Bad Kissingen
Kirche

Proben für den Fernseh-Gottesdienst

Das ZDF überträgt am 23. November einen Sonntagsgottesdienst aus der Erlöserkirche in Bad Kissingen. Gottesdienstteam und Fernsehleute trafen schon zu mehreren Proben. Auch das Orchester übt schon fleißig.
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Das Kammerorchester Bad Kissingen übt für den ZDF-Fernsehgottesdienst. Foto: Ahnert
Das Kammerorchester Bad Kissingen übt für den ZDF-Fernsehgottesdienst. Foto: Ahnert
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Bad Kissingen — Riesige Trucks des ZDF werden am Freitag, 21. November, ins Zentrum von Bad Kissingen kommen und das Gebiet um die Evangelische Erlöserkirche zum Sperrgebiet für Autofahrer machen. Mit drei Aufnahmewagen begibt sich die Fernsehanstalt nach Bad Kis singen, um von hier eines der ältesten Programme des Senders, den "ZDF-Sonntagsgottesdienst", live am Sonntagmorgen von 9.30 bis 10.15 Uhr auszustrahlen.
Rund 700 000 Zuschauer hat die Sendung im Durchschnitt. Sie wird für jeden Sonntag produziert, bis auf wenige Ausnahmen immer abwechselnd in einer katholischen und einer evangelischen Kirche in Deutschland und Österreich.
Das Motto des Gottesdienstes aus der Erlöserkirche ist "Grenzenloser Lebensmut" und das ist in seinem strahlenden Optimismus zunächst eher verwunderlich, handelt es sich doch um den Gottesdienst zum letzten Sonntag im Kirchenjahr, dem Ewigkeits- oder Totensonntag. In seiner Videobotschaft auf der Internetseite des ZDF liefert Pfarrer Wolfgang Ott, der Klinikseelsorger der Erlöserkirche, den Zusammenhang: "Sterben und Tod gehören zum Leben. Die Bibel lässt uns hoffen und verheißt uns einen neuen Himmel und eine neue Erde, wo es kein Sterben und keinen Tod mehr geben wird. Wie kann ich das glauben? Und was bedeutet das für mein Leben? Dem wollen wir nachgehen im Gottesdienst zum Ewigkeits- oder Totensonntag."
Die besondere Position von Pfarrer Ott als Klinikseelsorger wie auch die besondere Stellung Bad Kissingens als Kurort waren offenbar ausschlaggebend für die Auswahl der Erlöserkirche für den Ewigkeitssonntag. Die Vorüberlegungen begannen schon vor zwei Jahren, als der Pfarramtsleiter und Stellvertretende Dekan Jochen Wilde die Erlöserkirche für die Teilnahme an der Sendereihe vorschlug.
Pfarrerin Elke Rudloff, die Senderbeauftragte der evangelischen Kirche für das ZDF, sieht in ihrem Konzept für Bad Kissingen einen unmittelbaren Zusammenhang zwischen der Erinnerung an die Toten und der Erfahrung der eigenen Sterblichkeit, wie sie viele Rekonvaleszenten in den Kliniken Bad Kissingens machen.
Viele Vorbereitungen waren vor Ort nötig, um Rudloffs Vorstellungen in Bad Kissingen zu verwirklichen; schon dreimal trafen sich die Verantwortlichen vom ZDF unter Leitung der Regisseurin Helga Dubnycsek mit dem Gottesdienstteam der Erlöserkirche zu Proben in Bad Kissingen; in einer reinen Technikprobe wurden schon die Kamerastandorte, Beleuchtungskonzepte, Positionen der Redner und Kameraeinstellungen festgelegt und ein Drehbuch für alle Beteiligten erstellt.
Neben Pfarrer Wolfgang Ott werden Diplom-Religionspädagoge Martin Vogtmann und Religionslehrerin und Kirchenraumpädagogin Astrid Wilde den Gottesdienst mitgestalten.
Eine ganz zentrale Bedeutung wird in diesem Gottesdienst aber drei Nicht-Theologen eingeräumt, drei Menschen, die sich normalerweise im Kirchenraum befinden, drei Menschen, die sich nach dem Konzept von Frau Rudloff der Frage stellen mussten, wie sich ihre Sicht auf das Leben durch ihre Krankheit verändert hat. Sie werden über ihre Krankheit, ihre Zusammenbrüche und ihre Glaubenszuversicht berichten. Diese drei "Patientenstatements" von Detlev Rausch, Heidi Sattes-Müller und Christel Schultes beziehen die Gemeinde so unmittelbar ein in das Geschehen im Altarraum der Kirche.
Die Teilnahme von fernsehungewohnten Laien ist sicherlich nicht nur eine große Herausforderung für diese, sondern auch für das gesamte Produktionsteam. Für sie alle stehen und standen zahlreiche Proben an ebenso wie Musiker der Erlöserkirche unter der Leitung des ihres Kantors, Kirchenmusikdirektor Jörg Wöltche. Er spielt die Orgel und begleitet damit auch den Gemeindegesang. Mit dem Kammerorchester Bad Kissingen, das zu den Klangkörpern der Kirchengemeinde gehört, mit Konzertmeisterin Christel Gimmler, die im Gottesdienst die Leitung des Ensembles übernimmt, und den Instrumentalisten hat er das durchgehende musikalische Konzept erarbeitet. Unter anderem wurden Teile aus Mozarts "Requiem" und die "Air" von Bach einstudiert.
Die Laienmusiker haben dieses Mal nicht nur ihre Noten vor sich, sondern das gesamte Drehbuch des Gottesdienstes, denn sie liefern durch begleitende und kommentierende Zwischenspiele das musikalisch-sinnliche Gerüst für die Beschäftigung mit einem Gegenstand, der sich dem menschlichen Verstand entzieht: Ewigkeit.
Zu diesem Gottesdienst in besonderem Rahmen gibt es keine Eintrittskarten, er ist offen für alle. Allerdings muss die Kirche um 9 Uhr ihre Pforten schließen, um einen störungsfreien Beginn der Veranstaltung zu garantieren und die Gemeinde vorzubereiten. Natürlich sollten Besucher mit mobilen Kameraleuten mit ihren Fernsehkameras und einer ganzen Reihe anderer Techniker rechnen. Sie sind nun mal nötig für das große Ereignis in der Erlöserkirche.


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