Rottershausen
Festival

Model auf fränkischem Kult-Festival: 70-Jährige trotzt der Rente

Nicht nur das Festival "Und ab geht die Lutzi" ist besonders, sondern auch das dazugehörige Model: die 70-jährige Margarethe Müller aus Rottershausen.
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Blümchenkleid trifft Vans: Margarethe Müller schlüpft jährlich in ihre Rolle als "Lutzi" auf dem Kultfestival in Rottershausen. Foto: Johannes Schlereth
Blümchenkleid trifft Vans: Margarethe Müller schlüpft jährlich in ihre Rolle als "Lutzi" auf dem Kultfestival in Rottershausen. Foto: Johannes Schlereth

Rente heißt Ruhe? Das gilt nicht für Margarethe Müller aus Rottershausen. Der Grund: Die 70-Jährige ist das Aushängeschild des Rottershäuser Kultfestivals "und ab geht die Lutzi".

Seit 2010 Model für "und ab geht die Lutzi" in Rottershausen

Die 70-Jährige ist fast seit den Anfängen des Festivals dabei. "Eigentlich mache ich das seit 2010", sagt die vierfache Großmutter. "Da hat es zum ersten Mal stattgefunden." Die Idee, ein Lutzi-Model zu haben, sei jedoch erst danach aufgekommen. "Der Gedanke war, eine greifbare, reale Person dafür zu haben", sagt sie.

Ein Model-Casting wie bei "Germanys Next Topmodel" gab es dafür allerdings nicht. "Ich bin halt gefragt worden ob ich's mache", sagt sie rückblickend. Ihre Reaktion auf den Vorschlag der Veranstalter: "Ich habe dann gesagt, wenn ihr findet, dass ich die Richtige dafür bin, dann mache ich das gerne."

Bald darauf gab es das erste Shooting mit Margarethe Müller - aka "Lutzi". Seitdem ziert ihr Bild Plakate und Flyer des Festivals. "Das war alles sehr locker und lustig", sagt sie. "Am Ende waren alle zufrieden." Mittlerweile ist sie fester Bestandteil des Festivals. "Seitdem läuft's einfach", sagt sie. Vor der Karriere als Festival-Model hat sie in ihrem Berufsleben in mehreren Fabriken gearbeitet und engagierte sich in der Gemeinde. "Wir sind in unserer Jugend zum Tanzen gefahren, oder haben ab und an mal durchgemacht - heute gehen die Jugendlichen ja eher auf Festivals", sagt sie.

Dass sich Margarethe Müller ihre Jugendlichkeit bewahrt hat wird deutlich, denn: In ihr Alter-Ego "Lutzi" muss sie sich nicht reinfinden. Der Grund: "Das bin ja eigentlich ich. Nur eben unter anderem Namen". Auf dem Festival trägt sie Lutzi-Merchandise, Skaterschuhe oder Basecap. Diese Coolness beweist sie auch im Alltag. "Ich mags eben leger und nicht so streng", beschreibt sie ihren Kleidungsstil.

Schlager trifft auf Punkrock

Was für ihren Stil gilt, gilt ebenfalls für ihren Musikgeschmack. Privat hört sie die alten Schlager von Peter Kraus, dem deutschen Elvis, hat aber auch Lieblingskünstler unter den Lutzi-Bands gefunden. Ihr diesjähriger Favorit im Line-Up: die "Donots". "Die waren schon 2016 da. Bei ihnen war ich auf der Bühne", erinnert sie sich an den Auftritt der Ibbenbürer Punkrocker.

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Festival als Verjüngungskur

"Das ist schon toll, wenn man dann auf der Bühne steht, und unten die Menge ist, von denen man einige sogar kennt und die jubeln und feiern", sagt die 70-Jährige. Aber nicht nur die Momente auf der Bühne genießt die Rottershäuserin. "Der Kontakt zu den jungen Leuten auf dem Festival hält jung", betont sie. Dazu trage die Festivalatmosphäre ihren Teil bei. Dieses Jahr ist ein Henna-Tättowierer vor Ort. "Ich kann noch nicht sagen, ob ich mir eines malen lasse. Das ist stimmungsabhängig. Vielleicht sage ich ja "ok, warum nicht?"."

Die Begegnungen mit den Festivalbesuchern hätten eine lockere Atmosphäre. "Man ist mit jedem per du, niemand ist gestresst und alle sind gut drauf." Das zeigt sich auf dem Festivalgelände. "Die Besucher kommen auf mich zu, und sagen "Ah, du bist die Lutzi, dürfen wir ein Foto mit dir machen?" oder wollen eine Unterschrift", erzählt die 70-Jährige. Die daraus entstehenden Gespräche bringen sie selbst manchmal zum Grübeln. "Man überlegt schon mal, dass manche Ansichten der Jugend gar nicht so verkehrt sind."

Begegnungen, die im Kopf bleiben

Zwei Gespräche sind Margarethe Müller besonders im Gedächtnis geblieben. "Das ist etwas, das ich nie vergessen werde", meint sie. "Ein junger Mann kam auf dem Festival spontan zu mir, und hat gesagt, dass er gerade sein Abi bestanden hat - der war total happy. Dann hat er mir erzählt, welche Richtung er einschlagen will. Das freut einen, wenn jemand solche persönlichen Dinge erzählt.

Eine andere bleibende Erinnerung verbindet sie mit einer jungen Frau. "Sie hat gesagt, sie hatte auch eine Oma wie mich. Leider war ihre Oma im Vorjahr gestorben. Sie hat mir dann davon erzählt wie es war, als ihre Oma noch lebte, und wie ihr Opa mit dem Tod seiner Frau umgegangen ist. Das sind Geschichten, die einfach im Kopf bleiben", sagt sie.

Eigenständiges Alter-Ego

Anstrengend seien die drei Tage als "Lutzi" dennoch nicht. "Ich gehe zwischendurch schon einmal heim. Wenn ich aber vor Ort bin und sehe, dass die Leute in Stimmung sind, geht's in die Menge." Außerdem hat die "Lutzi" eine persönliche Assistentin. "Sie reicht mir die Stifte für die Autogramme, trägt meine Tasche. Kurz gesagt: Sie umsorgt mich gut. Das hilft mir dabei, noch entspannter auf die Leute zu zugehen." Denn das falle der "Lutzi" verglichen mit Margarethe Müller leichter. Für sie ist dabei vor allem eines wichtig: "Ich habe meinen Spielraum und kann machen, was ich mag. Ich werde zu nichts gezwungen." Auch deshalb kann sie sich vorstellen, so lange es noch geht die "Lutzi" zu verkörpern. Ob Margarete Müller noch beim 20-jährigen "Lutzi-Festival" modelt? "Da schauen wir mal", sagt sie.

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