Bad Bocklet
Gemeinderat

Rüsten für das Digital-Zeitalter

In der Bad Bockleter Verwaltung sind noch viele Pläne auf Papier. Änderungen werden mit Stift eingetragen. Jetzt sollen diese Pläne digitalisiert werden.
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Andreas Sandwall, Bürgermeister von Bad Bocklet, (links) und Kämmerer Patrick Könen (rechts) sprechen über die Kanalbestandspläne. Auf den Plänen ist zu sehen, an welchen Plätzen die Kanäle im Untergrund entlang  laufen.  Foto: Anna Wentrock
Andreas Sandwall, Bürgermeister von Bad Bocklet, (links) und Kämmerer Patrick Könen (rechts) sprechen über die Kanalbestandspläne. Auf den Plänen ist zu sehen, an welchen Plätzen die Kanäle im Untergrund entlang laufen. Foto: Anna Wentrock

Während in Industrie und Wirtschaft die Digitalisierung weit fortgeschritten ist, nutzen kommunale Verwaltungen noch in vielen Bereichen Papier und Bleistift. Auch in den Archiven der Gemeinde Bad Bocklet stapeln sich die alten Flurkarten und Lagepläne, vom unterirdischen Kanalnetz bis zur Friedhofsverwaltung, die von Sachbearbeitern wie zu Großvaters Zeiten immer wieder mit Buntstift aktualisiert werden. Diesen längst nicht mehr zeitgemäßen Zustand will die Gemeindeverwaltung schnellstmöglich ändern, weshalb auf Einladung von Bürgermeister Andreas Sandwall (CSU) nun Tobias Blum, Mitarbeiter der Überlandzentrale (ÜZ) Mainfranken, den Gemeinderäten das Unternehmen und das von der ÜZ mit der RIWA GmbH, einer Gesellschaft für Geoinformationen in Kempten, entwickelte computer- und internetfähige Geographische Informationssystem (GIS) vorstellte.

Die ÜZ Mainfranken, eine unabhängige Genossenschaft mit privaten und kommunalen 3300 Mitgliedern ist die größte Energieversorgungsgenossenschaft Bayerns und versorgt 125 000 Einwohner der Landkreise Schweinfurt, Hassberge, Kitzingen, Würzburg und Main-Spessart. Der aus deren klassischer Dokumentationsabteilung heraus entstandene Arbeitsbereich "Grafische Datenverarbeitung" entwickelte sich zum Dienstleister für ein geographisches Informationssystem, das heute von den Verwaltungen der Landkreise Bad Kissingen, Schweinfurt, Würzburg, Kitzingen und Haßberge sowie 43 Gemeinden und Zweckverbänden genutzt wird.

Mitarbeiter Tobias Blum erläuterte den Gemeinderäten ausführlich die komplexen Möglichkeiten der von der ÜZ Mainfranken angebotenen Software. Das Besondere an diesem System sei, so Blum weiter, dass alle Daten im RIWA-Zentralrechner abgespeichert werden und so jederzeit von jedem Computer abgerufen werden können, mittels einer App auch im Außendienst auf Mobilgeräten. "Während heute noch sechs Mitarbeiter verschiedene Pläne suchen müssen, reicht später ein Blick in den Computer", verdeutlichte Bürgermeister Sandwall die Arbeitserleichterung und Zeitersparnis.

Vor allem Geschäftsleiter Thomas Beck, auch zuständig für Liegenschaften und Energieversorgung, und die Bereichsleiter Patrick Könen (Kämmerei, Wasserversorgung) und Stefan Metz (Technische Bauverwaltung, Bauhof) verwiesen auf die Notwendigkeit eines solchen Systems im Rathaus, wobei Könen demonstrativ einen alten Kanalplan hochhielt. "Ohne digitalisierte Daten kommt heute kein Mensch aus." Auch Stefan Metz beklagte, mit völlig veralteten Plänen voller verschiedenfarbiger Buntstiftlinien arbeiten zu müssen.

"Natürlich muss das GIS zunächst gefüttert werden", meinte Tobias Blum, was zweifellos Zeit und Arbeitskraft beanspruche. "Aber wenn die Daten erst einmal erfasst sind, geht später alles viel einfacher." Gemeinderat Peter Holzheimer (FCW) ging gleich einen Schritt weiter und fragte, ob auch Daten von Fremdfirmen (Energieversorger, Telekom) zur Aufnahme ins GIS zu bekommen seien. Dies hielten die Fachleute aus Gründen der Haftpflicht für unwahrscheinlich. Uto-Paul Schmitt (FCW) empfahl, zunächst die dringlichsten Module anzuschaffen, erst später andere nachzukaufen. Alles in allem zeigte sich der Gemeinderat der Anschaffung des GIS sehr aufgeschlossen.

Auf Nachfrage unserer Zeitung bestätigte Bürgermeister Andreas Sandwall, das ein Angebot der ÜZ Mainfranken vorliegt. Allerdings müsse dies noch in einzelnen Positionen verhandelt werden. Zunächst seien nach Sandwalls Meinung die Fachmodule Kanal, Wasser, Bebauungspläne, Friedhof und Verkehr sowie die Grafikebenen Bäume, Straßenlampen, Bänke und Grünflächen für Bad Bocklet wichtig. "Haushaltsmittel sind auf Schätzbasis eingestellt. In einer der nächsten Sitzungen werden wir dem Gemeinderat belastbare Zahlen und Kosten zur Beschlussfassung vorlegen."



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