Bad Kissingen
Theater

Psychothriller gekonnt im Bad Kissinger Kurtheater inszeniert

Regisseur Thomas Rahmer gastiert mit den "Theatergastspielen Fürth" in der Kurstadt. Das Stück "Der Fremde im Haus" geht auf eine Kurzgeschichte von Agatha Chrstie zurück, die in die heutige Zeit übertragen wird.
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Bruce Lovell alias Sasa Kekez und Cecily alias Sarah Elena Timpe. Foto: Klaus Werner
Bruce Lovell alias Sasa Kekez und Cecily alias Sarah Elena Timpe. Foto: Klaus Werner
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Gekonnt inszenierte Thomas Rahmer das Stück "Der Fremde im Haus" - einen Psychothriller, der auf Agatha Christies Kurzgeschichte "Philomel Cottage" beruht und die pathologischen Abgründe eines Serienkillers aufzeigt. In die Hauptrollen brillierten Sasa Kekez und Sarah Elena Timpe, die in einer spannungsgeladenen Schlussszene für Gänsehaut bei den rund 200 Gästen im Kurtheater sorgten.

Gespür für Charaktere

Vor über acht Jahrzehnten schrieb Agatha Christie die Kurzgeschichte, die kurz darauf als Theaterstück aufgeführt und fürs Kino entdeckt wurde. Christies feines Gespür für die Charaktere, die man für ein unterhaltsames, aber auch spannungsgeladenes Bühnenstück benötigt, wurde von Regisseur Thomas Rahmer und dem Ensemble von "Theatergastspiele Fürth" gekonnt in die Neuzeit übertragen. Dabei wurde weniger am übersetzten Text und der bühnenadäquaten, dem Engländern aus deutscher Sicht zugeordneten Modulation verändert. Vielmehr wurde das Bühnengeschehen mit Handy, Selfie und gestiegenen Grundstückspreisen der aktuellen Zeit angepasst. Mit diesem Update erreicht es eine höhere Akzeptanz, wobei Christies zeitlose Charaktere und Typen trotzdem ihre Persönlichkeiten und Eigenarten auf der Bühne ausleben dürfen.

Neues Leben durch Lotto-Gewinn

Zu Beginn von "Der Fremde im Haus" geht es um das Kennenlernen der Charaktere. Sarah Elena Timpe gibt die Cecily Harrington, die als Sekretärin ein anständiges, aber fades Leben führt und dank eines Lottogewinns die Chance sieht, mit Reisen und Abenteuern ihr Leben aufzupeppen - auf der Strecke bleibt ihr Langjährig-Verlobter Nigel, der wunderbar grau und unscheinbar von Markus Baumeister gespielt wird. Begleitpersonen sind Mavis (Franziska Janetzko) als beste Freundin und Mit-Lottogewinnerin und Tante Lulu (Johanna Liebeneiner) als schrullig-süffisante Anstandsgouvernante - und beide als mahnende Stichwortgeber, Trostspender und fürsorgliche "Pass-auf-dich-auf"-Ratgeber. Dazu passend - und im weiteren Verlauf des Stückes wichtige Impulsgeber - kamen noch der Landarzt (Norbert Heckner) und der Gärtner (Michael Kausch) hinzu. Neben Cecily steht mit Bruce Lovell (Sasa Kekez) ein smarter Charmeur im Mittelpunkt, der durch seine unbeschwerte Art das Herz der Lottomillionärin gewinnt, sie heiratet, mit ihr in ein Landhaus zieht, sich ihr Vermögen überschreiben lässt und sich nach und nach als psychopathischer Serienmörder mit sadistischen Zügen entpuppt.

Spielraum für Schauspieler

In den Akten des ersten Teils entwickeln sich nicht nur die Charaktere, sondern auch die Handlungsstränge des Stücks - anfangs mit einem reduzierten Bühnenbild, das mit wenig Mitteln die kleine Wohnung darstellt. Im dritten Aufzug öffnet sich der Blickwinkel auf das dezent möblierte Wohnzimmer des Landhauses als Mittel- und Ausgangspunkt der weiteren Handlung. Somit bleibt genügend Spielraum für das Ensemble - und dieser Spielraum wird durch eine Lichtgestaltung mit Gruseleffekten und durch musikalische Einspielungen mit Spannungscharakter unterstützt.

In diesem Umfeld lässt Regisseur Thomas Rahmer gerade den beiden Hauptfiguren viel Platz, um sowohl die Handlungsverläufe als auch ihre Rollen zu entwickeln. Cecily alias Sarah Elena Timpe mutiert von der verträumten, einfachen Sekretärin zur verliebten, dann zur vertrauensseligen und schließlich zur eingeschüchterten, ja ängstlichen jungen Frau, die aus diesem Gefängnis nicht mehr entfliehen kann.

Als smarter Bruce Lovell beginnt Sasa Kekez das Spiel, bevor er mit Anspielungen, Liebesbezeugungen und eingeforderten Liebesbeweisen das perfide Spiel um die Macht über eine andere Person fortsetzt. Nach und nach offenbaren sich seine pathologisch-sadistischen Züge, denn es geht ihm nicht ums Geld, sondern um "das gottgleiche Gefühl, Macht über einen anderen Menschen zu haben". In einem fesselnden Showdown zwischen den beiden eskaliert die Situation - doch anders als erwartet ist nicht Cecily das Opfer. Den Gästen gefiel nach den Gruselmomenten das Ende des Stücks und bedankte sich mit herzlichem Applaus.

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