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Rhoenline: Die Webkameras ziehen um

Die Seite www.rhoenline.de war jahrelang auch dank ihrer Webkameras Infoquelle Tausender Besucher der Rhön. Dann bremste der neue Datenschutz sie aus. Jetzt gibt es eine Lösung.
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Nachdem die Rhöner Webkameras nicht mehr direkt auf www.rhoenline.de abrufbar sind, hat Homepage-Gründer Marc Niedermeier sie auf www.rhoencams.de neu verlinkt.Repro Steffen Standke
Nachdem die Rhöner Webkameras nicht mehr direkt auf www.rhoenline.de abrufbar sind, hat Homepage-Gründer Marc Niedermeier sie auf www.rhoencams.de neu verlinkt.Repro Steffen Standke
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Liegt genügend Schnee auf dem Kreuzberg? Ist die Sicht von der Wasserkuppe frei oder hüllt Nebel sie ein? Ist viel los am Schwarzen Moor? Die Homepage www.rhoenline.de war eine der ersten - wenn nicht die erste - die solche und ähnliche Fragen im Internet beantwortete. Das gelang durch ein breites Netz an Webkameras, installiert an touristischen und Wintersportzentren der Rhön. Jeder Nutzer konnte - egal, wo er über die Homepage auf die Kameras zugriff - zum Beispiel Wetter und Schneelage vor Ort begutachten. Informationen zu besonders sehenswerten Plätzen in dem Mittelgebirge gab es dazu.

Doch seit dem Frühjahr ist mit dem Filmen Schluss. Zumindest funktionieren die Links zu den Kameras nicht mehr. "Die Rhön-Cams können momentan aus datenschutzrechtlichen Gründen nicht angeboten werden", begründen es die Betreiber auf ihrer Homepage. Bedeutet: Nutzer der Seite, die sich überrhoenline.de zum Beispiel über die winterlichen Verhältnisse in dem Mittelgebirge informieren wollen, schauen in den Mond.

Rückblende: Es war wie ein Aufbruch, als Marc Niedermeier aus Wildflecken und sein Mitstreiter Jürgen Hüfner aus Schönderling 1996 die Seite www.rhoenline.de ins Netz stellten. Vorher, so erzählt es Niedermeier heute, habe die Rhön im Internet so gut wie nicht stattgefunden.Eigentlich wollten er und Hüfner ursprünglich nur die Schönheit des Mittelgebirges ins Licht der Öffentlichkeit bringen und es nicht gezielt vermarkten. Da passte die Idee gut, besonders attraktive Plätze mit den gerade aufkommenden Webcams abzubilden. Vor allem Niedermeier setzte dieses Konzept ab 1998/99 konsequent um. Nachdem er die ersten Kameras an Kreuzberg und Wasserkuppe installiert hatte, interessierten sich immer mehr Lift- und Hotelbetreiber, aber auch Gemeinden und andere Institutionen dafür, berichtet er. Die Rhön wurde Webcam-technisch immer vernetzter.

Die Macher von www. rhoenline.de verlinkten die bis zu 20 Kameras auf ihrer Homepage, so dass sich darüber Bilder ab- und aufrufen ließen. Das sorgte für viel "Traffic" auf der Seite; bei manchen Kameras generierte das mehr als 10 000 Clicks pro Tag. Bald lockten Niedermeier und Hüfner andere berufliche Projekte. Sie stiegen aus "rhoenline.de" aus, überließen die Website den jetzigen Betreibern aus Rhön-Grabfeld, die die Homepage als Privatpersonen managen, zur Verwaltung. Jahrelang liefen die Kamera-Übertragungen weiter. Bis eben am 25. Mai 2018 die Datenschutz-Grundverordnung in Kraft trat und die Betreiber die Verlinkungen vorsichtshalber löschten. Aus Angst, rechtlich belangt zu werden.

Auch wenn die rhoenline-Macher Niedermeier und Hüfner längst ausgestiegen sind: Die meisten Kameras bleiben aktiv. Einige sind über Suchmaschinen und die Internetseite der Tourismusvermarktung Rhön GmbH (www.rhoen.de) abrufbar. So gibt es dort zum Beispiel Webcam-Bilder von der Wasserkuppe oder vom Schwarzen Moor zu sehen, aber auch aus Bad Neustadt und vom Kreuzberg.

Die Presseverantwortliche der Rhön GmbH, Kathrin Kupka-Hahn, sieht darin nichts rechtlich Bedenkliches. Sie verweist auf Paragraf 23 des Kunst-Urhebergesetzes. Demnach dürfen ohne Einwilligung des oder der Betroffenen Bilder verbreitet werden, " auf denen die Personen nur als Beiwerk neben einer Landschaft oder sonstigen Örtlichkeit erscheinen".

Bei einer Kamera an einem Skilift sei das zum Beispiel der Fall. Dabei stünden der Lift, die Landschaft und das Wetter im Vordergrund; nicht die Skifahrer. Würden sie im Bild fehlen, fiele das auch nicht ins Gewicht. "Wäre das rechtlich nicht erlaubt, wären die Webcams längst von unserer Seite weg."

Er habe mit dem Projekt Rhoenline abgeschlossen, sagte Marc Niedermeier auf Anfrage. Er arbeitet inzwischen bei einer Paragliding-Flugschule auf der Wasserkuppe, kümmert sich um die Vermarktung des höchsten Berges der Rhön. Als Reaktion auf die Recherchen dieser Zeitung wurde der Wildfleckener doch wieder aktiv.

Niedermeier hat die Kameras auf der schon länger bestehenden Homepage www.rhoencams.de zusammengefasst und über eine Landkarte verlinkt. Auf diese Seite soll es wiederum bald eine Verknüpfung von www.rhoenline.de geben, kündigen deren Verwalter an. Weil sie nicht selbst Betreiber von www.rhoencams.de sind, halten sie diese Lösung für unbedenklich..



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