Bad Kissingen

Revolutionäres und Romantisches

Bekannte und unbekannte Werke von sieben verschiedenen Komponisten stehen auf dem Programm des Bad Kissinger Opernrings.
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Albert Lortzings Oper "Regina" im Meininger Theater ist eines der Werke, deren Besuch der Opernring Bad Kissingen bei seinen Fahrten anbietet. Unser Bild zeigt Sonja Freitag und Ernst Garstenauer in einer Szene der Oper.  Foto: Marie Liebig
Albert Lortzings Oper "Regina" im Meininger Theater ist eines der Werke, deren Besuch der Opernring Bad Kissingen bei seinen Fahrten anbietet. Unser Bild zeigt Sonja Freitag und Ernst Garstenauer in einer Szene der Oper. Foto: Marie Liebig
Auf die Teilnehmer des Bad Kissinger Opernrings warten in der spielzeit 2015/16 Aufführungen in Karlsruhe, Frankfurt, Wiesbaden, Altenburg, Chemnitz und Meiningen. Der Opernring Bad Kissingen besteht seit 1983. Er ist ein Angebot der Volkshochschule Bad Kissingen. Pro Spielzeit besuchen die Abonnenten acht Vorstellungen in verschiedenen Opernhäusern und Theatern. Die Vorstellungen finden jeweils am Wochenende statt. Die Aufführungsorte sind so gewählt, dass nach den Vorstellungen immer nach Bad Kissingen zurückgefahren wird. Übernachtungen sind somit ausgeschlossen. Die Fahrten zu den jeweiligen Vorstellungen finden mit einem Reisebus statt. Abfahrt ist in Bad Kissingen am Berliner Platz.


Der fliegende Holländer

Das Programm beginnt mit einer Aufführung der Oper "Der fliegende Holländer" am 11. Oktober um 19.30 Uhr in Wiesbaden. Treue bis in den Tod ist es, was die schwärmerische Senta sich unter der Liebe vorstellt. Aber braucht ein mit den Wassern aller Meere gewaschener Weltenbummler die absolute Treue eines jungen Mädchens, um seinen Seelenfrieden zu finden? Aus Heinrich Heines Erzählvorlage schuf Wagner ein Werk in Stimmungsnähe zu Novalis und ETA Hoffmann.
Wagners "Fliegender Holländer" ist ein Gipfelwerk der deutschen Romantik, die in Utopien und Nachtschwärmereien flüchtet.


Le prophète

Am 28. November um 18 Uhr folgt in Karlsruhe "Le prophète" (Der Prophet) von Giacomo Meyerbeer. Seine spektakulären Werke waren "Blockbuster", die die Straßen leerten. Der Andrang bei Vorstellungen war so groß, dass Wachen aufgestellt wurden. Das liegt zum einen an der effektvollen Musik, den überwältigenden Chortableaus und Ballettmusiken, zum anderen am politischen Gehalt der Libretti, mit denen er auf aktuelle Ereignisse und Debatten seiner Zeit Bezug nahm. Mit der Revolutionsoper "Der Prophet" von 1849, die er in Deutschland und Holland zur Zeit der Reformation spielen lässt, schuf er ein eindrucksvolles und bis heute aktuelles Werk über die Manipulation der Massen durch religiöse Führer.


Stiffelio

"Stiffelio" von Giuseppe Verdi steht am 31. Januar um 18 Uhr in Frankfurt auf dem Programm. Der protestantische Prediger Stiffelio will den Mitgliedern seiner tiefgläubigen, abgeschieden von der Welt lebenden Gemeinde christliche Nächstenliebe und barmherzige Verzeihung nahebringen. Als er damit konfrontiert wird, dass seine Ehefrau Lina ihm untreu geworden ist, wird sein Anspruch an sich selbst auf eine Zerreißprobe gestellt. Linas Vater, Graf Stankar, geht es um die Wahrung des äußeren Scheins und die vermeintliche Familienehre. Er meint, seinen Glauben umstandslos mit einem Mord an Raffaele, dem windigen Verführer seiner Tochter, vereinen zu können. Lina, die gefallene Gattin, erweist sich in einer bigotten Welt religiöser Hardliner als große Liebende.


Martha

Friedrich von Flotows romantisch-komische Oper "Martha" ist am 21. Februar um 14.30 in Altenburg zu sehen.
Lady Harriet, Ehrenfräulein der Königin, führt ein eintöniges Leben bei Hofe. Als eines Tages am Fenster Mädchen auf dem Weg nach Richmond vorbeiziehen, um sich als Mägde zu verdingen, kommt ihr eine verrückte Idee: Zusammen mit ihrer Vertrauten Nancy verkleidet sie sich als Dienstmagd und zieht ebenfalls zum Markt. Unter den Decknamen "Martha" und "Julia" lassen sich die beiden Frauen inkognito von den Pächtern Lyonel und Plumkett anwerben.


Don Pasquale

"Don Pasquale" von Gaetano Donizetti wird in Eisenach am 13. März um 15 Uhr gezeigt.
Eine reiche Dame hat der eingefleischte Junggeselle Don Pasquale für seinen Neffen Ernesto ausgesucht. Doch der Bengel weigert sich glatt, sie zu heiraten - er sei in eine andere verliebt! Pasquale entscheidet sich, Ernesto das Erbe zu vermiesen, indem er selbst heiratet. Es folgt eine Finte, um das mittellose junge Paar doch noch glücklich zusammenzuführen.


Il Trittico

In Frankfurt steht dann am 9. April um 19 Uhr "Il Trittico", ein Triptychon aus drei Einaktern von Giacomo Puccini auf dem Programm: "Il tabarro ", "Suor Angelica" und "Gianni Schicchi". Aus Milieudrama, Seelenstudie und Burleske ergibt sich Giacomo Puccinis Il trittico. Il tabarro - ein blutiges Eifersuchtsdrama in bitterem Realismus um den vereinsamten, betrogenen Kahnbesitzer Michele, seine hübsche, lebensgierige Frau Giorgetta und den zwanzigjährigen Löscher Luigi im hoffnungslosen Umfeld der Seine-Schiffer; Suor Angelica - die Tragödie einer Nonne, die Selbstmord begeht, als sie im Kloster vom Tod ihres Kindes, der Frucht einer sündigen Leidenschaft, erfährt; Gianni Schicchi - eine bissige Komödie, in der ein habgieriger Familienclan durch den Betrug eines gewitzten Aufsteigers um sein Erbe gebracht wird.


Die Meistersinger von Nürnberg

Richard Wagners "Meistersinger von Nürnberg" besucht der Opernring am 8. Mai um 15 Uhr
in Chemnitz. Im Nürnberg des 16. Jahrhunderts verliebt sich Eva in Walther von Stolzing, einen Junker vom Lande. Ihr Vater ist Mitglied der Meistersinger. Er verspricht seine Tochter demjenigen zur Frau, der beim bevorstehenden Johannisfest das schönste selbstgeschriebene Lied vorträgt. Walther muss nun binnen weniger Stunden zum Meistersinger werden.


Regina

Albert Lortzings Revolutionsoper Regina beschließt am 4. Juni 2016 um 19.30 Uhr in Meiningen das Programm des Opernrings.
Das Revolutionsjahr 1848 macht auch vor Fabrikbesitzer Simon nicht Halt: Seine Arbeiter fordern mehr Lohn und drohen mit Streik. Zwar kann er zunächst den Aufruhr besänftigen und die Aufmerksamkeit auf die Verlobung seiner Tochter Regina lenken, doch die Unzufriedenheit sitzt tief. Und so kommt es zu weiteren Ausschreitungen, in deren Wirren Reginas abgewiesener Verehrer Stephan die junge Frau entführt. Mit ihrem Peiniger auf der Flucht, muss Regina erkennen, dass Argumente die Gewalt nicht stoppen können - und dass Stephan bereit ist, ein Munitionslager mitsamt der darum versammelten Menschenmenge in die Luft zu sprengen.
Dem Komponisten war klar, dass seine "ernst zu nehmende" Oper mit ihrem politischen Kommentar den Nerv der Zeit empfindlich treffen würde: Als Text- und Tondichter in Personalunion verfasste Lortzing das Werk 1848 unter dem Eindruck der Märzrevolution. Angesiedelt in einer Fabrik, bevölkert von "Arbeitern aus allen Klassen" - das war für die Opernbühne ein revolutionärer, nie dagewesener Ansatz. Doch der Reihe nach erteilten Verlage und Theater "Regina" eine Absage. Auf die Bühne kam die Freiheitsoper fast ein halbes Jahrhundert nach Lortzings Tod - und auch das nur in einer verfälschten, politisch entschärften Bearbeitung. Erst 1998 wurde das noch immer selten gespielte Werk in seiner Originalgestalt uraufgeführt.


Informationen

Weitere Informationen zum Opernring gibt es unter Tel.: 09704/ 5885 oder unter E-Mail bad.kisinger@opernring.de.

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