Bad Kissingen
Boxsport

Ring-Spektakel bei der 1. Kissinger Boxnacht

Der Schwergewichts-Kampf von Kai Friedensohn gegen Bilsen Planic war der Höhepunkt im prächtig gefüllten Tattersall. Eine Fortsetzung ist geplant.
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Für den Highlight-Kampf sorgte der Bad Kissinger Schwergewichtler Kai Friedensohn (links).Jürgen Schmitt
Für den Highlight-Kampf sorgte der Bad Kissinger Schwergewichtler Kai Friedensohn (links).Jürgen Schmitt
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Jazzmusik im Foyer, die Kuchentheke um die Ecke. Gediegenes Ambiente im Tattersall. Und doch passte die Atmosphäre zur ersten Bad Kissinger Boxnacht. Kein Turnhallen-Mief, sondern ein Hauch von Exklusivität. Und mit dieser Idee lag die Boxabteilung im TSV Bad Kissingen goldrichtig. Bis kurz vor Beginn der Veranstaltung wurde bestuhlt, um den 400 Zuschauern Platz zu bieten. Ein gelungenes Comeback in jenem Gebäude, in dem der längst aufgelöste BC 77 Bad Kissingen noch in den 90er Jahren ähnliche Abende mit großem Erfolg angeboten hatte. Bad Kissingens bekanntester Faustkämpfer ist sicher Alexander Tennigkeit, der an alter Wirkungsstätte viele Weggefährten traf - und äußerst angetan war. "Toll, dass so viele Leute da sind. Ich wünsche mir, dass es so weitergeht. Mit möglichst vielen Bad Kissingern wie in unserer guten Zeit Mitte der 80er Jahre. Aber wenn ich sehe, wie das heute angenommen wird, denke ich schon, dass es eine Neuauflage gibt", sagt Tennigkeit. Unter den Gästen war auch TSV-Ehrenvorsitzender Gustav Streng, der über die junge Abteilung im Verein nur anerkennende Worte fand. "Die Stimmung ist klasse. Wahnsinn, wie viele Leute hier sind, vor allem junge Leute."

Geboten wurde dem Publikum ein Vergleichskampf zwischen einer mit Thüringer Boxern verstärkten Bad Kissinger Auswahl sowie dem Golden Boxing Gym aus Wiesbaden, das sich Unterstützung ins Boot geholt hatte mit Kämpfern von Eintracht Frankfurt. "Unser Gegner musste einige Leute für Meisterschaften abstellen, daher gab es kurzfristig einige Änderungen", sagt TSV-Trainer Edgar Feuchter, der in Sachen Betreuung am Ring unterstützt wurde vom Mühlhausener Coach Uwe Bellstedt sowie von Florin Paul und Oliver Schauber. Auch über maximal drei Runden ist Boxen eine extreme Herausforderung. Dementsprechend intensiv wurde mit dem Handtuch Luft zugefächert oder aus der Wasserflasche mit Sprühaufsatz eine Gischtwolke ins Gesicht des Kämpfers geblasen.

Den Knockout-König besiegt

Das Highlight schlechthin war der Schwergewichts-Fight zwischen Lokalmatador Kai Friedensohn und Knockout-König Bilsen Planic. Vor kurzem erst hatte der Nüdlinger dem schlagstarken Kontrahenten ein Remis abgetrotzt. Diesmal gab es sogar einen Punktsieg zu feiern. Der Saal tobte, als der Hesse nach hinten taumelte und aus dem Ring fiel. "Ich wusste, was da auf mich zukommt. Ich hatte aber einen Plan und den habe ich durchgezogen", sagt Friedensohn, der Planic sich auspowern ließ, um am Ende die eigene konditionelle Stärke in die Waagschale zu werfen. "Viele Freunde und Bekannte waren da, das motiviert natürlich zusätzlich. Vor heimischem Publikum anzutreten, war zwar neu für mich, aber die Stimmung in der Halle war einfach klasse", sagt der 20-Jährige, der am folgenden Tag Schultern, Arme und Kiefer spürte, "das Übliche halt." Für Edgar Feuchter ist der amtierende Frankenmeister nicht nur ein guter Boxer, sondern vor allem ein Teamplayer. "Kai hat sich technisch enorm weiterentwickelt. Unser Ziel ist es, ihn bei der bayerischen, später vielleicht auch deutschen Meisterschaft an den Start zu bringen."

Bad Kissinger Erfolge sollten an diesem Abend die Ausnahme bleiben, was der hohen Qualität der Wiesbadener geschuldet war, immerhin amtierender hessischer Mannschaftsmeister. Cheftrainer der Hessen ist Rachid El Bakri, ein ehemaliger Amateur- und Profiboxer, der als Jugendlicher von Edgar Feuchter trainiert wurde und daher die Einladung an die Saale gerne angenommen hatte. Mit sechs PKW war der hessische Tross angereist - und präsentierte sich extrem professionell. "Unsere Kämpfer haben immer einen festen Ablauf. Nach dem Warmmachen gibt es die mentale Vorbereitung. Da erzählen wir den Jungs, dass sie die Besten, Größten und Schönsten sind. Dann gibt es eine Massage, ehe die Konzentrationsphase beginnt", erklärt der 38-Jährige, der mit seinem Team auch im Ausland Kämpfe bestreitet. "Als hessischer Mannschaftsmeister sind wir durchaus ein gefragter Gegner für andere Vereine."

Neue Pläne im Blick

Befreit von aller organisatorischen Last, blickt Edgar Feuchter euphorisch auf diese Premiere zurück. "Ich hatte mit 150 bis 200 Leuten gerechnet, aber niemals mit so einer Kulisse. Ich bin überwältigt und begeistert. Vom Publikum. Von der Atmosphäre. Von der Spannung, die in der Luft lag. Und von der Leistung meiner Jungs gegen einen so starken Gegner." Einer Neuauflage im nächsten Jahr stehe nichts im Wege. Dann will der 65-Jährige mit einer Unterfrankenauswahl gegen eine Thüringer Mannschaft antreten. "Wir wollen das noch einmal toppen. Und werden dafür wohl einen größeren Austragungsort in Bad Kissingen wählen." Boxer Zehn Kämpfer hatte der TSV Bad Kissingen in den Ring geschickt: Paul Elias, Max Neb, Mohammad Shadab, Louis Krassa, Kai Friedensohn und Florian Säwert sowie vom Boxclub aus Mühlhausen Duna Matay, Ansar Janaev, Daniel Bertz und Daniel Maik.

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