Nüdlingen
Landwirtschaft

Schauen, was die anderen machen

Mit Riesentraktor zu Hochlandrindern, Streuobstwiesen und Ackerwildkräutern: Die Schleppertour "Bayern blüht auf" führte im Landkreis zum Schluss nach Nüdlingen und Rannungen.
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Die Teilnehmer der Schleppertour des Bauernverbandes haben sich auch den Naturgarten am Hof von Edgar Thomas in Nüdlingen angeschaut. Foto: Werner Vogel
Die Teilnehmer der Schleppertour des Bauernverbandes haben sich auch den Naturgarten am Hof von Edgar Thomas in Nüdlingen angeschaut. Foto: Werner Vogel
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Wie vielfältig Landwirtschaft sein kann, war auf der Schleppertour "Bayern blüht auf" zu erleben, mit der der Bayerische Bauerverband (BBV) in Kooperation mit der Bayerischen Kulturlandstiftung, der TU München und dem "Grüngitter" Projekt Bad Kissingen auf das Engagement der Landwirtschaft für die Artenvielfalt hinweist. Der speziell gestylte Deutz Schlepper tourt durch ganz Bayern und hat am Wochenende im Landkreis Bad Kissingen an Blühstreifen am Ackerrand, im Energiewald, bei der Heugewinnung auf Kleebock, bei naturgemäßer Weinbergsbewirtschaftung und auf der Weide beim Öko-Milchvieh angehalten.

Bäuerliche Landwirtschaft statt Agrarfabrik

Am letzten Tag der Tour im Landkreis ist der "blühende" Schlepper mit den mannshohen Rädern auf dem Hof von Edgar Thomas angekommen. Der 2. Bürgermeister von Nüdlingen, Kreisrat und Kreisobmann des BBV ist Landwirt aus Leidenschaft und so vielfältig wie Landwirtschaft sein kann, so vielseitig ist auch deren Repräsentant im Landkreis. Thomas bewirtschaftet seinen eigenen Hof mit Ackerbau, beweidet aber auch Extensivflächen mit Hochlandrindern, säht Ackerwildkräuter auf Randstreifen, legt Blühflächen als Maisersatz an und treibt ein Gemüsekorb Projekt voran. Seine Tochter Franziska hat einen kleinen Hofladen, wo viel Wert auf ökologische Produkte und wenig Verpackung gelegt wird, hält 300 Hühner, denen sie mit umgebauten Bauwagen als Hühnermobil, an wechselnden Standorten, Auslauf und fast Haustierstatus gewährt. Der Betrieb wirkt wie ein Gegenentwurf zu intensiver Landwirtschaft mit Agrarfabriken und Mega-Mastställen.

Das ist auch das Credo des Bauernverbands sagt Edgar Thomas: "Wir wollen unseren Lebensraum erhalten, da ist der Landwirt ein Partner des Naturschutzes und ist in vielen Bereichen auf gutem Weg". Das Volksbegehren "Rettet die Bienen" hat aber gezeigt, dass das, was wir in dieser Hinsicht längst machen, nicht überall angekommen ist. "Wir müssen jetzt verstärkt mit den Menschen reden". Diese Schleppertour dient dazu und die bisherigen Veranstaltungen waren vielversprechend, ergänzt Ann Kathrin Rauscher vom BBV Unterfranken.

Ackerwildkräuter für Biene und Co.

"Wenn wir die Kulturlandschaft erhalten wollen, müssen wir dafür sorgen, dass der Minderertrag aus den Flächen, die nicht intensiv genutzt werden, für den Landwirt ausgeglichen wird", meint Marion Lang von der Bayerischen Kulturlandstiftung, die das Projekt "Ackerwildkräuter in Bayerns Kulturlandschaft begleitet", das seltene und gefährdete Wildkräuterarten erhalten will. Dazu wurden in Naturräumen Restvorkommen aufgespürt, ihre Samen gesammelt und auf extensiv bewirtschafteten Äckern wieder ausgesät. Weil weniger Düngemittel und Pestizide eingesetzt werden, können jetzt Acker-Rittersporn und Sommer-Adonisröschen am Rand des Roggenfelds in Poppenlauer blühen, berichtet sie. "Die Bienen haben was davon und die Insekten, die wir brauchen auch", meint Jasmin Fidyha vom Grüngitterprojekt Bad Kissingen.

Wuchtige Kerle halten Hecken niedrig

Inzwischen sind Schlepper und Tross in einer hügeligen Buschlandschaft in Rannungen angekommen. Weil es regnet haben sich die zottigen Rinder mit großen Hörnern unter Bäumen Schutz gesucht. Landschaftspflege mit Hochlandrindern nennt Georg Scheuring, Geschäftsführer des BBV im Landkreis, das Weiden der massigen Tiere in dem unwegsamen Gelände. Entweder Maschine oder die genügsamen Rinder, Schafe schaffen das nicht. Nach einigen Wochen wird ein anderer Standort gesucht, die Elektrozäune wieder abgebaut, die Tiere transportiert. Das Fleisch der Tiere wird später vermarktet. Alles ziemlich aufwendig, meint Scheuring und ohne Unterstützung rechnet sich das nicht. Joachim Leitschuh, Nebenerwerbslandwirt und stellvertretender Ortsobmann des BBV aus Schwärzelbach, der die Schleppertour begleitet, sieht das so: "Bauernfamilien lieben, was sie machen. Aber es kann nicht schaden, wenn man schaut, was die anderen so machen".

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