen eingesetzt", würdigt auch Zähler das Engagement des langjährigen Vorstandes.

Zeit für Hobbys

"Es war eine schöne Zeit", zog Schaupp bei der Verabschiedung seine persönliche Bilanz. Und er bedankte sich für die gu te Zusammenarbeit. "Die Baugenossenschaft wurde 1951 gegründet und ich bin 1951 ge boren", beschrieb Schaupp ei nen weiteren Aspekt, der ihn mit seiner Arbeit verband.

Lange Zeit hat Schaupp die Baugenossenschaft geprägt. Nun wartet ein neuer Lebensabschnitt auf ihn. Früher war Schaupp ein be geisterter Eisenbahn-Fan. Auch in der Natur ist der gebürtige Hammelburger gern unterwegs. "Wenn jetzt mehr Zeit verbleibt, widme ich mich meinen Hobbys", sagt Schaupp verschmitzt. Dann nimmt er seinen Hut und geht. Nach Speicherz reiten.

Aus dem Geschäftsbericht 2011

Struktur 401 Mitglieder hatte die Baugenossenschaft Ende des Geschäftsjahres 2011. Die Mitglieder hielten insgesamt 662 Anteile. Ein Anteil kostet 155 Euro. Den Vorstand stellten 2011 Oswald Winter, Heinz Zäh ler sowie Rudolf Schaupp (bis 19.12.2011). Im Aufsichtsrat saßen Anton Kiefer, Günter Schneider und Werner Walter, der zugleich Vorsitzender ist.

Bewirtschaftung Insgesamt bewirtschaftet die Baugenossenschaft 49 Häuser mit 276 Wohnungen und 42 sonstigen Mieteinheiten. Davon sind noch 68 Wohnungen preisgebunden. Diese befinden sich am Berliner Platz Nummer 4 bis 10 und in der Düsseldorfer Straße mit den Nummern 23 bis 29.

Finanzen Der Wert, den die Baugenossenschaft verwaltet, lässt sich auf rund 2 Millionen Euro beziffern. Größter Posten sind natürlich die Grundstücke mit den Wohnbauten, die mit rund 1,4 Millionen zu Buche schlagen. Die Prüfung der Ge schäfte der Genossenschaft für das Geschäftsjahr 2011 er gab keine Beanstandungen. Die Vermögenslage ist geordnet, wenn auch der Ertrag nicht befriedigend ist. Der Ge winn, den die Genossenschaft für 2011 erzielt hat, fällt mit rund 2200 Euro mager aus. Die wichtigsten Ausgaben waren Betriebskosten (rund 198.000 Euro), Instandhaltungskosten (rund 239.000 Euro) sowie an dere Kosten, zum Beispiel für Personal (rund 232.000 Euro).

Projekte Die Genossenschaft investiert fortlaufend in die In standhaltung des Wohnungseigentums. Im Jahr 2011 sind zum Teil Fenstersanierungen in folgenden Häusern erfolgt: In der Blumenstraße, der Konrad-Zir kel-Straße, der Düsseldorfer Straße und am Berliner Platz.

Herausforderungen Wegen des Bevölkerungsrückgangs steht die Baugenossenschaft vor großen Herausforderungen. 25 Prozent der Woh nungen ste hen leer und die Mietausfall-Quote liegt mit zehn Prozent re lativ hoch. Häufige Wechsel der Mieter verschärfen die Si tuation. Vorstand Oswald Winter beklagte zudem den feh lenden Zusammenhalt in der Mieterge meinschaft.

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