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Wildflecken
Umweltschutz

Rhönallianz: Zähes Ringen um ein gemeinsames Abwasserkonzept

Die Rhönallianz möchte ihre Idee einer einleitungsfreien Sinn zum Modellprojekt machen. Doch die Suche nach Fördermittelgebern ist nicht so einfach - und die Zeit drängt.
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Guido Donner überprüft regelmäßig die Wasserqualität der Kläranlagen in Wildflecken und Oberbach.  Beide Kläranlagen sind deutlich in die Jahre gekommen. Foto: Archiv/Ulrike Müller
Guido Donner überprüft regelmäßig die Wasserqualität der Kläranlagen in Wildflecken und Oberbach. Beide Kläranlagen sind deutlich in die Jahre gekommen. Foto: Archiv/Ulrike Müller
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Es ist Wahlkampf. Die Bundestagsabgeordnete Sabine Dittmar (SPD) hatte der Brückenauer Rhönallianz angeboten, ein Treffen mit dem Staatssekretär Florian Pronold zu vermitteln. Pronold war von 2009 bis 2017 Vorsitzender der SPD in Bayern. Seit Ende 2013 ist der Staatssekretär am Bundesumweltministerium - und genau deshalb ist er für die Rhönallianz interessant.

Die acht Kommunen der Rhönallianz - das sind Bad Brückenau, Geroda, Motten, Oberleichtersbach, Riedenberg, Schondra, Wildflecken und Zeitlofs - möchten beim Abwasser zusammenarbeiten. Zum einem geht es darum, eine Lösung für die Entsorgung von Klärschlamm zu finden. Es ist absehbar, dass die gesetzlichen Auflagen hier immer höher werden, sprich, die Entsorgung teurer wird. Zum anderen gibt es die Idee, das gesamte Abwasser des Oberen und Mittleren Sinngrunds zentral in der Kläranlage in Trübenbrunn aufbereiten zu lassen. Die Sinn wäre so weitgehend frei von durch den Menschen verursachten Verschmutzungen.

Keine Angelegenheit des Bundes

Der Staatssekretär hörte sich alles an. "Wir sind nicht ein Tal wie jedes andere", erklärte Uwe Schmidt, der Allianzmanager. Einige Kernzonen des Biosphärenreservats Rhön, in der die Natur sich frei entwickeln soll, grenzen an den Wildbach an. Wasserschutz, Heilquellenschutz, Naturschutzgebiete sowie die Biberplattform im Staatsbad zählte er auf. "Wenn man das zusammennimmt, ergibt sich ein besonders schützenswerter Raum", sagte Schmidt.

Doch die Bürgermeister waren bei Pronold an der falschen Adresse. "Es wäre vermessen, wenn ich eine Lösung aus dem Ärmel schütteln würde", sagte dieser. Es gebe zwar die Möglichkeit, über das Umweltinnovationsprogramm einen Zuschuss zu bekommen. Pronold räumte der Allianz aber wenig Chancen ein, "weil das technisch Neue fehlt". "Nach meiner Einschätzung ist das sehr schwierig, weil der Bund primär nicht zuständig ist", verwies er die Kommunalpolitiker an den Freistaat Bayern.

Große Lösung hat großen Preis

Auch den Hinweis auf den Standort der Bundeswehr - die Rhön-Kaserne leitet das Abwasser ins Kanalnetz des Marktes Wildflecken - ließ Pronold nicht gelten: "Das ist leider kein Argument." Das Anliegen aber verstand er sehr gut. Er sei sich sicher, dass die Reinhaltung von Gewässern in der Zukunft höhere Priorität haben werde. Auch die Bevölkerung werde immer sensibler für Verunreinigungen, wie sie durch Medikamentenrückstände, multiresistente Keime oder Mikroplastik passieren.

"Wir müssen jetzt bald zu Potte kommen", sagte Brigitte Meyerdierks (CSU), Bürgermeisterin von Bad Brückenau und Vorsitzende der Allianz. Wildfleckens Bürgermeister Gerd Kleinhenz (PWG) machte deutlich, dass der Gemeinderat noch immer nicht wisse, ob eine neue Kläranlage gebaut werde. Falls ja, so müsse man für einen Neubau wissen, was mit dem Klärschlamm gemacht werde. Eine weitere Verzögerung kann sich die Gemeinde eigentlich nicht leisten, denn der Zustand der Kläranlage in Wildflecken ist prekär.

Als nächstes wird die Rhönallianz gemeinsam mit dem Wasserwirtschaftsamt Bad Kissingen an das bayerische Umweltministerium herantreten. Die dafür nötigen Berechnungen lägen inzwischen vor, sagte Allianzmanager Uwe Schmidt nach der Veranstaltung. Die große Lösung einer zentralen Abwasserbehandlung und einer gemeinsamen Verwertung des Klärschlamms ist nämlich auch die teuerste. Allein können die Kommunen das unmöglich stemmen.

Das möchte die Rhönallianz:

Abwasser Drei Kläranlagen gibt es im Oberen Sinngrund, sie alle sind deutlich in die Jahre gekommen und müssten ersetzt werden. Die Kläranlage in Trübenbrunn, die die Stadtwerke Bad Brückenau betreiben, hätte das Potenzial, das gesamte Abwasser von Wildflecken bis Bad Brückenau zu behandeln. So könnte der Wildbach Sinn weitgehend von Einleitungen frei gehalten werden. Den stark verdünnten Überlauf aus Regenrückhaltebecken verhindert das Konzept aber nicht.

Klärschlamm Eine Zusammenarbeit der Rhönallianz sieht Folgendes vor: Wenn neben Bad Brückenau auch Wildflecken und Riedenberg ihr Abwasser nach Trübenbrunn leiten, würde dort eine Menge Klärschlamm anfallen. Die Gemeinden Geroda, Motten, Oberleichtersbach und Schondra könnten ihren Klärschlamm ebenfalls nach Trübenbrunn bringen. Nur wenn genug Masse vorhanden ist, lohnt sich der Neubau eines Faulturms. Mit der Energie könnte ein Blockheizkraftwerk betrieben werden. Auch der Bau einer Verbrennungsanlage für den dann schon behandelten Klärschlamm ist denkbar.

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