Bad Kissingen
Wirtschaft

Ran an alte Sparstrümpfe

Die Deutschen horten noch rund 12,8 Milliarden D-Mark. In der Bad Kissinger "Kaufland"-Filiale können Kunden wie Alfred Wahler bis Monatsende damit bezahlen.
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Schweren Herzens trennte sich Alfred Wahler an Marcelina Schulas Kasse von seinen alten D-Mark-Münzen. Fotos: Ralf Ruppert
Schweren Herzens trennte sich Alfred Wahler an Marcelina Schulas Kasse von seinen alten D-Mark-Münzen. Fotos: Ralf Ruppert
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Für Alfred Wahler aus Ramsthal ist die aktuelle "Kaufland"-Aktion mehr als ein Werbegag: Das Einkaufen mit der guten alten D-Mark war für den 90-Jährigen ein Wechselbad der Gefühle. "Dieser Fünfer hier enthielt zum Beispiel mehr Silber als die Münze wert war, deshalb wurde er wieder eingezogen", erzählt er und deutet auf eine Fünf-Mark-Münze.
Früher habe er sich ausführlich mit Mark und Pfennig beschäftigt, bis heute kann er die fünf Prägeorte und -marken aufzählen. Auch deshalb trennte er sich an der Kasse schweren Herzens von den Altbeständen, aber: "Was soll ich denn damit noch?"
Marcelina Schula ist eine der Kassiererin an den Kaufland-Kassen. "Die Menschen erzählen oft auch, woher das Geld stammt, manche haben es beim Aufräumen gefunden, andere bei einer Wohnungsauflösung", sagt sie. Manche kämen mit ganzen Beuteln voller Münzen, aber auch 100 D-Mark-Scheine gab es schon mehrfach.


Keine längeren Schlangen

"Wir waren gleich in der ersten Woche überrascht, wie gut das ankommt", berichtet Hausleiterin Agnes Kalb-Seng. Auch viele Neukunden seien dadurch in die Filiale in der Ex-Kaserne gekommen. Die bis zu 5000 Kunden pro Tag können ihre alten D-Mark-Bestände zum offiziellen Kurs von 1,95583 D-Mark für einen Euro umtauschen. "An der Kasse ist das kein Problem, wir haben sehr erfahrene Mitarbeiterinnen", berichtet Agnes Kalb-Seng. Deshalb gebe es keine längeren Warteschlangen.
Anders sieht es hinter den Kulissen aus: "Wir haben natürlich nur noch Zählmaschinen für Euro-Münzen und -Scheine", verweist die Hausleiterin darauf, dass die Abrechnung die ein oder andere Stunde länger dauert, weil Mark und Pfennig per Hand gezählt werden müssen.


Verbunden mit Retro-Aktion

Das Bezahlen mit der D-Mark ist auch immer wieder Gesprächsthema: "Viele haben das Geld beim Aufräumen gefunden, aber etliche hatten es auch als Reserve aufgehoben und geben es jetzt halt doch aus", hat Agnes Kalb-Seng erfahren. Die Aktion komme ebenso gut an, wie die Verbindung mit Retro-Produkten: In den Regalen stehen etliche Waren in der Aufmachung der 1950er bis 1990er Jahre: Vom Zwieback in der Blechdose bis zu Metall-Schildern.
Die Kaufland-Aktion kommt auch deshalb so gut an, weil der Umtausch von D-Mark in Euro ansonsten nur bei Filialen der Deutschen Bundesbank möglich ist. Dorthin verweist auch die Bad Kissinger Sparkasse ihre Kunden mit D-Mark-Altbeständen: "Nach Auskunft der Kollegen in den Kassen kommen zirka fünf bis höchstens zehn Mal im Jahr Personen auf uns zu, um D-Mark in Euro umzutauschen", berichtet Elke Körner von der Sparkasse.


Im Schnitt zehn Vorgänge pro Tag

"Zum DM-Euro-Umtausch kommen immer noch täglich zahlreiche Bürgerinnen und Bürger in die Würzburger Filiale", berichtet Jens Schmidt von der Deutschen Bundesbank. Knapp 2500 DM-Euro-Umtauschvorgänge seien es im Durchschnitt 2015 gewesen, also etwa zehn Kunden pro Geschäftstag. Umgetauscht wurden dabei alleine in der Würzburger Mönchbergstraße 2015 knapp 1, 5 Mio D-Mark, genau ein Gegenwert von 766 938 Euro. Dabei ist die Filiale besser aufgestellt als Kaufland: "Sowohl für Münzen, als auch für Scheine sind nach wie vor Zählmaschinen im Einsatz und gerade für den Fall größerer Einzahlungen ein unverzichtbares Hilfsmittel." Zum Teil tauche sogar DM-Falschgeld auf, allerdings wurde in Würzburg im kompletten Jahr 2015 lediglich eine falsche Banknote entdeckt, berichtet Jens Schmidt.



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