Trimberg
Historie

Pulverdampf und Donnerschlag

Das "Kurbairische Dragonerregiment Johann Wolf" zeigte, wie im 30-jährigen Krieg die Trimburg eingenommen worden ist. Mit dabei war auch ein Trimberger als Artillerist.
Artikel drucken Artikel einbetten
Auch die Frauen im Dragonerregiment verstehen sich aufs Kanonenschießen. Foto: Winfried Ehling
Auch die Frauen im Dragonerregiment verstehen sich aufs Kanonenschießen. Foto: Winfried Ehling
+4 Bilder

Das Wahrzeichen des Marktes Elfershausen, die Trimburg, wurde wieder einmal eingenommen. Doch nicht von kühnen Rittern sondern vom "Kurbairischen Dragonerregiment Johann Wolf", das im 30-jährigen Krieg in der fränkische-hessischen Region so manche Schlacht schlug. Die Einnahme der Trimburg im drei Jahrzehnte währenden Waffengang ist sogar geschichtlich verbrieft.

Das Kurbairische Dragonerregiment dürfte aber nicht für die Verwüstung der Landmarke verantwortlich sein. Schon eher schwedische Truppen, deren Belagerung der Trimburg ebenfalls dokumentiert ist. Um sie rankt sich eine Legende. Demnach schossen die hungernden Verteidiger einst ihr letztes Schwein mit einem Katapult ins Lager der Angreifer und führten sie so an der Nase herum. Denn wer Schweine verschießt, hat genug Essen im Hause, folgerten Carl Gustavs Truppen daraus und verschwanden - angeblich.

Das Dragonerregiment ist eine Historiengruppe aus Mömlingen, die an Darstellungen am ganz Europa verwüstenden Krieg teilnimmt. Erst kürzlich aus dem niederländischen Groningen zurückgekehrt, war das Regiment Johann Wolf in eine mehrtägige Demonstration aus besagter Zeit eingebunden, bei der 650 Akteure mitwirkten, berichtet "Hauptmann" und Gruppengründer Uwe Klotz. Sie stellten die entscheidende Schlacht aus dem dortigen 80-jährigen Krieg nach, als die Holländer die Spanier aus dem Land warfen.

Der große, kräftige Anführer legt viel Wert auf Authentizität. So müssen die Gewänder aus Wolle und Leder selbst gefertigt sein und auch die Ausrüstungsdetails nimmt er unter die Lupe. Ob die Waffen, Pike, Schwerter, Musketen und Kanonen alle aus eigener Schmiede stammen, kann nur mit "vielleicht teilweise" beantwortet werden. Klotz, früher Mitglied eines Schützenvereins, konnte bei den Schützenbrüdern keine Begeisterung für die Idee einet Historiengruppe auslösen. Deshalb warb er 2012 mit einigen Freunden für seine Leidenschaft und scharte 40 Getreue, Frauen und Männer, um sich, die er "befehligt".

Er kennt sich aus in der Geschichte dieser Soldaten und der Truppenführung. Er weiß, wann und wo er Pikeniere, Musketiere, Kanoniere und Kürassiere einzusetzen hat. Seit einem Jahr ist auch Reinhold Wahler, der Sprecher der Trimberger Ritterschaft, als Artillerist im Dragonerregiment.

Nanu? Ist der Trimberger seiner eingefleischten, mittelalterlichen und römischen Passion untreu geworden? Mitnichten. "Ich habe mich für alles zu einem Drittel entscheiden - nicht ganz im Sinne mit meiner Ehefrau", räumt er ein. "Doch ich war so fasziniert von den Mömlingern, dass ich eintreten musste. In Wien beim Montur und Pulverdampf des Historischen Militärmuseums und in Holland war ich dabei. Jetzt freue ich mich auf Steinau, wo ein Mittelalter-Treffen mit rund 500 Leuten ansteht", fügt er hinzu.

Auf einem Stück abgesperrten Parkplatz vor der Burg treten die Kanoniere an. Ein 40 Millimeter schwedisches Feldgeschütz kommt ins Spiel. Unter den Augen von Klotz laden die Kanoniere die Kanone mit großer Sorgfalt. Geschossen wird mit Schwarzpulver. Alt-Bürgermeister Otmar Pfister hält es nicht. In seiner Bundeswehrzeit selbst Artillerist, will er das Geschütz abschießen und bekommt die Freigabe.

Ein mächtiger Knall, viel Pulverdampf und ein schwarzer Balken auf Pfisters Wange nennt sich Kanonier-Weihe. Die empfängt auch der amtierende Bürgermeister, Karlheinz Kickuth nach dem Abschuss - jedoch ohne roten Wangenstrich. Dass Frauen im Dragonerlager nicht nur kochen und knüpfen können, beweist eine Dame, die das Geschütz ebenfalls donnern lässt. Die Trimburg sagt den Waffengästen zu. Hauptmann Klotz denkt bereits über eine weitere, größere Präsentation im nächsten Jahr nach.

Reinhold Wahler plant für das letzte September-Wochenende eine Burgbelebung. "Ein Mittelalter-Markt wäre auch wieder einmal interessant", überlegt er. Bürgermeister Kickuth hätte nach eigenem Bekunden nichts dagegen einzuwenden. "Die Trimburg soll Leben erfüllen", kommentiert er.

Verwandte Artikel
was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren