Bad Kissingen
Verkehr

Radwege in Bad Kissingen: Probleme werden nicht angegangen

Radtourismus und E-Bikes boomen. In Bad Kissingen gib es neben großer Stärken aber auch Defizite bei den Radwegen. Die sind lange bekannt.
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Der Weg durch die Bad Kissinger Innenstadt ist an einigen Stellen nicht besonders  Radfahrer freundlich. Foto: Benedikt Borst
Der Weg durch die Bad Kissinger Innenstadt ist an einigen Stellen nicht besonders Radfahrer freundlich. Foto: Benedikt Borst
Wer entlang der Saale durch Bad Kissingen radelt, der kann das auf eigenen Radwegen tun, inmitten schöner Parks. Wer dagegen von Garitz aus Richtung Gymnasium und Realschule, ehemalige Kaserne und Winkels unterwegs ist, der muss zum Teil stark befahrene benutzen. Mehrere tausend Fahrzeuge verkehren täglich auf den Hauptverbindungswegen zwischen Ost- und West, wie der Schönborn-, Max- und Kapellenstraße. Für den Stadtrat und überzeugten Radfahrer Richard Fix (Grüne) ist das einer von vielen Problempunkten. "Ich halte einige Bereiche in der Stadt für fahrradunfreundlich", kritisiert er.

Die Probleme sind lange bekannt. Vor ziemlich genau fünf Jahren hat der Stadtrat die Verwaltung damit beauftragt, ein Radverkehrskonzept für die Innenstadt zu erarbeiten. Es wurde in der Folge eine Projektgruppe gegründet und es gab eine Befragung, bei der sich rund 70 Bürger einbrachten. "Aber es wird nicht umgesetzt", ärgert sich der Stadtrat. Dabei sei aus Sicht der Einwohner, aber auch aus Sicht von Touristen der Bedarf da. Grundsätzlich sollte das Radfahren nicht so stiefmütterlich behandelt werden, "wenn man eine Stadt sein will, die sich als gesund bewirbt".

Aus dem Rathaus heißt es, dass Radwege zwar sehr wohl als wichtig angesehen werden, allerdings gebe es dringendere Themen, die bearbeitet werden müssen. Die Sanierung der Fußgängerzone zum Beispiel. Aufgrund der umfangreichen Voruntersuchungen verschiebt sich der Baubeginn für das 26-Millionen-Euro-Projekt ebenfalls bereits seit Jahren.


Dass die Verwaltung das Konzept vor sich herschiebt, bedeute nicht, dass sich nichts tut. "In den letzten Jahren wurde gerade bei Bundesstraßen begleitenden Radwegen viel geschafft", entgegnet Stadtplanerin Christine Schwind. Mit den Radwegen nach Arnshausen und Albertshausen wurden zwei wichtige Projekte umgesetzt. Aktuell finden zudem Gespräche statt, um den Stadtteil Poppenroth ebenfalls an den Radweg Albertshausen anzubinden. Schwieriger sei da der schon lange versprochene Radweg entlang der B287 nach Euerdorf. Hier lässt der Durchbruch bei den Verhandlungen zwischen den Kommunen und dem staatlichen Bauamt noch auf sich warten.

In Sachen Anbindung für den Radtourismus sei die Stadt gut aufgestellt, findet Schwind. Innerstädtisch, gerade bei der Ost-West-Verbindung, gebe es Defizite. "Da haben wir keine wirklich gute Lösung", gibt sie zu. Problematisch sei die Fußgängerzone mit ihren engen Gassen und dem älteren Publikum. Die Altstadt liegt wie ein Bollwerk mitten auf der Ost-West-Verbindung. "Da können wir die Radfahrer nicht einfach durchfahren lassen", gibt die Stadtplanerin zu bedenken. In den nächsten Monaten soll es eine Klausur geben, als Auftakt für ein großes Verkehrskonzept. Das soll sich sowohl mit den Auswirkungen des geplanten Garitzer Kreisels beschäftigen, der Sanierung der Schlachthofkreuzung als auch mit der Frage, wie der Verkehr in Bad Kissingen gelenkt wird, sollte die Stadt den Unesco-Weltkulturerbe-Titel verliehen bekommen. Und: "Ein wesentlicher Punkt des Konzepts werden Radwege sein", kündigt Schwind an.

Stadtrat Fix gehört dem Kissinger Öko-Stammtisch an. Auf einem der jüngsten Treffen haben die Teilnehmer eine Liste erarbeitet mit Vorschlägen, wie sich mit einfachen Mitteln etwas für Radfahrer verbessern ließe. "Wir möchten vor allem, dass man Sachen angeht, die ohne große Kosten umzusetzen sind", erklärt er. Einige Ideen zielen darauf ab, bestehende Wege für Radfahrer freizugeben. Dazu gehören beispielsweise die Gehsteige entlang des Nordrings, Wege im Luitpoldpark, die eine direkte Verbindung zwischen den Saalestegen und den umliegenden Straßen herstellen, sowie der Fußweg bergauf an der vielbefahrenen Schönbornstraße.

Gerade der Fußweg auf dem Damm zwischen Schweizerhaussteg und Hallenbad sollte für Radfahrer befahrbar sein, damit die nicht mehr auf dem bestehenden Radweg mitten durch einen Biergarten fahren müssen. Ebenso sollte in der Steinstraße das Radfahren auf dem Gehsteig erlaubt sein. Die Steinstraße ist die Zufahrt zu Gymnasium, Mittelschule und Bayernhalle. "Wenn man will, dass die Kinder mit dem Rad zur Schule fahren, muss man das machen", findet Fix. Für die Innenstadt regt der Öko-Stammtisch an, die Ludwigstraße von 19 bis 11 Uhr für Radfahrer zu öffnen, die Einfahrt in unechte Einbahnstraßen (z. B. Spital- und Weidgasse) zuzulassen sowie die Durchfahrt von der Theresien- zur Von-Hessing-Straße über Bachstraße und Rathausplatz zu erlauben. Diese Maßnahmen sollen unter anderem die beengte Maxstraße entlasten.

Vom Mountainbiker in der Rhön bis zum E-Bike-Radler im Saaletal. Für Hoteliers und Gastronomen hat der Natur- und Radtourismus zuletzt an Bedeutung gewonnen. Einige Übernachtungsbetriebe bieten abschließbare Radräume oder eigene Fahrradverleihs an. "Der Naturtourismus boomt und bietet viele Chancen", sagt Ines Hartmann, Pressesprecherin der Staatsbad GmbH. Die ehemalige Kurverwaltung ist für die touristische Vermarktung der Stadt zuständig. Die Mitarbeiter der Kurgärtnerei richten zudem die Radwege in den Parkanlagen her.

Bad Kissingen punkte durch die Nähe zum Biosphärenreservat und Naturpark Rhön sowie zum Naturpark Steigerwald. Darüber hinaus besitze die Stadt gut ausgeschilderte Radwanderwege, die durch die Parkanlagen und die umliegenden Wälder und zu zahlreichen Aussichtspunkten und Sehenswürdigkeiten führen. "Aus unseren Erfahrungen können wir sagen, dass sich Gäste während der Saison mehrmals wöchentlich nach Radwegen erkundigen und vor allem ebenerdige Wege gefragt sind. Zu den Radwegen in den Parkanlagen erhalten wir positive Rückmeldung seitens der Gäste", berichtet Hartmann. Auch geführte Radtouren seien sehr beliebt.
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